Eifersüchtige Väter

Drei sind einer zuviel? Mutter und Baby sind eine glückliche Einheit in der sich der Vater überflüssig fühlt. Wie kann verhindert werden, dass die Geburt des Kindes zur Eifersucht führt?

Judith ist ein Wunschkind. Als sie vor fünf Monaten geboren wurde, war ihr Vater Jörg der glücklichste Mann der Welt. „Aber alles ist anders als ich es mir vorgestellt habe,“ sagt er. „Unser Leben dreht sich nur noch um die Kleine. Komme ich von der Arbeit, hat Petra nie Zeit für mich, ist müde und abgehetzt.“ Jörg vermisst seine Frau. „Das Baby ist immer dabei. Es gibt uns als Paar gar nicht mehr, nur noch als Eltern.“
Aus einem Liebespaar wird ein Elternpaar
Eltern werden: Das ist für beide eine Herausforderung. Die Männer gehen nach einer meist kurzen Auszeit wieder zur Arbeit, während die Frauen sich mit einer neuen Wirklichkeit zurecht finden müssen. Einem Alltag zwischen Stillkissen und Windeleimer.
Wer unter akuten Schlafmangel leidet, ein quengeliges Baby versorgt, Spuckflecken auf dem Pulli hat und sich einfach mal nach einem Duschbad ohne Babybegleitung sehnt, denkt beim Anblick des Bettes meist nur an eines: Schlafen. Lustvolle Erotik? Wenn die Brüste voller Milch sind, das Baby gleich wieder aufzuwachen droht? Ganz ehrlich: In den ersten Monaten nach der Geburt herrscht in vielen Partnerschaften Sexflaute.
Für manche Männer ist das schwierig, denn sie messen die Qualität der Beziehung am Sex. Sie haben das Gefühl, dass ihre Frau die Zärtlichkeit nur für das Baby reserviert und fühlen sich nicht (mehr) umsorgt. Sie reagieren schroff und  abweisend, stürzen sich in den Job und gehen auf Distanz zu dem Kind, mit dem sie angeblich erst etwas anfangen könnten, wenn man vernünftig mit ihm sprechen könne. Psychoanalytiker Hans-Geert Metzger beschreibt dies als Fluchtbewegung.
Nicht immer liegt dies Verhalten nur an der Partnerschaft. „Manche Männer wehren sich zunächst heftig gegen die Vorstellung, Vater zu sein.“ Denn die neue Rolle als Papa ist nicht nur mit Verantwortung verbunden, sondern ganz klar auch mit Erwachsenwerden.
Eifersüchtig auf die Mutter
Doch väterliche Eifersucht kann auch anders ausssehen. Stefan muss in letzter Zeit immer an eine alte TV- Serie denken. „Da gab es so ein Dino-Baby. Das nannte seinen Vater immer nur ‚Nicht-die-Mama‘, so wird es bei uns auch sein.“ Zu gerne wäre er mehr für das Baby da, doch er muss arbeiten. Stillen kann er den kleinen Tom auch nicht und wenn er seinen Sohn wickeln möchte, steht seine Frau kritisch daneben. „Mutter und Sohn sind so eine Einheit, da ist für mich gar kein Platz mehr,“ sagt Stefan traurig.
Wege aus der Eifersuchtfalle
Was kann man tun, wenn die Dreierbeziehung Vater, Mutter, Kind nicht richtig funktioniert? Familienexperte Jesper Juul rät Vätern: „Sprechen Sie mit ihrer Partnerin und finden Sie gemeinsam kreative Lösungen.“ Ignoriert der Vater seine Gefühle, besteht die Gefahr, dass er sich immer mehr von der Familie distanziert.
Väter sollten sich  klar machen, dass sie von Anfang an wichtig für ihr Kind sind. Studien der Universät Maryland haben gezeigt, dass Väter, die sich schon in der Schwangerschaft aktiv beteiligt haben, in dem sie für das Baby einkauften, an Kursen teilnahmen oder mit dem Ungeborenen spielten, nach der Geburt eine engere Bindung zu dem Kind hatten.
Für die Partnerschaft sind vor allem klare Absprachen wichtig. „Ich habe mit meiner Frau verabredet, dass ich beim Abschied als erster einen Kuss bekomme und dann erst das Baby“, erklärt ein Vater. Je mehr Zeit Papas mit ihrem Nachwuchs verbringen, umso mehr Zeit hat die Mutter auch, sich eben nicht nur als Mama zu fühlen. In Ruhe zu duschen, Sport zu treiben oder einfach mal wieder eine Freundin zu treffen.
Väter können andere Bedürfnisse stillen
Väter können von Anfang an mit ihren Kinder spielen. Mütter müssen ihnen vetrauen, dass sie vielleicht einges anders machen – aber auch richtig. Gerade das Thema Stillen ist wichtig. Mutter und Kind haben dadurch gleich nach der Geburt eine enge körperliche Bindung. In einigen Vorbereitungskursen wird daher geraten, dass Mütter gelegentlich abpumpen sollten, damit der Vater das Baby mit der Flasche füttern könne. Doch das ist problematisch. Manche Babys bekommen durch den Flaschensauger ein Stillproblem. Andere finden die Idee so blöd, dass Vater und Kind nach solchen Fütterungsversuchen beide traurig sind.
Doch gerade weil Väter nicht stillen, können sie in den ersten Monaten besonders gut helfen. Denn sie riechen eben nicht nach Milch. Wenn ein Säugling Bauchschmerzen hat oder vor Übermüdung nicht einschlafen kann, lässt er sich von der Mama oft nicht beruhigen – denn die duftet zu lecker.
Väter können ein überreiztes, soeben gestilltes Baby oft viel besser in den Schlaf wiegen. Auch beim Papa kann das Kleine auf der Schulter liegen zum aufstoßen, es kann vom Vater gewickelt, gebadet  und massiert werden. Väter können auch stillen – jedenfalls den Hunger des Babys nach Zärtlichkeit und Geborgenheit und den der Mutter nach Zuwendung und Unterstützung.
Ein langer Spaziergang mit dem Kinderwagen kann für die Mutter die ersehnte Ruhezeit bringen. Er stärkt die Vater-Kind-Bindung und die frische Luft kann vielleicht auch dafür sorgen, dass das Baby abends schneller zur Ruhe kommt. Und dann? Dann können die Eltern vielleicht auch ein paar gemeinsame ruhige Momente haben. Es muss ja nicht immer ein Candle-Light-Dinner sein. Manchmal schmeckt auch die Pizza vom Lieferservice?
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