Bild einer Kaiserschnittnarbe löst weltweite Diskussion aus

Ein Bild wird weltweit heftig diskutiert: die Fotografin Helen veröffentlichte ein Bild, das ein Neugeborenes und die frische Kaiserschnittwunde der Mutter zeigt. Grausam oder wichtig und richtig?

Darf man so etwas zeigen? Helen Aller (29) ist Fotografin, zweifache Mutter und lebt auf der britischen Kanalinsel Guernsey. Vor allem Bilder von Schwangeren und Neugeborenen nimmt sie gern und viel auf.

Vor einigen Monaten porträtierte sie eine werdende Mutter, deren grösste Angst war,  ihr Kind per Kaiserschnitt zu bekommen. „Letzte Woche ging die Geburt los,  es musste tatsächlich ein Notfallkaiserschnitt gemacht werden. Heute bat mich  die Mama vorbeizukommen und dieses ganz bestimmte Bild von ihr zu machen. Denn es zeigt, dass ihr schlimmster Albtraum letztlich ihr eigenes und das Leben ihres Kindes rettete,“ erklärte Helen Aller.

Das Wunder der Geburt ... © Helen Carmina Photography

Das Wunder der Geburt … © Helen Carmina Photography

Helen postete das Bild auf ihrer Facebook-Seite. Es zeigt ein Neugeborenes, dass sich im Schambereich der Mutter einkuschelt und die noch sehr frische Kaiserschnittwunde, die drei Tage nach der Geburt noch nicht vernarbt ist. Mit der Veröffentlichung war die Mutter einverstanden, denn sie und ihr Partner sind stolz auf die Geburt.

Womit weder die Fotografin, noch die junge Mutter rechneten: innerhalb von nur drei Tagen wurde das Bild über 7,5 Millionen mal angesehen, mittlerweile sind es nach einer Woche unfassbare 20 Millionen. Helen Aller, die selbst gerade ihr drittes Kind erwartet, bekam tausende von Kommentaren, Nachrichten und Emails. Nicht alle waren freundlich. Das Bild sei ekelig und sexuell eindeutig. Es wurde auch bei Facebook gemeldet. Aber nicht gesperrt.

Jede Geburt ist wertvoll und jede Mutter darf stolz sein

Denn die überwiegenden Reaktionen sind sehr positiv. Viele Frauen bedanken sich für das schöne Bild und den Mut die Wunde zu zeigen. Auch auf der liliput-lounge haben wir dem Kaiserschnitt ein Gesicht gegeben. In einer gemeinsamen Kooperation mit der edition riedenburg hatten wir Frauen gebeten, uns Bilder ihrer Kaiserschnitt-Narben zu schicken. Fast 60 Frauen haben sich beteiligt und nicht nur ihre Narben gezeigt, sondern auch ihre bewegenden Geburtsgeschichten mit uns geteilt.

„Für mich stellt meine Narbe kein Problem dar, denn sie gehört genauso zu mir wie mein Kind, welches ohne diese Narbe wohl nicht mehr am Leben wäre, “ schrieb uns Rea. Jede Geburt ist wertvoll und jede Mutter darf stolz sein. Genau das wollten wir zeigen.

Auch das Bild von Helen Aller und die Diskussion um diese Bild zeigt: noch immer sind Kaiserschnittnarben tabuisiert. Es ist wichtig Müttern die Möglichkeit zu geben, ihrem Kaiserschnitt ein Gesicht zu geben. Zu ihm zu stehen. Denn nur so können seelische und körperliche Narben verheilen. Die Bilder der Narben –und auch das Bild von Helen Aller – dürfen nicht nur gezeigt werden, sie sind wichtig.

Mehr lesen Sie hier: „Kaiserschnittnarbe – Ein Rückblick auf eine besondere Aktion“

Zur kompletten Galerie: „Zeigen Sie uns Ihre Narbe“