Ministerin in Teilzeit?

Noch nie ist eine Bundesministerin im Amt schwanger gewesen. Im Sommer 2011 werden die Familienministerin Kristina Schröder und ihr Mann Ole Schröder zum ersten Mal Eltern. Elternzeit wird Kristina Schröder nicht nehmen – das erlaubt ihr Amt nicht. Doch wer betreut das Baby, wenn beide Eltern arbeiten?

Ob Kristina Schröder schon einmal heimlich sich ein wenig im Forum bei den Juli-Müttern umgeguckt hat? Auf jeden Fall ist es nun offiziell: Die 33-jährige Familienministerin wird im Sommer 2011 zum ersten Mal Mutter, wie sie in der Presse bestätigte. „Wir sind sehr glücklich und dankbar und hoffen, dass alles gut geht“, sagte die Politikerin der „Bild“-Zeitung und bestätigte, dass sie ihr erstes Kind erwartet.

Im letzten Jahr hatten die promovierte Politologin und der Rechtsanwalt Dr. Ole Schröder(39) geheiratet. Erst standesamtlich und dann ganz in weiß. Das Paar hat viele Gemeinsamkeiten: Beide traten früh in die Junge Union ein und beide sind Mitglieder des deutschen Bundestages. Auch politische Ambitionen haben beide: Ole Schröder ist parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Inneres und Kristina Schröder, geb. Köhler, machte als jüngste Bundesministerin Schlagzeilen. Dass sie als ledige kinderlose Frau ausgerechnet Familienministerin wurde, kritisierten viele. Nun wird sie selbst, wie viele andere Eltern auch, vor die Aufgabe gestellt, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Spitzenpolitikerinnen nehmen keine Elternzeit

Auch wenn schon viele männliche Minister in ihrer Amtszeit Väter wurden – in Deutschland hat noch nie eine Frau in so einem hohen Amt ein Kind bekommen. Als erste Spitzenpolitikerin wurde die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles (40) gerade am 18. Januar Mutter. Sie will sich bis März um Töchterchen Ella Maria kümmern und dann wieder ihre Aufgaben in Partei und Parlament übernehmen.

Auch Kristina Schröder wird keine Elternzeit nehmen. Während der Mutterschutzzeit will sie zu Hause bleiben und ihr Amt von dort aus führen. Im Alltagsgeschäft werden dann die Staatssekretäre einspringen. Tatsächlich ist es so, dass Abgeordnete aus verfassungsrechtlichen Gründen gar keine Elternzeit nehmen können. Andernfalls, so eine Sprecherin der Bundestagsverwaltung, müsse das Mandat zurückgeben werden. Der Grund: Parlamentarier sind nur ihrem Gewissen verpflichtet und können sich ihre Zeit im Prinzip selbst einteilen.

Schröders Ehemann Dr. Ole Schröder (Bild) könnte Elternzeit nehmen. Aber ob er wie Grünen-Chef Cem Özdemir ins „Wickelvolontariat“ geht, verrät das Politiker-Paar nicht. Das Ministerium wollte dazu keine Angaben machen. „Wir werden dann vor den gleichen Herausforderungen stehen wie viele andere Paare in Deutschland, bei denen beide beruflich sehr gefordert sind“, erklärte Kristina Schröder.

Immerhin ist das Familienministerium als familienfreundlicher Arbeitgeber zertifiziert. Dieser „Familien-TÜV“ beeinhaltet auch die flexible Arbeitszeiten, die die Ministerin so vehement fordert. CSU-Familienpolitikerin Dorothee Bär (32), Mutter einer dreijährigen Tochter und ebenfalls schwanger, erklärt optimistisch: „Wenn man ausgerechnet im Familienministerium die Arbeitszeiten nicht flexibel gestalten könnte, dann würde in diesem Lande etwas falsch laufen.“

Wickeltisch im Bundestag

Die FDP-Abgeordnete Judith Skudelny (35) hat den Alltag als Mutter und Politikerin für die Mitabgeordneten Schröder, Nahles und Bär erleichtert. Sie hatte 2009 ihre damals vier Monate alte Tochter mit in den Plenarsaal des Bundestages genommen. Das war noch nie passiert, nun einigte sich das Präsidium darauf, dass Abgeordnete im Notfall den Nachwuchs mitbringen dürfen – etwa zu Abstimmungen. Außerdem steht ein Wickelraum zur Verfügung und Betreuer von Politikerkindern dürfen direkt an den Saal heran. Baby und Politik sind vereinbar, erklärt Dorothee Bär: „Früher haben die Frauen im Krieg oder auf der Flucht Kinder bekommen. Da soll keiner behaupten, dass Politik und Kinder zugleich nicht machbar sind.“

Berufstätige Eltern wünschen sich mehr Zeit für die Familie

Familienministerin Schröder setzt sich sehr für familienfreundliche Arbeitszeiten ein. Noch vor kurzem erklärte sie: „Der Wunsch nach mehr Zeit für Familie steht bei berufstätigen Eltern ganz oben auf der Prioritätenliste.“ Sie und ihr Mann werden bald selbst erfahren, was diese Worte wirklich bedeuten.

Denn immerhin leben beide ja zumeist in Berlin, die Großeltern aber in Schleswig-Holstein und Hessen. Und ein Kindergartenplatz? Der Bundestag unterhält zwar eine eigene, für 5,1 Millionen Euro gebaute „Betriebskindertagesstätte“. Doch die Einrichtung ist vor allem für Mitarbeiter gedacht – Politikerkinder können nur betreut werden, wenn ein Platz frei ist. Zur Zeit besuchen fünf Kinder der 622 Abgeordneten die Kita. Wie hoch die Chancen für Baby Schröder auf Betreuung stehen? Und könnte Kristina Schröder ihr Amt wirklich als Teilzeitstelle erfüllen? Das wird sich zeigen.

Doch bis dahin wird sich die Familienministerin mit vielen anderen Problemen befassen – der Erstausstattung, den Vorsorgeuntersuchungen und der Namenswahl. Hier bei der liliput-lounge findet sie sicher viele Informationen. Und Ole Schröder darf sich auch informieren. Staatssekretär in Teilzeit wäre ja auch eine Variante, über die die Familie nachdenken kann.

Bildnachweis: Dr. Kristina Schröder © Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend / L. Chaperon
Dr. Ole Schröder ©cdu-schleswig-holstein/bundestag


 

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