Das Eltergeld Plus kommt – mit vielen Vorteilen für Familien

Ab dem 1. Juli 2015 ist mit dem Elterngeld Plus Teilzeitarbeit ohne Einkommensverluste möglich. Was für Vorteile bringt das Elterngeld Plus noch und welche Nachteile sehen Kritiker?

Beruf und Familie zu vereinbaren ist schwierig. Familienministerin Manuela Schwesig bringt es auf den Punkt: „Viele Mütter möchten früher wieder in ihren Beruf einsteigen – viele Väter möchten sich gern mehr um ihre Kinder kümmern.“  Genau dies soll nun mit der Einführung des neuen Elterngeld Plus besser möglich sein.

Bisher bleiben mehr als 90 Prozent der Mütter zehn bis zwölf Monate nach der Geburt zuhause, wie ein Anfrage der Fraktion der Linken im Bundestag ergab. Einige Mütter wollen oder müssen aber schon vorher arbeiten gehen. Für Selbstständige etwa ist es kaum möglich, so lange auszusetzen, denn sonst verlieren sie wichtige Kunden. Die Lösung: arbeiten in Teilzeit. Doch der Verdienst wird mit dem Elterngeld verrechnet und eine Berufstätigkeit in der Elternzeit bedeutet daher einen Einkommensverlust für die Familie. Zum 1. Juli 2015 wird das nun geändert werden, denn dann tritt das Elterngeld Plus in Kraft. Eine Ausnahme ist die Mehrlingskinder-Regelung, die gilt bereits ab dem 1. Januar 2015.

Neues Familienleben

Elterngeld Plus soll mehr Geld und mehr Zeit für die Familie bringen (© panthermedia.net Hanna Monika Cybulko)

Hier die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

Längerer Bezug von Elterngeld bei Teilzeitarbeit

Das Elterngeld wird bisher maximal  14 Monate gezahlt. Dieser Zeitraum kann nun dank Elterngeld Plus verdoppelt werden. Weil ihr Lohn die ausgezahlten Beträge verringert, können Mütter und Väter, die in Teilzeit arbeiten,  nun das Elterngeld  28 Monate lang beziehen.

Partnerschaftsbonus

Eltern, die sich die Erziehung teilen, werden belohnt. Wenn Mutter und Vater gleichzeitig mindestens vier Monate Elternzeit nehmen und dabei zwischen 25 und 30 Wochenstunden arbeiten, erhalten sie zusätzlich vier weitere Monate das Elterngeld.

Mehr Flexibilität bei der Elternzeit

Die Bedürfnisse  von Kinder ganz unterschiedlich. Manchmal ist gerade die erste Zeit im Kindergarten oder in der Schule problematisch. Damit Eltern die Betreuung flexibel gestalten können soll es nun nach dem neuen Gesetz möglich sein, dass Eltern zwischen dem 3. und 8. Geburtstag einen Anspruch auf eine unbezahlte Auszeit nehmen, bisher ging das nur 12 Monate. Eine Zustimmung des Arbeitgebers ist nicht mehr nötig, er muss nur fristgerecht mindestens 13 Wochen vorher informiert werden, bei Elternzeit vor dem 3. Geburtstag nach wie vor nur sieben Wochen vorher. Die Elternzeit kann jetzt auch noch besser gesplittet werden und in je drei statt wie bisher zwei Abschnitte aufteilt werden. Beispielsweise also ein Jahr nach Geburt, ein Jahr in der Kindergartenzeit und ein Jahr in der Grundschulzeit.

Klare Regelung bei Mehrlingen

Bisher waren die Regelungen über die Höhe des Elterngeldbezuges bei Zwillingen, Drillingen oder Vierlingen unklar, es gab Gesetzeslücken. Nun ist eindeutig festgelegt, dass Mehrlingseltern nur einmal Anspruch auf einmal Elterngeld haben. Für jedes weitere Mehrlingskind erhalten sie einen Zuschlag in Höhe von 300 Euro pro Monat. Diese Regelung gilt schon ab 1. Januar 2015.

Nicht nur Begeisterung

Das neue Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz ist seit dem 7. November 2014 beschlossen. Das Bundesfamilienministerium erklärt, dass die neue Regelung  laut einer Studie des infas Institutes für angewandte Sozialwissenschaft großen Zuspruch finde. Demnach stimme jeder Zweite für eine Änderung der derzeitigen Elterngeldregelung. Besonders bei Befragten mit minderjährigen Kindern im Haushalt und bei jungen Erwachsenen bis 24 Jahren sei die Zustimmung hoch.

Doch es gibt auch Kritiker. Der Landesverband kinderreicher Familien erklärt, dass der Gesetzesentwurf an der Lebenswirklichkeit von Familien vorbeigehe. „Als Interessenvertretung der 1,2 Millionen Familien in Deutschland mit drei und mehr Kindern weisen wir kritisch darauf hin, dass die angestrebte, fast durchgängig doppelte Erwerbstätigkeit der Eltern am Lebensentwurf vieler kinderreicher Familien vorbei geht“, teilte der Verband mit. Die geförderte Zeit von 28 Monaten sei zu kurz. Auch nach vier Jahren sei noch ein intensiver Betreuungsbedarf da und ein Arbeiten in Vollzeit nicht möglich. Die Mehrlingsregelung ist ebenfalls nicht unumstritten, so hatten Mehrlingseltern nach einer Klage im letzten Jahr übergangsweise doppelt Elterngeld – pro betreuendem Elternteil – beziehen können.

Die Arbeitgeber zeigen sich ebenfalls unzufrieden. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände kritisiert vor allem die flexible Elternzeit, die keine Arbeitgebergenehmigung braucht. Dies würde die Planungssicherheit der Betriebe beeinträchtigen.

Mehr Informationen und der Text des Gesetzentwurfes sind auf der Seite des Bundesfamilienministerium zu lesen.