Bitte täglich Folsäure

Vor allem für Frauen mit Kinderwunsch und in der Frühschwangerschaft ist Folsäure ganz besonders wichtig. Die Empfehlung: fünf Mal am Tag Obst und Gemüse gilt in der ganzen Schwangerschaft – denn hier steckt das wertvolle Vitamin. Wieso ist Folsäure eigentlich so wichtig?

Eine ausgewogene gesunde Ernährung ist immer wichtig. Doch gerade Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere sollten darauf achten, bestimmte Vitamine zu sich zu nehmen. Besonders wichtig ist Folsäure, das so genannte „Schwangerschaftsvitamin“.

Was ist eigentlich Folsäure?
Folsäure ist ein essentielles Vitamin, das der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann, daher wird es über die Nahrung aufgenommen. In der Schwangerschaft spielt Folsäure eine große Rolle bei allen Zellteilungs- und Wachstumsprozessen. Leidet die werdende Mutter unter einem Folsäuremangel, kann es insbesondere in der Frühschwangerschaft zu Fehlentwicklungen des Rückenmarks und des Zentralnervensystems durch Neuralrohrdefekte kommen. Diese Defekte können sich unter anderem in einem offenen Rücken (Spina bifida) äußern. In Deutschland sind davon mindestens 1600 ungeborene Kinder jährlich davon betroffen – mit unterschiedlich schweren Behinderungen.

Besonders die ersten Schwangerschaftswochen sind entscheidend – doch in diesen ersten Wochen wissen die meisten Frauen noch nichts von der Schwangerschaft. Daher empfehlen die ärztlichen Fachgesellschaften seit 1995, dass alle Frauen, die nicht gezielt verhüten, täglich 400 Mikrogramm (0,4 Milligramm) Folsäure zu sich nehmen sollten.

täglich Folsäure in der Schwangerschaft

Folsäure – das Schwangerschaftsvitamin (© panthermedia.net Daniel Täger)

Viele Deutsche sind unterversorgt – muss ein Gesetz her?
Einige Gesundheitspolitiker und viele Kinderärzte sehen mit Besorgnis, dass Untersuchungen zeigen, dass zwei Drittel der Erwachsenen in Deutschland durchschnittlich weniger als 300 Mikrogramm Folsäure täglich aufnehmen. Sie fordern, dass dem Grundnahrungsmittel Mehl Folsäure hinzugefügt werden sollte, um diese kindlichen Fehlbildungen zu vermeiden. In den USA und Kanada ist ein solcher Folsäurezusatz in Mehl gesetzlich vorgeschrieben. Seit der Einführung dieses Gesetzes kommen dort nur noch etwa halb so viele Kinder mit Neuralrohrdefekten wie beispielsweise einer Spina Bifida, einer Anenzephalie oder einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte zur Welt.

Ernährungsexperten der deutschen Verbraucherzentralen halten eine Zwangsanreicherung für übertrieben. Folsäureangereicherte Müsliriegel, Getränke, Milchprodukte oder Kochsalz sind in jedem Supermarkt zu finden.

Ab der 12. Woche auf Folsäure in Tablettenform verzichten
Viele Studien können übrigens auch viele Ängste auslösen. Denn unbedingt genommen werden soll Folsäure nur im ersten Schwangerschaftsdrittel. Wer sie zu lange einnehme, riskiere eine Asthma-Erkrankung beim Kind, berichtet die Süddeutsche Zeitung mit Verweis auf eine Studie, die im “American Journal of Epidemiology” veröffentlicht wurde. Tatsächlich raten viele Ärzte ab der 12. Schwangerschaftswoche auf synthetisch erzeugte Folsäure zu verzichten.

Folsäure: Fünf Mal am Tag eine Hand voll Obst und Gemüse
Auch wenn die zusätzliche Einnahme von Folsäure in Tablettenform ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel nicht angeraten wird, so ist es aber in der ganzen Schwangerschaft sehr wichtig, ausreichend Folsäure zu sich zu nehmen. Diplom- Ernährungs-wissenschaftlerin Dr. Maike Groeneveld: „Bei den meisten Nährstoffen kann die für die Schwangerschaft empfohlene Zufuhr durch eine abwechslungsreiche Ernährung problemlos abgedeckt werden.“

Denn Folsäure kommt in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vor. Blattgemüse (Spinat, Salate) weist beispielsweise einen hohen Folsäure-Gehalt auf. Auch Erd- und Himbeeren, Kirschen, Hülsenfrüchte, Weißkohl, Brokkoli, Blumenkohl, Spargel, Erdnüsse, Tomaten, Orangen und Leber enthalten das wertvolle Vitamin. Da Folsäure wasserlöslich und sehr hitzeempfindlich ist, sollte das Obst und Gemüse am besten roh gegessen werden. Fünf Mal am Tag eine Hand voll.

Auch frischgepresster Saft kann als eine Portion gelten. Rohkost, Tomatensuppe oder eine griechische Salatplatte können wunderbare Lieferanten von Folsäure sein.

Empfohlen werden etwa 400 Gramm Gemüse und rund 250 Gramm Obst pro Tag. Das könnten beispielsweise zwei Tomaten (etwa 160 g), eine Paprika (150 g) und ein bis zwei Möhren (rund 200 g). Beim Obst sind es z.B. ein Apfel und ein Schüssel Erdbeeren. Die lassen sich auch zu leckerem Milch-Shakes verarbeiten.

Folsäure ist nicht nur für das Baby wichtig. Sie schütztauch die Mutter vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und wahrscheinlich vor Krebs. Zuwenig Folsäure führt auch bei Erwachsenen zu Mangelerscheinungen. Gesunde Schwangere können sich und ihr Kind am besten durch eine natürliche gesunde und ausgewogene Ernährung schützen. Bei Unsicherheiten lieber den Frauenarzt sprechen.

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