Das Fruchtwasser

Das Fruchtwasser ist eine ganz besondere Flüssigkeit. Sie wärmt, schützt, bereitet das Baby auf das Leben vor  – und sie kann signalisieren, wenn es dem Baby schlecht geht. Was genau ist dieses magische Wasser und wie wirkt es?

Mediziner nennen das Elixier Amnionflüssigkeit. Dieses Fruchtwasser im Mutterleib hat unglaublich viele Funktionen – kein Wunder, dass es als Zauberflüssigkeit gilt. Es versorgt das Kind mit Nährstoffen, schützt und wärmt es, pflegt seine Haut und ist auch bei der Geburt besonders wichtig. Und Fruchtwasser kann noch mehr: Es kann mit Alarmzeichen signalisieren, wenn es dem Baby schlecht geht und Auskunft über die Gesundheit des Ungeborenen geben.

Direkt nach der Bildung der Fruchtblase bildet sich in ihr die klare wässrige Flüssigkeit. Ab der 4. Schwangerschaftswoche umgibt das Fruchtwasser den Embryo vollkommen und sorgt dafür, dass das kindliche Gewebe nicht mit dem Gewebe der Fruchtblase verwachsen kann.

Dank des Fruchtwassers kann das Ungeborene sich schwerelos bewegen  – gleichzeitig wirkt die Amnionflüssigkeit wie ein Stoßpuffer und schützt das Kind vor Erschütterungen. Die Temperatur des Fruchtwassers liegt bei 37,5 Grad – so ist das Baby immer von einer angenehmen konstanten Wärme umgeben.

Was genau ist Fruchtwasser eigentlich?
Fruchtwasser besteht hauptsächlich aus Wasser und Elektrolyten. Genau genommen sind dies Salze, Proteine, Zucker und Nährstoffe, die das Baby auch zur Entwicklung braucht. Denn der Embryo fängt ab der 14. Schwangerschaftswoche an, sich auf das Leben außerhalb des Mutterleibs vorzubereiten: Er macht Atemübungen, schluckt und verdaut. Das Kind trinkt dabei kleine Schlucke vom Fruchtwasser und trainiert so Darm- und Nierentätigkeit. Über die mütterliche Plazenta wird das geschluckte Wasser wieder ausgeschieden. Das Fruchtwasser selbst wird alle drei Stunden erneuert.

Gleichzeitig ist das Fruchtwasser auch ein Art Pflegemittel für die Haut des Kindes im Mutterleib. Der Wirkstoff Hyaluronsäure schützt Babys Haut und auch die weiße Käseschmiere sorgt dafür, dass die Haut nicht zu sehr aufweicht.Je größer das Kind wird, desto mehr Fruchtwasser ist in der Fruchtblase. In der 7. Schwangerschaftswoche sind etwa 20 ml Fruchtwasser in der Fruchtblase, in der 25. Schwangerschaftswoche 600 ml und in der 30. bis 34. Schwangerschaftswoche etwa  1000 ml. Kurz vor der Geburt verringert sich die Menge dann wieder. Am Anfang der Schwangerschaft ist das Fruchtwasser normalerweise klar oder milchig. Bei der Geburt enthält es dann allerdings Flocken der Käseschmiere. Diese „Vernixflocken“ sind ein Zeichen dafür, dass das Kind reif für die Geburt ist und bewirken, dass das Fruchtwasser gelblich-trüb ist. Durch die Käseschmiereflocken wird das Fruchtwasser auch leicht süßlich – vielleicht ein Grund, warum Neugeborene süße Getränke und Nahrung bevorzugen.

Das Fruchtwasser zeigt also die Geburtsreife des Kindes an. Auch bei der Geburt selbst spielt es eine wichtige Rolle. Durch abgehendes Fruchtwasser werden Geburten oft eingeleitet – wenn die Fruchtblase platzt. Bleibt diese intakt, sorgt das Fruchtwasser wie ein  hydrostatischer Keil, dafür, dass sich der Gebärmutterhalskanal weitet.

Auskunft über die Gesundheit des Kindes
Eine regelmäßige Kontrolle des Fruchtwassers ist wichtig, denn eine Veränderung kann ein Alarmzeichen sein.Verfärbt es sich grün, ist kann dies darauf hinweisen, dass das Baby einen Sauerstoffmangel hat, denn die grünliche Farbe deutet darauf hin, dass Kind schon Stuhlgang hatte, eine Reaktion auf eine Mangelversorgung. Gelbliches Fruchtwasser hingegen kann einen erhöhten Bilirubinspiegel anzeigen, der beispielsweise bei einer Rhesusunverträglichkeit auftritt.

Ganz wichtig ist das Fruchtwasser auch in der vorgeburtlichen Diagnostik: Es enthält Hautzellen des ungeborenen Kindes und so kann mit einer Frucht-wasseruntersuchung geklärt werden, ob Chromosomenstörungen vorliegen. Auch die Lungenreife kann mit Hilfe des Fruchtwassers festgestellt werden und es ist kann zeigen, ob Erreger, wie Toxoplasmose und Listeriose das Kind gefährden könnten.

Zuviel Fruchtwasser?
Ultraschallmessungen machen es möglich einen Fruchtwasser-Index zu ermitteln, der die genauen Werte der Fruchtwasser-Menge in der Schwangerschaft zeigt. Sehr selten kommt es vor, dass Frauen zuviel Fruchtwasser (Polyhydramnie) haben. Betroffen sind etwa 0,5 Prozent aller Schwangeren, die meisten davon leiden unter Diabetes oder haben eine Mehrlingsschwangerschaft. Manchmal kann zuviel Fruchtwasser auch ein Hinweis auf eine Fehlbildung des Kindes sein.

Auch wenn das Kind Probleme mit dem Schlucken oder der Verdauung hat, kann sich auffällig viel Fruchtwasser ansammeln. Oft bleibt die Ursache von vermehrtem Fruchtwasser unklar und lässt keine Rückschlüsse auf die Gesundheit von Mutter oder Kind zu. Sehr oft verschwindet das Symptom bis zur Geburt auch wieder.

Zeichen für einen Fruchtwasserüberschuss können angespannte Unterleibsmuskeln, eine unverhältnismäßig große Gebärmutter und starke Wassereinlagerungen in den Beinen sein. In leichten Fällen verschreibt der behandelnde Frauenarzt meist Medikamente zur Entspannung der Gebärmutter, in schweren Fällen ist eine Untersuchung des Fruchtwassers nötig, um zu klären, ob es dem Kind gut geht. Zuviel Fruchtwasser kann bei der Geburt zu Komplikationen führen, da das Baby sehr beweglich bleibt – und so kann es zu schwierigen Geburtslagen wie Quer- und Beckenendlagen kommen. Die starken Spannungen der Gebärmutter können vorzeitige Wehen und eine Frühgeburt auslösen. Ist das Kind dann auch noch krank, ist seine Belastung umso größer.

Oder zu wenig Fruchtwasser?
Auch zu wenig Fruchtwasser (Oligohydramnie) wirkt sich negativ auf das Kind aus, es kann zu angeborenen Fehlbildungen an den Nieren und Harnwegen führen. Ist zu wenig Fruchtwasser vorhanden, kann dies eventuell durch eine Zucker-Kochsalz-Lösung ausgeglichen werden, ist der Mangel jedoch sehr markant, wird der Gynäkologe – je nachdem, wie fortgeschritten die Schwangerschaft ist – eventuell zu einer vorzeitigen Einleitung der Geburt raten.

Ursache ist häufig eine Mangelversorgung durch die mütterliche Plazenta, die schon im zweiten Schwangerschaftsdrittel auftreten und zu Wachstums-problemen des Kindes führen kann. Betroffen sind insbesondere Kinder von Raucherinnen. Ist schon am Anfang der Schwangerschaft zuwenig Fruchtwasser vorhanden, kann dies zu schweren kindlichen Fehlbildungen führen. Oft sind bei zu wenig Fruchtwasser die Nieren oder Harnwege des Kindes gestört. Der Mangel an Fruchtwasser führt auch zu Haltungs- oder Knochenschäden beim Kind, da es sich kaum bewegen kann.

Manchmal kann auch eine sehr lange Schwangerschaft – also eine Übertragung – dazu führen, dass nicht mehr ausreichend Fruchtwasser vorhanden ist. Dann wird die Geburt sofort eingeleitet.

Fruchtwasser wird in Zukunft Wunder bewirken
Was für eine besondere Flüssigkeit Fruchtwasser ist, haben auch Wissenschaftler entdeckt. Tatsächlich konnten Forscher nachweisen, dass Fruchtwasser eine neue Quelle für Stammzellen sein kann. Aus dem Fruchtwasser konnten Vorläuferzellen für Fett, Muskeln, Knochen oder Nerven herstellen werden. Bisher konnte diese aus embryonalen Stammzellen gewonnen werden. Wenn die Forschung noch weiter geht, kann Fruchtwasser tatsächlich Kranke heilen – und Wunder bewirken. Es ist eben ein ganz besonderes Elixier.

Bild: © Moroz V’yacheslav – fotolia.de

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