Dammrisse und Dammschnitte verhindern

Hört sich nach schlimmsten Schmerz an: Dammverletzungen. Obwohl die meisten Mütter damit bei der Geburt Erfahrungen machen mussten, schweigen sie über Dammrisse und Dammschnitte. Hier lesen Sie offene Antworten auf die Fragen, die sich Schwangere stellen. Und wie man sich schützen kann…

Können Damm-Massagen tatsächlich vor Verletzungen schützen?
Ja, darin sind sich Hebammen einig.  Der Damm, die Muskulatur zwischen der Scheide und dem After, sollte möglichst weich und dehnbar gemacht werden. Regelmäßige Massagen bereiten auf die Geburt vor. Dies ist vor allem beim ersten Kind und bei Narben von vorausgegangenen Geburten wichtig, damit die enorme Dehnung durch das Köpfchen des Kindes leichter ist. Da der Körper etwa vier Wochen vor der Geburt mit Senkwehen die Geburtsvorbereitung beginnt, ist dies ein guter Zeitpunkt um damit anzufangen, den Damm zu schützen.
Wie geht so eine Massage?
Am besten lässt man sie sich von einer Hebamme oder dem Frauenarzt zeigen. Der Damm und die Schamlippen sollten täglich fünf bis zehn Minuten mit einem speziellen Damm-Massageöl oder einem hochwertigen, biologischen Pflanzenöl (etwa Oliven- oder Jojobaöl) massiert werden.
Was kann man noch zur Vorbeugung tun?
Hebammen kennen zahlreiche Tricks. Einige empfehlen Akkupunktur, andere Sitzbäder mit Heublumen oder das Trinken von Himbeerblättertee. Auch Blütenessenzen haben sich bewährt. Noch recht neu ist der Epi-No Geburtstrainer, bei dem Gerät soll mit einer Art aufblasbarem Ballon die Muskulatur schonend gedehnt werden.
Wie kann die Hebamme den Damm bei der Geburt schützen?
Die Hebamme beobachtet während der kritischen Austreibungsphase ganz genau des Gewebe und erklärt der werdenden Mutter, wie weit sich alles gedehnt hat und wann sie pressen darf. Kommt das Köpfchen, stützt sie mit einer Hand den Damm. Die andere hindert das Kind daran, zu schnell aus der Scheide zu kommen. Zusätzlich arbeiten Hebammen mit warmen Kompressen und speziellen Ölen.
Kann die Gebärende auch selbst etwas tun?
Um die Gefahr einer Verletzung zu mindern, sollte sie den Druck vom Damm nehmen. Dies geht am besten im Vierfüßlerstand, halb stehend oder kniend auf einem Hocker. Allerdings kann dann die Hebamme etwas schlechter helfen.
Und wenn der Damm doch reißt?
Es gibt verschieden starke Grade eines Dammrisses. Leichte Schürfungen, bei denen die Haut oberflächlich eingerissen ist, benötigen keine weitere medizinische Versorgung. Werden Fettgewebe und Muskeln durchtrennt, wird die Wunde mit selbst auflösendem Faden genäht. Entscheidend ist, wie hoch der Riss ist, ob etwa auch der Bereich der Schließmuskeln betroffen ist. Besonders ausgeprägte Risse werden unter Narkose versorgt, die meisten allerdings direkt im Anschluss an die Nachgeburt. Die Stelle wird örtlich betäubt und die kleine Mini-OP ist für die Mutter rasch vorbei.
Wird heute eigentlich weniger geschnitten?
Ja. Denn viele Studien haben gezeigt, dass routinemässig durchgeführte Dammschnitte kaum Sinn machen. Tatsächlich ist es sogar so, dass ein angesetzter Schnitt zu einem tieferen Riss führen kann. Auch Behauptungen, durch einen gezielten Schnitt werde der Beckenboden geschützt und so Inkontinez und Sexualstörungen vermieden, haben sich als haltlos erwiesen. Manchmal machen gezielte Schnitte Sinn, generell verheilen Risse aber besser.
Und was hilft nach der Geburt gegen Schmerzen?
Offen gesagt: Nach dem ersten Rausch der Glückshormone kann die Wunde heftig schmerzen. Sitzen und gehen kann beschwerlich sein. Im Notfall dürfen gibt es aber Schmerzmittel, die auch Stillende nehmen dürfen. Besonders unangenehm ist das Wasser lassen, denn Urin brennt furchtbar. Dagegen helfen Spülungen mit lauwarmen Wasser über der verletzten Stelle. Die Wunde kann beim Stuhlgang im Übrigen nicht aufplatzen. Allerdings sind Verstopfungen jetzt besonders unangenehm, wer anfällig ist, kann den Darm mit Milchzucker anregen.
Weitere Tipps:
  • Quark in ein Kondom füllen und in den Kühlschrank legen. Angenehm ist es auch eine Binde mit Wasser zu durchnässen und ins Gefierfach zu packen. Das wirkt wie eine Kompresse.
  • Ein kurzes Sitzbad (höchstens zwei Minuten, sonst weicht die Naht auf) mit Calendula oder Kamille. Danach vorsichtig mit einem weichen Tuch abtupfen.
  • Viel frischte Luft für die Naht. Möglichst zweimal am Tag eine halbe Stunde „unten ohne“ im Bett liegen.

 

Wie lange spüren Frauen die Verletzung?

Selbst größere Verletzungen heilen dank der guten Durchblutung des Dammes meist sehr schnell. Nach einigen Wochen ist alles vorbei. Manche Frauen haben das Gefühl, an den Narben wetterfühlig zu sein, doch meist verheilt das Gewebe völlig unkompliziert. Unter Umständen leiden Mütter vor allem unter dem psychischem Aspekt, haben Schwierigkeiten mit den Erinnerungen an die Schmerzen und haben mit der Verarbeitung der Geburt Schwierigkeiten. Hier können Hebammen und Frauenärzte gute Ratschläge gegen und eventuell an Spezialisten oder Selbsthilfegruppen verweisen.

Wann ist Sex wieder möglich?

Es ist völlig unterschiedlich, wie schnell die Naht verheilt, manchmal schon nach drei Tagen, manchmal aber auch erst nach drei Monaten. Nach der Verheilung ist Gechlechtsverkehr völlig unbedenklich – wenn beide Partner möchten. Lust auf Sex ist ein gutes Zeichen dafür, dass die Wunde wieder in Ordnung ist.

Bei einigen Frauen zieht die Dammnaht unangehm beim Sex – es kann ein Vierteljahr dauern, bis die Narbe nicht mehr spürbar ist. Sollte sich die Scheide plötzlich ungewohnt eng anfühlen, dann kann es passiert sein, dass beim Nähen des Damms ein Stich zu viel gemacht wurde, so dass der Scheideneingang nun kleiner ist. Dies kann der Frauenarzt mit einem kleinen Schnitt rückgängig machen.

Was passiert bei der nächsten Geburt?

Die zweite Geburt ist fast immer unkomplizierter und schneller als die erste. Weil sich das Gewebe bereits einmal ausgedehnt hat, bleibt beim zweiten Kind der Damm oft heil. Völlig unbegründet ist die Angst, dass alte Nähte wieder aufplätzen könnten. Wenn Narben geblieben sind, es es für die Dehnbarkeit des Gewebes besonders wichtig, dass vorbereitende Damm-Massage gemacht werden.

Foto: © Richard Semik für istockphoto.com

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