News: Länge entscheidet über Fruchtbarkeit

Wie die Nase eines Mannes…? Es kommt doch auf die Größe an, wenn es um die männliche Fruchtbarkeit geht, das haben nun Forscher erwiesen. Das, worauf es ankommt, lässt sich nachmessen: Der Damm. Wer ein Baby möchte, sollte also das Maßband zücken, oder?

Schon mal von der anogenitalen Distanz gehört? Damit ist nichts anderes gemeint als der Damm, bei Männern also die Strecke zwischen Anus bis zur Penisbasis. Ehrlich gesagt, eine männliche Körperregion, die bisher eher weniger beachtet wird.

Doch dies könnte sich nun ändern. Denn eine aktuelle amerikanische Studie zeigt, dass die anogenitale Distanz anzeigt, wie es um die Zeugungsfähigkeit eines Mannes bestellt ist.

Wissenschaftler der University of Rochester in New York untersuchten 126 Männer auf ihre Fruchtbarkeit. Überraschendes Ergebnis: die Zeugungsfähigkeit von Testpersonen, deren Damm weniger als 5,2 Zentimeter betrug, war deutlich vermindert. Die Studienteilnehmer, die diese besondere Anatomie zeigten, hat ein siebenfach erhöhtes Risiko einer verminderten Fruchtbarkeit.

Ersetzt das Maßband den Sperma-Test?

Eine verminderte Fruchtbarkeit liegt dann vor, wenn in der Samenflüssigkeit weniger als 20 Millionen Spermien pro Milliliter zu finden sind. Bei einer Spermauntersuchung wird zudem noch das Aussehen der Spermazellen und die Beweglichkeit gemessen. Auch bei weniger als 30% vorwärts schwimmenden Spermien spricht man von Unfruchbarkeit.

Die Qualität des Spermas kann bei ein und demselben Mann allerdings stark unterschiedlich sein. Es gibt eine Art „Tagesform“ für Sperma, die mit Stress, Hodentemperatur, Ernährung, Medikamenten und Genussmittelkonsum zusammenhängt. Darum wird ein so genanntes Spermiogramm auch mehr als einmal gemacht.

Die Leiterin der US-Studie, Shanna Shaw, ist davon überzeugt, dass das Forschungsergebnis nun Fruchtbarkeitsuntersuchungen für Männer erleichtern wird: „Die Messung ist unkompliziert. Außerdem kann das Untersuchungsergebnis nicht durch Faktoren wie Stress oder Fieber verfälscht werden“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Für Männer viel bequemer als ein Spermiogramm

Noch allerdings ist das nur Theorie. Shaw erklärt: „Wir brauchen noch einige tausend Männer, erst dann kann man von den Ergebnissen auf die Gesamtbevölkerung Rückschlüsse ziehen.“

Natürlich könnten Frauen mit Kinderwunsch erst einmal das Maßband zücken. Auf Verdacht. Mit Sicherheit sind Männer schneller bereit, nachmessen zu lassen als Sperma abzugeben, denn die Messmethode ist sicher stressfreier.

Oder erzeugt so eine Studie nur neuen Druck? Suchen sich Frauen ihre Partner demnächst nach der Länge des Dammes aus? Wohl kaum. Tatsächlich ist so eine Zahl eben nur eine Zahl. Selbst wenn ein Mann anogenital nicht so gut bestückt ist, kann er durchaus fruchtbar sein.

Bisher ist die – mehrfache – Untersuchung des Spermas noch immer am aussagekräftigsten. Bleibt der gemeinsame Kinderwunsch länger unerfüllt, sollten sich beide Partner untersuchen lassen. Auch wenn es mit der Länge nicht so gut aussieht – es gibt noch immer Hoffnung und eventuell Hilfe in der Kinderwunschpraxis.

Quelle: Mendiola J, Stahlhut RW, Jørgensen N, Liu F, Swan SH 2011. Shorter Anogenital Distance Predicts Poorer Semen Quality in Young Men in Rochester, New York. Environ Health Perspect :-. doi:10.1289/ehp.1103421

Bild: © Orange-Melody für istockphoto.com

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