Kaiserschnittnarbe – Ein Rückblick auf eine besondere Aktion

Frauen, die ihr Kind per Kaiserschnitt geboren haben, tun sich oft schwer damit, dieses Erlebnis zu verarbeiten. Wenn dann noch, wie aktuell im Netz, eine Diskussion um “selbstgeborene” Kinder tobt, dann gehen die Emotionen hoch.

Fast 60 Frauen waren besonders mutig. Sie haben in der liliput-lounge-Aktion ‚Zeigen Sie uns Ihre Kaiserschnittnarbe’ mitgemacht. Im Herbst 2008 hat die liliput-lounge in Kooperation mit edition riedenburg, dem Verlag von „Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht“ zu einer Aktion aufgerufen.

Zunächst hatte uns das Buch von Caroline Oblasser, Ulrike Ebner und Gudrun Wesp ungemein beeindruckt. Denn es brach ein Tabu. Frauen erzählten offen von ihren Kaiserschnitten und zeigten ihre Narben. Dazu ein umfangreicher Teil mit Fakten und Aufklärung.

Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht: 60 Kaiserschnitt-Mütter in Wort und Bild (© Gudrun Wesp / edition riedenburg)

Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht: 60 Kaiserschnitt-Mütter in Wort und Bild (© Gudrun Wesp / edition riedenburg)

Jede Geburt ist wertvoll – und jede Mutter darf stolz sein

Das zeigten die vielen Mails und Kommentare bei uns auf der Webseite. Rea etwa schrieb: „Ich würde mich ablichten lassen für ein solches Projekt, denn genau das ist das, was viele tabuisieren. Für mich stellt meine Narbe kein Problem dar, denn sie gehört genauso zu mir wie mein Kind, welches ohne diese Narbe wohl nicht mehr am Leben wäre. Trotzdem hat mich die Situation damals sehr geschafft und es tat gut, mit jemandem darüber zu reden, dem es genauso ging wie mir. Schön finde ich meine Narbe nicht – oft habe ich sie mir weggewünscht – aber ich kann zu ihr stehen – und das sollte jede Frau lernen “können” bzw. “dürfen”.”

Dem Kaiserschnitt ein Gesicht geben - Aktion der liliput-lounge

Dem Kaiserschnitt ein Gesicht geben – Aktion der liliput-lounge

Narben, die so verschieden wie die Erfahrungen sind

Die Idee war geboren, unsere Userinnen aktiv einzubeziehen – indem wir einen Aufruf an alle Frauen, die eine Sectio hatten, baten sich zu beteiligen. Mittlerweile sind fast 60 Fotos und Fragebögen online. Es sind Geburtsberichte zu lesen, die rührend, aufregend und erschütternd sind – und ganz und gar unterschiedlich. So wie die schwarzweißen Bilder selbst viele verschiedene Narben zeigen.

Die Antworten auf die Fragen waren ehrlich. So antworte eine Userin auf die Frage, ob sie ihre Narbe hässlich  fände mit: „Ja und Nein. Momentan fange ich an, sie als einen Teil von mir zu sehen. Danke für die Möglichkeit meine Narbe zu zeigen, zu ihr zu stehen und andere Narben zu sehen.“

Aktuell wird wieder viel über Geburten diskutiert. Wir von der liliput-lounge unterstützen die Aktion der Hebammen. Und sind gleichzeitig traurig, wenn dies zum Anlass für neue Grabenkämpfe unter Müttern genutzt wird.

Selbstgeboren? Natürlich! Egal ob vaginale Entbindung oder Bauchgeburt, egal ob mit PDA oder ohne, egal ob mit Dammschnitt oder ohne. Jede Geburt ist einmalig. Nicht jede Geburt ist schön. Nicht jede Geburt ist schrecklich.

Darum ist es wichtig, dass Kaiserschnittmütter ihre Narben zeigen durften. Darüber berichten könnten, wie sie sich fühlten. So schrieb eine junge Mutter: “Manchmal finde ich es heute noch traurig, mein größter Wunsch war eine vaginale Geburt. Die ersten Wochen nach der Geburt musste ich jeden Tag daran denken, langsam lässt das jetzt nach 5 Monaten nach. Durch diese Aktion lerne ich, dass mich meine Narbe nicht verhöhnt und mit dem Finger auf mich zeigt. Eigentlich ist sie auch gar nicht so hässlich, durch sie kam mein wunderschöner Sohn zu mir. Mein Mann findet sie auch nicht hässlich und küsst sie ab und zu, das hilft mir sehr.“

In den Geburtsberichten schwingt oft eine Traurigkeit über das entgangene Geburtserlebnis mit. Und genau das macht diese Aktion so besonders. Sie gibt Frauen, die Möglichkeit, ihrem Kaiserschnitt ein Gesicht zu geben. Zu ihm zu stehen und die seelischen und körperlichen Narben zu zeigen. Damit sie verheilen können.

Wir möchten hier den mutigen Frauen, die ihre intime Narbe gezeigt haben, ausdrücklich danken!

Online sind die Bilder noch zu sehen. Hier eine kleine Auswahl:

Bild: Userin 56, privat

Bild: Userin 56, privat

Bild Userin 51, privat
Bild Userin 51, privat

Bild: Userin 41, privat

Bild: Userin 41, privat

Bild: Userin 11, privat

Bild: Userin 11, privat

Bild: Userin 25, privat

Bild: Userin 25, privat

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  • helura

    Es ist letztendlich so egal, wie ein Kind zur Welt kommt! Heute, 10 Jahre nach dem Kaiserschnitt fragt kein Mensch, auch nicht meine Tochter, auch nicht ich selbst oder sonst irgendwer wie die Geburt war. Auch meine anderen beiden Kinder kamen per Sectio. Die Narbe sehe und spüre ich nicht. Frauen sollten sich nicht zu sehr auf einen Geburtsablauf versteifen sondern einfach alles nehmen wie es kommt, dann ist auch die Enttäuschung nicht so groß, wenn es anders läuft. Eine Geburt kann man genau so wenig planen wie die große Liebe oder Talente und Eigenheiten, die das Kind mitbekommt.
    Seht es doch einfach lockerer. Es wäre besser, wenn sich Mütter gegenseitig unterstützen als sich gegenseitig abzuwerten oder schlechtzumachen!

  • muselinchen

    Ich war nach meiner ersten Entbindung – einem ungeplanten Kaiserschnitt der mich lange beschäftigt hat – erst besänftigt, als ich meinen Sohn zwei Jahre später im Geburtshaus auf ganz natürliche Weise geboren habe. Diese Geburt, so schmerzhaft sie auch war, hat mich ausgesöhnt. Rückblickend kann ich sagen, dass ich zu meiner Tochter (Kaiserschnitt) eine ebenso innige Beziehung habe wie zu meinem Sohn. Mütter, es ist ganz egal wie ein Kind zur Welt kommt. Das Wichtigste ist, dass sie gesund ist. Das man sich nach einem ungewollten Kaiserschnitt traurig fühlt ist wohl normal, aber das vergeht. Das Kind aber bleibt. Und das ist das Wichtigste.