Buchkritik: Leitfaden für faule Eltern

Ziemlich schräg, teilweise Widerspruch provozierend, aber mit sehr guten Ansätzen steht dieser Elternratgeber allein auf weiter Flur. Ein wirklich bemerkenswertes Buch!

Um es vorweg zu sagen: der Autor ist Brite, und die Engländer dürfen ja bekanntlich zu ihren Spleens stehen. In Deutschland, da bin ich sicher, hätte dieser Ratgeber niemals einen Verlag gefunden. Da der Titel aber auf der Insel unter dem Namen „The Idle Parent“ offensichtlich ein Erfolg für den Penguin Verlag war, traut man sich nun auch hierzulande mit den gewagten Thesen des Tom Hodgkinson in die Buchläden.

Weniger eingreifen, um die Kinder zu Selbstständigkeit zu erziehen, das ist das Credo des Autors. Er formuliert das so: „Lasst die Kinder in Ruhe“. Und auch die Eltern sollen ihre Ruhe haben, wenn es nach Hodgkinson geht: Nur zufriedene Eltern sind gute Eltern – auch wenn das bedeutet, dass die Erwachsenen sich an die Bar zurückziehen, wo sie sich Drinks genehmingen, während die Kinder auf einer Wiese herumtollen.

Leitfaden für faule Eltern

Spielzeug, insbesondere solches aus Plastik, sei unnötig und ärgerlich. Darauf, so Hodgkinson, rutsche man nur schmerzhaft aus, während man verkatert durchs Haus tapere. „Pfui“, denkt da sicher so mancher Leser. Aber insgeheim wird man sich doch beim zustimmenden Schmunzeln erwischen, wenn z.B. zu lesen ist, dass Familienausflüge sinnlose und teuere Quälerei sind, oder der Schaf im allgemeinen unterbewertet wird: Warum, schreibt, Hodgkinson, nimmt man sich nicht einen Babysitter zum Ausschlafen – verspürt bei der Buchung einer Kinderbetreuung fürs Theater oder Essengehen aber kein Unbehagen?

Recht hat er, in vielen Dingen. Manche Thesen laden jedoch auch zum Kopfschütteln ein, wie z.B. die Überzeugung, dass Vollzeit Berufstätigkeit für Mütter eine ganz schlechte Idee sei, da man sich in den ersten drei Jahren hauptsächlich um seine Kinder kümmern solle. Das mag nicht jeder unterschreiben.

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Fazit: Unterhaltsam und gelehrig ist dieses Buch, es enthält eine Menge frisches Gedankengut, aber es ist durch die vielen Zitate von D.H. Lawrence, Locke und Rousseau, die das ganze Buch hindurch eingestreut sind, nicht leicht zu lesen. Am flüssigsten lesen sich die Passagen, in denen Hodginkson aus dem eigenen familiären Nähkästchen plaudert und von seiner Gattin Victoria erzählt. Davon hätte ich gerne mehr in diesem Buch gelesen, dafür etwas weniger Zitate von Philosophen und Schriftstellern, dann wäre es für mich ein noch besseres Buch gewesen.

Tom Hodgkinson, Leitfaden für faule Eltern, Rogner & Bernhard 2009
316 Seiten 19,90 € ISBN 978-3-8077-1047-1
Taschenbuch bei rororo, 9,99€ ISBN 978-3499626722

Antworten auf

  1. Kerstin Pfenninger 5. September 2012 an 15:58 #

    Das Buch hört sich interessant an. Werde es mir mal zulegen. Vielleicht kann man ja das eine oder andere darauf lernen.

  2. Xeniana 5. September 2012 an 20:27 #

    Eine durch und durch gelungene Rezension !

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  3. Im Wartezimmer des Kinderarztes « Familienbande - 8. Oktober 2012

    […] wirkte noch nach. Zum Glück hatte ich Hodgkinsons “Leitfaden für faule Eltern”  http://www.liliput-lounge.de/themen/buchkritik-tom-hodgkinson/gelesen.Ich ließ meine Kinder pädagogisch wertvoll ,mit besten Gewissen in Ruhe.Dafür quälte […]

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