Geld & Liebe = Streit?

Über kaum ein Thema wird so gestritten wie um Geld. Besonders heikel: Wenn aus einem Paar eine Familie wird, sind die Finanzen oft knapp. Wie Sie Streit vermeiden und Geldangelegenheiten regeln.

Jutta liebt teure Schuhe. Wenn sie richtig Stress im Job hat, gönnt sie sich gern ein neues schönes Paar. Ab und ein leckerer Latte Macchiato im teuren Café – das braucht sie einfach. Kein Problem, von ihrem Gehalt kann sie es sich leisten. Könnte Karsten auch. Will er aber nicht. Er bringt jeden zusätzlichen Cent zur Bank. Seine Freundin Jutta ist für ihn verschwenderisch, Jutta findet, dass Karsten oft ein Geizhals ist. Wenn ein Paar so unterschiedlich mit Geld umgeht, wird es problematisch. „Solche Gegensätze bedeuten Stress pur“, sagt die Sozialforscherin Jutta Allmendinger. Sie leitet ein Projekt, das erforscht, wie Paare ihre Finanzen handhaben.

Finanzen sind das häufigste Streitthema bei deutschen Paaren ergab eine Umfrage. Bei 80 Prozent aller Paarkonflikte geht es um Geld. Zwei von drei Paaren zoffen sich deswegen regelmäßig, viele Beziehungen überstehen den Dauerkonflikt nicht. Dabei geht es oft weniger um Geldknappheit, sondern darum, welche Gefühle mit Geld verbunden werden.

Geld und Liebe

Häufiges Streitthema: Geld (© panthermedia.net maksym yemelyanov)

„Geld ist stärker tabuisiert als Sex“

Geld ist mehr als ein Haufen Münzen und buntes Papier. Es steht auch für Macht und Unabhängigkeit. Wer als Kind jeden Pfennig umdrehen musste und lange auf ein Micky Maus-Heftchen sparen musste, hat als Erwachsener ein anderes Gefühl für Geld, als jemand, der Sparen zum Wünsche erfüllen so nicht kennt. Welche Gedanken kommen hoch, wenn das Konto überzogen ist? Völlige Panik oder ein „Ach, das wird schon werden?“ Schwierig ist, dass die meisten Menschen über ihre Gefühle zum Thema Finanzen schweigen.

„Geld ist in unserer Gesellschaft stärker tabuisiert als Sex,“ erklärt Jutta Allmendinger. In Interviews der Forschungsgruppe zeigte sich, dass Paare ohne Probleme darüber reden konnten, wann und wo sie miteinander schlafen. Aber über ihren Umgang mit Geld, etwa dass immer die Frau im Supermarkt zahlt und der Mann beim Tanken, darüber fehlen häufig die Worte.

Wem gehört denn überhaupt das Geld eines Paares? Die Forscher haben einen internationalen Vergleich mit interessantem Ergebnis gemacht: In Spanien gehen Paare immer von „unserem“ Geld aus, es wird kein Unterschied gemacht. In Schweden dagegen teilen sich die Partner alle Kosten, Anschaffungen werden erst gemacht, wenn beide sie sich leisten können.

Auch in Deutschland gibt es kaum noch das klassische „Versorger-Modell“, fast alle Frauen der Befragung brachten eigenes Geld in die Beziehung ein. Aber selbst wenn sie mehr verdienten als ihre Partner, galt ihr Geld nicht als das wichtige Geld. Eine Grundschullehrerin sorgte für das Grundeinkommen der Familie, weder sie noch ihr Mann fanden das besonders bemerkenswert. Der Mann war Studiomusiker, wenn er wieder einen neuen Auftrag bekam, war das das wirklich wichtige Geld, das für schöne Dinge ausgegeben wird. Allemende spricht in diesem Zusammenhang von profanen und besonderem Geld. Entscheidend ist also die symbolische Bedeutung. Die Frau machte sich, trotz ihres besseren Einkommens, in der Beziehung eher klein.

Mein, dein oder unser Geld?

Dass Paare Geld – und den damit verbunden Symbolcharakter nicht thematisieren ist gefährlicher Zündstoff. Es gibt Beziehungen, wie etwa die von Jutta und Karsten, in denen stillschweigend vereinbart wurde, dass die Liebe nichts mit Geld zu tun haben sollte. Finanzielle Abhängigkeiten möchte man nicht, jeder hat ein eigenes Konto und gemeinsame Anschaffungen werden abgerechnet. Entweder am Monatsende oder nach jedem Einkauf. Solange sich beide einig sind, ist diese individualistische Herangehensweise unproblematisch.

Doch was, wenn aus dem Paar plötzlich eine Familie wird? Wegen der strikten Geldtrennung wird es sicher dann Streit geben, wenn einer mehr zu Hause bleibt und weniger Geld verdient. Karsten wird sicher kein Verständnis dafür haben, wenn Jutta ihre teuren Schuhe von „seinem“ Geld finanziert. Und Jutta wird ein schlechtes Gefühl haben, weil sie stets glaubt, sich für alle Ausgaben rechtfertigen zu müssen.

Paare hingegen, die sich als „Solidaritätsgemeinschaft“ verstehen, in der jeder sein Bestes gibt und gemeinsame Kasse machen, haben es generell leichter, den Übergang vom Paar zur Familie zu schaffen. Aber auch sie können über die Art und Weise, wofür Geld ausgegeben wird, Streit bekommen.

Ob solidarisch oder individuell, wichtig ist, dass sich beide Partner generell einig sind. „Sind sich die Paare im Umgang mit Geld uneins, riskieren sie ihre Partnerschaft“, erklärt Wirtschaftspsychologe Florian Becker von Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Und welche praktischen Möglichkeiten hat man, Gelddinge zu regeln?

Letztendlich gibt es drei verschiedene Varianten. Jeder Partner hat ein eigenes Konto und es wird gemeinsam abgerechnet. Zahlst du heute die Lebensmittel, zahle ich morgen das Benzin. Der eine zahlt die Nebenkosten, der andere die Miete.

Bei Variante zwei behalten beide ihre Konten, es gibt aber ein gemeinsames Haushaltskonto, auf den jeder einen fixen Betrag überweist. Idealerweise derjenige mit dem höheren Einkommen eben mehr. Gemeinsame Lebenshaltungskosten werden vom Haushaltskonto abgezogen.

Die dritte Variante ist ein gemeinsames Konto. So halten es laut einer Sparkassenbefragung 76 Prozent aller Paare. Bei Unverheirateten sind es 44 Prozent, Ehegatten werfen sogar in vier von fünf Fällen ihr Geld zusammen.

Bei den jüngeren Paaren zwischen 25 und 34 Jahren haben rund 64 Prozent ein gemeinsames Konto, während bei den 60- bis 70-jährigen 85 Prozent von getrennten Kassen nichts halten.

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Liebe Leserinnen und Leser, wie gehen Sie mit dem Thema Geld um? Haben Sie ein gemeinsames Konto oder nicht?

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  • A.Hoffmann

    Hallo Zusammen,

    diese ewigen Diskussionen um die Finanzen und wer warum wieviel Geld ausgibt haben wir gelöst.. es gibt einen Test, der beiden Partnern zeigt, wie das eigene Verhältnis zu Geld ist und wie man sich im Hinblick auf Finanzen sicher fühlt. Und so kann man sich besser und vor allem fundierter drüber unterhalten und gemeinsam Entscheidungen treffen. Den Test gibt es von Der wissenswert, http://www.der-wissenswert.de/leistungen/ihre-risikobereitschaft-ermitteln/riskprofiler-zugang/ , wir hatten nachher auch noch eine Beratungsstunde, aber das muss man selber wissen ob man das zusätzlich möchte. Uns hat es sehr geholfen.

    LG, Adriane