Das Hibbeln beginnt

Wenn ein Kind geplant ist, beginnt eine aufregende Zeit. Doch Männer und Frauen gehen mit dem Thema Kinderwunsch sehr verschieden um. Wie kann man diese Zeit gut miteinander „durchstehen“?

Es gibt Paare, die sich gerade gefunden haben und ganz ungeplant Eltern werden. Und es gibt Paare, die den „richtigen“ Zeitpunkt abwarten wollen und erst einmal die Zeit zu zweit genießen wollen. Irgendwann kommt allerdings der Moment, der klar macht: Wir wollen eine Familie sein.
Bei Jana (32) war es im Urlaub soweit. „Wir waren damals schon seit fünf Jahren zusammen. Richtig gesprochen haben wir nie über das Thema Kinder. Doch dann stolperte so ein kleiner Laufanfänger auf unsere Decke am Badesee. Mein Freund lachte, drehte sich zu mir um und fragte mich, ob wir nicht auch so einen haben sollten. An seinem Blick merkte ich, dass es ihm wirklich ernst war.“
Für Saskia (27) war klar, dass das Baby nach der Hochzeit kommen sollte. „Es war alles geplant, aus dem Job konnte ich gut austeigen, die Wohung hatten wir auch gut eingerichtet und das Auto abbezahlt. Ich habe meinem Mann gesagt, dass ich finde, dass ich jetzt mal die Pille absezten sollte. Er meinte nur, dass das ja auch langsam Zeit würde.“
Der gemeinsame Plan ist da. Und dann? Verheirate Paare und Paare, deren Freundeskreis mit reichlich Nachwuchs gesegnet ist, fühlen sich schnell von ihrer Umwelt unter Druck gesetzt. Gucken alle, ob der Bauch sich rundet? Werden einem schon immer eifrig die abgelegten Babysachen angeboten? Männer und Frauen reagieren sehr verschieden in so einer Situation.
Jeden Monat kam die Enttäuschung
Für die Väter in spe bleibt das Thema Baby meist noch sehr abstrakt. Jana war sich sicher, dass ihr Freund sich nicht weiter mit dem Thema auseinandersetzte. Klar, er mochte Kinder und wenn die Verwandschaft ihn ansprach, erklärte er gern lachend, dass sie schon früh genug zu einer Taufe geladen werden. Mit Jana sprach er aber nicht über den Kinderwunsch.
Für Jana kam die Enttäuschung jeden Monat. „In den ersten Monaten habe ich es noch locker genommen. Doch dann kam meine Periode drei Mal hintereinander verspätet.“ Sie kaufte sich Schwangerschaftstests – jedes Mal ffielen die negativ aus. „Das war so ein blödes Gefühl, da lag dieses Plastikding auf dem Rand der Badewanne und ich habe es angestarrt. Und obwohl ich es nüchtern und sachlich sehen wollte, war ich doch furchtbar enttäuscht.“
Im Sommerurlaub wollte Jana sich entspannen. Sie wollte nicht daran denken, was gesund und vernünftig ist, und nahm sich fest vor, das Thema Baby zu vergessen. Dass André auch nicht darüber sprechen würde, da war sie sich sicher. Gemeinsam bummelte das Paar durch Kopenhagen, da blieb Janas Freund stehen: „Guck mal, da gibt es Kinderklamotten. Deine Tage sind doch schon eine Woche überfällig, wollen wir mal was aussuchen für das Baby?“ Jana blieb fast das Herz stehen. Er hatte Recht. Aber ihr war gar nicht klar, dass André ihren Zyklus kannte.
Der Kinderwunsch von Männern ist nicht schwächer – auch wenn er nicht thematisiert wird
Das Thema Baby kann eine Partnerschaft belasten. Viele Männer überlassen die Initiative der Frau oder dem Schicksal. Psychologe Holger von Lippe befragte 200 Männer nach ihrem Kinderwunsch: „Ich kann mir das alles gar nicht vorstellen;“ hörte er am häufigsten. Männer beschäftigt oft erst, dass sie Vater werden, wenn wirklich ein Baby kommt. Über einen unerfüllten Kinderwunsch zu reden fällt ihnen schwer- denn Unfruchtbarkeit wird schnell mit Impotenz gleichgesetzt. Dumme Sprüche mögen die wenigsten hören, Ängste zu versagen oder gar die Partnerin zu verlieren, spielen auch eine entscheidene Rolle.
Auch wenn Männer nach Erkenntnissen der Forscher seltener das Thema Kind ansprechen, ist ihr Kinderwunsch nicht schwächer als der von Frauen, erklärt Wassilios Fthenakis, Direktor des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München.
Für viele Frauen ist der Wunsch nach einem Kind dagegen oft ständig präsent. Jana berichtet, dass sie in dem Jahr des Hibbelns ihren Köper sehr bewusst kennen gelernt hat: „Ehrlich gesagt, habe ich mir gar keine Gedanken über meinen Eissprung gemacht und hatte auch keine Ahnung, wann die fruchtbaren Tage sind. Ich habe angefangen mich gesund zu ernähren und habe auf Alkohol und viel Kaffee verzichtet.“ Doch je länger sie wartete, desto stärker wurde auch der Frust: „Jeden Monat diese Krämpfe und der ganze Kram. Wofür, habe ich mich manchmal gefragt. Ich finde das Gefühl so schrecklich, dass mein Körper versagt, dass ich vielleicht kein Baby bekommen kann.“
Paare, die vergeblich hibbeln, sollten sich spätestens nach einem Jahr untersuchen lassen, raten Fachleute. Auch wenn Jana und André im Urlaub schon hofften – ihre Periode kam verspätet. In Absprache mit ihrem Frauenarzt machte sie einen Termin bei einer Kinderwunschpraxis. „Scheinbar hat mein Köper diese Drohnung verstanden,“ sagt sie und lacht. Und streichelt ihren Babybauch. Ihr vierter Schwangerschaftstest war eindeutig positiv.
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Wir sind neugierig und stellen eine Frage an alle, die hibbeln oder schon Eltern sind: Wieviele Schwangerschaftstest haben Sie gemacht? Mit welchem Ergebnis?

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