Winziger Frühgeborener überlebt

Seine Chancen waren gering. Bei seiner Geburt wog der kleine Junge nur 275 Gramm – aber er hat sich mit Hilfe der Ärzte ins Leben gekämpft. Der weltweit wohl leichteste frühgeborene Junge durfte jetzt nach Hause…

Die kleine medizinische Sensation schlummert endlich zu Hause im nordthüringischen Eichsfeld. Der Junge wurde im Dezember 2009 mit einem Gewicht von 3.700 Gramm aus der Göttinger Universitätsklinik entlassen. Mutter und Kind sind gesund und es gehe der Familie gut, berichtet Kliniksprecher Stefan Weller.

Alles andere als selbstverständlich, denn der kleine Junge hatte nur sehr geringe Überlebenschancen. Er wurde im Juni 2009 Jahres in der 25. Schwangerschaftswoche geboren, wog 275 Gramm und war 27 Zentimeter klein.

Jährlich werden in Deutschland etwa 1000 Frühchen in der 24. bis 25. Schwangerschaftswoche geboren; bei einem Geburtsgewicht von unter 350 Gramm gelten die Winzlinge laut Medizinern selten als lebensfähig.

Doch der kleine Junge aus Nord-Thüringen ist ein Überlebenskämpfer. Seine Mutter kam mit starken Schwangerschaftsproblemen in die Frauenklinik des Göttingeruniversitätsklinkum. Die Ärzte stuften das Baby als stark gefährdet ein und versuchten die Geburt hinauszuzögern, doch Komplikationen machten einen Kaiserschnitt unumgänglich.

Mit 275 Gramm das viertleichteste Kind weltweit, das so eine frühe Geburt überlebt
Fast 16 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin kam der Junge auf die Welt. Mit seinem geringen Gewicht von gerade 275 Gramm gilt er als leichtester Junge und insgesamt das viertleichteste Kind weltweit überhaupt, das eine so frühe Geburt überlebt hat. Bei kleinen Jungen ist die Sterblichkeitsrate 25 Prozent höher. Doch dieser Kleine hat es geschafft.

5 Tage nach der Geburt
“Nach sechs Monaten auf der Intensivstation konnten wir das Kind nach langer und intensiver medizinischer Versorgung und Pflege mit einem Gewicht von 3.700 Gramm im Dezember 2009 nach Hause entlassen”, erklärt Dr. Stephan Seeliger, Neonatologe und Oberarzt der Universitätsklinik Göttingen.

Das Kind jedoch bewies starken Willen – und hatte Glück: “Schwerwiegendere Komplikationen wie eine Hirnblutung oder eine lebensbedrohliche Infektion sind glücklicherweise nicht aufgetreten”, so Oberarzt Dr. Seeliger. Da die Atmung und das Herz des Kleinen stabil waren, durften seine Eltern ihn von Anfang an begleiten, er wurde vom erfahrenen Team des Perinatalzentrums liebevoll aufpäppelt.

Er hat sein Geburtsgewicht verzehnfacht
Der Kleine hat erstaunliche Fortschritte gemacht und sich immer mehr erholt. Sein Geburtsgewicht hat er mehr als verzehnfacht – mit 3700 Gramm durfte er endlich nach einem halben Jahr auf der Intensivstation nach Hause. Er steht noch unter regelmäßiger medizinischer Kontrolle und wird intensiv gefördert, damit er sich motorisch und neurologisch gut entwickelt.

Der medizinische Fortschritt in der Betreuung extrem kleiner Frühgeborener ist rasant. Englische Studien zeigen, dass bei einer guten Begleitung von Mutter und Kind in spezialisierten Zentren ein Leben ohne Behinderung sehr gut möglich ist. Gute Aussichten also für den kleinen Jungen aus Thüringen.

Fotos: © Universitätsmedizin Göttingen
Bild oben: Der kleine Junge bei der Entlassung
Bild unten: 5 Tage nach der Geburt

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