Erste Hilfe bei Kindern

Ein schriller Schrei – das Kind blutet und bewegt sich nicht? Was jetzt tun? Um zu lernen, wie ich mich in Ernstfall richtig verhalte, habe ich einen Kurs zum Thema “Erste Hilfe am Kind” besucht. Zum Glück, denn am nächsten Tag drohte meine Tochter zu ersticken…

Erste Hilfe. Was war das noch mal? Wenn ich ehrlich bin, dachte ich da an die Suche nach dem Puls (find’ ich immer nicht) und das Ausräumen der Mundhöhle. Mehr fiel mir nicht ein. Hilfe holen, klar. Wiederbeleben – aber wie? Na ja, mein letzter Kurs war zur Führerscheinprüfung. Vor vielen Jahren.
Als jetzt im Kindergarten meiner Tochter der Kurs “Erste Hilfe am Kind” angeboten wurde, meldete ich mich gleich an. Denn was tun, im Ernstfall?
“Verlassen Sie sich auf sich selbst,” erklärte Tina Tappehorn. Die ausgebildete Kinderkrankenschwester, selbst Mutter, unterrichtet in Hamburg Eltern, Erzieher und andere Interessierte in Erster Hilfe. Die Erste-Hilfe Regeln wurden in den letzten Jahren von Notfallmedizinern gründlich überarbeitet. Mit guten Grund, denn im Schock fällt es vielen Eltern schwer, sich an das vor langer Zeit Gelernte zu erinnern.
Erste Hilfe Sofortmaßnahmen

Erste Hilfe am Kind (© panthermedia.net Danil Chepko)

“Das, was in den Kursen früher unterrichtet wurde, war viel zu kompliziert und zu umfangreich, so Tina Tappehorn. Eltern grübelten erst einmal was sie überhaupt tun sollten, statt gleich dem Kind helfen zu können. “Dadurch ist wertvolle Zeit verloren gegangen.”
Wissen nimmt die Angst
“Eltern können auf ihren Instinkt vertrauen,” sagt die Kursleiterin. “Wenn wir Trinken, führen wir unseren Mund anders an einen Flaschenhals als eine Tasse. Und denken dabei nicht nach. Und eigentlich wissen wir auch, wie wir helfen können.” Viele Erwachsene hätten beispielsweise Angst, bei einem Baby eine Herzdruckmassage zu machen. Sie fürchten, Rippen zu brechen. “Generell wachsen Rippen schnell wieder zusammen – das geht aber nur, wenn das Herz überhaupt noch schlägt. Und bei kleinen Kindern ist alles noch so flexibel, dass ein Bruch kaum möglich ist.” Umso mehr man das Gefühl habe, etwas falsch zu machen, desto größer sei die Angst. “Erste Hilfe heißt nicht mehr als das Aufrechterhalten von lebenswichtigen Funktionen. Wer weiß, wie das geht, braucht keine Angst zu haben.”
Wichtige Sofortmaßnahmen bei Bewusstlosigkeit
An speziellen Baby- und Kinderpuppen üben wir. Das Kind ist bewusstlos. Wir lernen selbst erst einmal durchzuatmen und dann:
Ansprechen – “Tom, was ist los?” Reagiert das Kind?
Anfassen – das Kind beruhigen, signalisieren, dass Hilfe da ist
Atemkontrolle – atmet das Kind? Wenn nicht, bei Schnappatmung und unregelmäßiger Atmung, Atem spenden
Atemspende – Mund zu Mund- Beatmung beim Kind (Nase zu halten), Mund-zu Nase bei Babys. Bei Babys, den Kopf nur in eine “Schnüffelposition” bringen, bei Kinder den Kopf nach hinten.
Nach der allerersten Versorgung über 112 Hilfe holen. Und sofort zum Kind zurückkehren.
Kreislaufstillstand
Die -(für mich komplizierte) stabile Seitenlage ist gar nicht mehr aktuell. Ähnlich wie das lange Pulssuchen entfällt sie. Das Kind auf den Bauch legen und den Kopf zu Seite drehen genügt. Bei Kreislaufstillstand beginnt man beim Kind mit fünf Beatmungen, dann 30 Kompressionen beim Herzen. Danach gilt immer abwechselnd 2:30. Wie auch bei Erwachsenen. Der Handballen wird auf die Mitte des Brustkorbes gesetzt. Nicht schwer zu merken. Alle Kursteilnehmerinnen können das sofort umsetzen. Die Brustkörbe der Puppen heben und senken sich wunderbar gleichmäßig.
Kopfverletzungen
Die größte Gefahr für Kinder ist der Verkehr. “Mit einem Fahrradhelm können 85 Prozent aller Unfälle vermieden werden,” so die erfahrene Kursleiterin. Bei einem Unfall auf jeden Fall den Helm abnehmen, Sofortmaßnahmen ergreifen.
Ist das Kind gleich wieder richtig ansprechbar, droht bei einer Beule eine schmerzhafte Schwellung. Daher sind jetzt Kühlen mit einer Kühlkompresse und Trösten besonders wichtig.
Bei Platzwunden empfiehlt die Kinderkrankenschwester, das Blut mit einem kalten Tuch aufzufangen und eine sterile Kompresse anzulegen.
Wichtig und neu bei Vergiftungen
“Früher gab es alle möglichen Tipps und Hausmittel,” erklärt die Kursleiterin. Auf keinen Fall ein Erbrechen herbeiführen. Auch hier gelten die Sofortmaßnahmen: Ansprechen, Anfassen, Atemkontrolle und Atemspende. Wichtig ist es, Giftreste, etwa Omas Tabletten zu sichern und die Giftnotrufzentrale (Tel.: 030/19240) sofort anzurufen.
Wir lernen im Kurs noch anderes Wichtiges: Etwa wie wir bei Krampfanfällen oder Verbrennungen reagieren sollen. Und bei Atemnot durch Fremdkörper.
Wenn das Kind röchelt oder merkwürdig hustet, dann den Kopf tief hängen lassen, fünf Mal kräftig auf die Schulter schlagen. Gut: Übers Knie dabei legen. Ist der Fremdköper draußen oder noch im Mund? Wenn der Gegenstand immer noch steckt – etwa im Hals, gibt es noch den Heimlich-Griff (siehe unten).
Nach dem Kurs fühle ich mich gut. Ich habe das Gefühl viele Informationen, aber nicht Massen davon erhalten zu haben.
Mein Tochter drohte zu ersticken – und ich konnte helfen
Am nächsten Abend muss ich sofort das Gelernte in die Praxis umsetzen. Eigentlich sollte meine Tochter schon schlafen. Plötzlich höre ich ein merkwürdiges Würgen, dann ein Röcheln und ein ersticktes “Mama.” Ich renne ins Kinderzimmer. Meine Tochter würgt und ringt um Atmen. “Ich hab Geld geschluckt,” murmelt die Vierjährige. Ich atme tief durch. Und bekomme keine Panik. Ich lege sie auf mein Knie und schlage kräftig auf die Schultern. Fünf Mal. Es hilft nicht. Dann führe ich meine Hände unter ihren Armen auf ihren Brustkorb und drücke kräftig – das gelernte Heimlich-Manöver. Es klappt. Im hohen Bogen und einem lautem Japsen fliegt ein Euro-Stück auf den Boden. Ich bin unendlich froh, dass ich sofort wusste, wie ich helfen kann.
Wenn Sie auch einen Erste Hilfe-Kurs machen möchten, achten Sie darauf, dass die Kursleiter wirklich gut ausgebildet sind. Die  großen Hilfsorganisationen setzen die Neuregelungen mittlerweile weitgehend um. Spezielle Kurse für Hilfe am Kind sind besonders zum empfehlen.
Mehr Infos über die Kurse von Tina Tappehorn finden Sie hier: www.kinderfee-hamburg.de

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