Nach der Geburt

Auf frischgebackene Mütter auch ein paar körperliche Unannehmlichkeiten zu. Wir sprechen es offen aus: Acht postnatale Wahrheiten.

1. Kreislaufschwäche und Gummibeine

In der Regel werden Mütter nach zwei bis drei Tagen aus der Geburtsklinik entlassen. Wenn dann die Sonne lacht, möchten die meisten Mütter einen ersten Spaziergang mit dem Kinderwagen machen. „Frische Luft ist gut für die Winzlinge“, erklären die Hebammen. Die Überlegung, wie lange so eine Runde mit dem Kinderwagen sein soll, ist leider meist sehr theoretisch. Denn direkt nach Geburt ist nicht umsonst die Rede vom Wochenbett.

Die Wahrheit ist: Der Kreislauf ist im Keller, die Beine fühlen sich an wie aus Gummi. Und oft gibt es auch noch frischvernähte Narben, die erst noch heilen müssen. Stellen Sie sich vor, ein untrainierter Mensch läuft einen Marathon. Ähnliches hat Ihr Körper gerade geleistet. Da braucht er einfach Zeit zum Erholen.

Die ersten zwei Wochen nach der Geburt dürfen Mütter also sehr wohl ohne schlechtes Gewissen im Bett bleiben. Kleine Spaziergänge können natürlich nicht schaden. Aber eben nur solange der Kreislauf mitmacht. Wer unsicher ist oder sich noch schlecht fühlt, sollte auf jeden Fall die Hebamme um Rat bitten.

2. Allerwerteste Schwierigkeiten

Nein, wie peinlich. Darüber redet man nun wirklich nicht. Aber nach der Geburt haben viele Frauen Probleme mit dem Stuhlgang. Alles ist noch so wund und fühlt sich komisch an. Und schon wieder pressen? Davor fürchten sich viele Frauen. Und – um es offen zu sagen – die Muskulatur fühlt sich meist nach der Geburt anders an. Denn durch die Schwangerschafts-hormone wird nicht nur Aktivität im Darm beeinflusst, sondern auch die Wände der Venen. Durch den Druck der Geburt und die verstärkte Durchblutung kann es so bei vielen Frauen zu einem unangenehmen und selten erwähnten Problem kommen – Hämorrhoiden.

Wenn sich die Gebärmutter noch nicht vollständig zurück gebildet hat, sollte langes Stehen auf jeden Fall vermieden werden, denn sie drückt noch auf den überdehnten Beckenboden und verhindert die Heilung der Hämorrhoiden. Auch wenn der Damm bei der Geburt sehr beansprucht wurde oder gar genäht ist, ist der Gang zum WC sehr unangenehm. Hier helfen gekühlte Binden (aus dem Eisfach) und Mut. Denn Stuhlgang kann nicht dazu führen, dass die Narben wieder auf aufreißen.

Wichtig ist, jetzt besonders viel zu trinken und darauf zu achten, dass die Ernährung die Verdauung ordentlich anregt (also eher Birnen als Bananen essen). Bei Hämorrhoiden lindern Hamamelis-Myrte-Balsam und lauwarme Sitzbäder lindern die Schmerzen und helfen beim Heilen.

3. Kostenlose Sauna

Sie mögen es, beim Sport oder in der Sauna kräftig zu schwitzen? Prima, dann kann sie dieser Aspekt nicht so erschüttern: Nach der Geburt schwitzen viele Frauen extrem heftig. Vor allem in den ersten Tagen nach der Geburt sind da in einer Nacht locker vier Bettlaken und Nachthemden total nass. Gut zu wissen, denn deswegen sollte man im Klinikkoffer gut ausgestattet sein.

Während der Schwangerschaft hat sich im Körper viel Wasser im Körper gesammelt, das nun ausgeschwemmt wird. Betroffen sind vor allem Frauen, die während der Schwangerschaft zu Ödemen neigten oder Medikamente unter der Geburt bekamen. Weheneinleitende oder verstärkende Mittel können dazu führen, dass der Körper kurzzeitig besonders viel Wasser lagert. Da die Nieren Schwerstarbeit leisten müssen, ist es besonders wichtig, dass möglichst viel getrunken wird – so wird alles eher schneller ausgeschwitzt.

Wer viel schwitzt, hat oft das Bedürfnis sich unter eine Dusche zu stellen. Baden im Wochenbett sollte wegen möglicher Keime lieber nicht sein – aber Duschen ist erlaubt. Auf stark parfümierte Lotionen oder Duschgel sollte verzichtet werden. Aber seifenfreie Zusätze sind ideal und ein anschließendes Eincremen mit einem schönen Öl oder einer Creme tut gut. Und nach wenigen Tagen ist der Schwitz-Spuk meist auch wieder vorbei

4. Periode hoch Zehn

Ein Baby zu bekommen ist eine blutige Sache. Sie fanden es praktisch, dass während der Schwangerschaft die monatlichen Tage ausfielen? Na ja, in den ersten Wochen nach der Geburt kann man den Eindruck haben, dass das sämtliche zehn ausgefallenen Perioden auf einmal kommen. Die ersten drei bis vier Tage bluten frisch Entbundene meist noch sehr heftig.

Grund dafür ist das Ablösen der Plazenta von der Gebärmutterwand, bei dem eine große Wunde entsteht, die erst langsam wieder abheilt. Diese speziellen Blutungen werden Wochenfluss genannt. Den haben auch Frauen nach einem Kaiserschnitt, denn er gehört zum natürlichen Rückbildungsprozess dazu.

Frauen, die zu starken Regelblutungen neigen, haben oft einen intensiveren Wochenfluss. So unangenehm er ist, ab dem fünften Tag ebbt er allmählich nach, der Ausfluss ändert die Farbe von rot zu rosa und ist zuletzt farblos. Die Länge des Wochenflusses ist von Frau zu Frau verschieden, er kann bis zu acht Wochen dauern.

Im Krankenhaus bekommt man spezielle Vorlagen (vergleichbar mit einer dicken Binde), später können auch normale Binden genutzt werden. Es ist ganz normal, nach der Geburt noch zu bluten. Wer allerdings noch nach einer Woche übermäßig stark blutet oder kleine Gewebestückchen (Plazentateile) bemerkt, sollte sofort die Hebamme oder den Arzt informieren, denn dies deutet darauf hin, dass die Wundverheilung in der Gebärmutter nicht gut verläuft oder Plazentareste noch vorhanden sind.

5. Die Wehen nach den Wehen

Auch nach Geburt kann es noch reichlich ziehen in der Gebärmutter! Erstgebärende haben damit meist noch keine Schwierigkeiten, aber für Mehrgebärende können die Nachwehen oft sehr schmerzhaft sein. Kein Wunder, der Köper muss ja auch viel tun. Denn nach der Geburt ist eine Gebärmutter so groß wie eine Wassermelone, nach sechs Wochen soll sie wieder das Volumen eines Apfels haben.

Die Nachwehen, die sich besonders beim Stillen bemerkbar machen, dauern meist zwei bis drei Tage, dann hat sich die Gebärmutter zum größten Teil zurückgebildet und auch eventuelle Plazentareste abgestossen.

In Rücksprache mit dem Arzt und der Hebamme helfen bei Schmerzen Wärmeanwendungen, homöopathisches Heilmittel und Tees oder in besonders heftigen Fällen einige Schmerzmittel.

6. Hilfe – überall Haare, aber nicht auf meinem Kopf

In den ersten Wochen nach der Geburt sollte man auf dunkle Bettwäsche verzichten. Denn die kann ganz schnell voller Haare sein. Aber auch schwarze Pullover und letztlich die Haarbürste bringen es an den Tag: Junge Mütter haben Haarausfall.

Ziemlich gemein, wenn man sich schon nicht so wohl mit seinem neuem Körper fühlt und unter Schlafmangel leidet. Aber wie war denn die Haarstruktur vorher? Tatsächlich ist so, dass die meisten Schwangeren durch das zusätzliche Östrogen besonders fülliges glänzendes Haar haben, auf das sie stolz sind. Stellt sich der Hormonhaushalt nun nach der Geburt wieder um, normalisiert sich auch das Haarbild und durch das schnell Absinken des Östrogenspiegels kann es auch zu intensivem Haarausfall kommen.

Aber keine Angst – auch wenn es unangenehm ist, wenn man auch ohne Haustier plötzlich überall Fussel hat – es ist meist nur eine kurze Phase und dann ist übliche Haarstruktur wieder da. Wer das Gefühl hat, doch zu viele Haare zu verlieren, sollte mit dem Frauenarzt oder dem Dermatologen sprechen.

7. Schlafmangel und Hormonumstellung – wer ist die fremde Frau?

Der Bauch fühlt sich noch schwabbelig an, man passt noch nicht in die normalen Klamotten, sondern noch immer nur in die Umstandshosen. Die Brüste, sind geschwollen, man schwitzt hat Haarausfall und die Hormone bewirken, dass plötzliche Tränenausbrüche – auch vor Freude –an der Tagesordnung sind. Ein ziemlicher Ausnahmezustand.

Und auch wenn man in den letzten Wochen der Schwangerschaft durch den dicken Bauch nicht mehr besonders gut schläft – es ist doch etwas anderes, wenn man nun durch einen hungrigen Mini-Menschen nur noch wenige Stunden im Stück schlafen kann.

Die Kombination aus körperlicher Umstellung und Schlafmangel ist leider nicht besonders glücklich von der Natur gelungen. Denn sie kann dazu führen, dass man sich selbst nicht wieder erkennt. Mürrisch, launisch und vergesslich? Gern wird da auch von Stilldemenz gesprochen. Aber auf jeden Fall sollte man sich selbst verzeihen, ein bisschen „neben sich“ zu stehen, ist unter den Umständen ganz normal. Was hilft? Eine reelle Portion Humor, ein liebevoller Partner und Unterstützung von Freunden und Familie.

8. Stillen und Heißhungerattacken

Es gibt tatsächlich ein Buch mit dem Titel „Die Stilldiät“. Doch da geht es nur darum, welcher Speiseplan für fütternde Mütter ideal ist. Alles andere ist auch absurd. Stillen und Abnehmen geht nämlich gar nicht wirklich gut zusammen. Bei einigen Frauen schon, aber die meisten Frauen haben in der Stillzeit wahnsinnigen Appetit.

Kennen Sie das Gefühl, wenn man nach dem Schwimmen Heißhunger hat? Genau, nur noch viel heftiger ist es beim Stillen. Gemein, dass das Baby das oft nicht versteht. Denn kaum hat man einarmig versucht zu kochen (geht irgendwann mit Baby im Arm) und möchte essen, dann fängt der Nachwuchs gerne an Theater zu machen. Hier müssen Mütter an sich denken. Mit Glück kann Oma oder Papa das Baby beschäftigen und sonst müssen sie mit einem Brüllorchester essen.

Gesunde Snacks, vorgekochtes Essen und viele Geduld sind die Lösung. Wer möglichst viel über den Tag verteilt ist, kann Fressattacken vermeiden, dann lagert auch sich nicht zuviel an den Hüften ab, sondern ist auch wirklich für das Baby. Ein genüssliches Schmatzen wird es Ihnen danken.

Bild:© Melanie DeFazio – fotolia.de

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  • E.

    Tatsächlich fürchtet Frau den ersten Stuhlgang nach einer Geburt. Was mir persönlich sehr geholfen hat, so kurz nach der Entbindung, das war die ganz natürlich Hockstellung für die optimale Darmreinigung. Einfach in die Hocke positionieren, also in den 35 Grad Winkel mit Hilfe eines medizinischen Hoca kommen, und schon kann man sein Geschäft ohne pressen zu müssen, absolvieren. Schließlich fürchtet man ja dieses starke Pressen und wenn dieses aufgrund der Hockhaltung aufm Klo wegfällt, dann kann man schmerz- und angstfrei seinen Enddarm im korrekten Winkel leeren. Zudem hat mich auch überzeugt, dass die Hocke als Sitzposition absolut ursprünglich ist, und dass man mit dieser Haltung zahlreiche Darmkrankheiten präventiv behandeln kann.