Babyschwimmen

Planschen, Spritzen und Schwerelosigkeit: Babys lieben das nasse Element. Ab wann können Kinder Babyschwimmen machen und ist so ein Kurs für jedes Kind geeignet?

Schwereloses Gleiten, sanftes Plätschern – Ungeborene konnten sich im Mutterleib im Wasser treiben lassen. Kein Wunder, dass die meisten Kinder Babyschwimmen lieben! Aber das Planschen macht nicht nur Spaß, es stärkt die Abwehrkräfte und fördert die die kindliche Motorik. Neu ist die Idee, dass Eltern und Kinder gemeinsam das nasse Element entdecken nicht mehr. Bereits seit den 70er Jahren gibt es Babyschwimmkurse.

Wann geht es mit dem Babyschwimmen los?

Beim Babyschwimmen geht es nicht um das Schwimmen lernen, sondern um Wassergewöhnung und ein tolles Training mit viel Hautkontakt für Eltern und Kind. Kurse bieten öffentliche Bäder, private Schwimmschulen und Hebammen an. Die Sportpädagogin Claudia Landmann hat in den letzten zwanzig Jahren über 5000 Babys im Wasser begleitet. Sie betont, dass die Temperatur des Wassers wichtig ist, es sollte zwischen 33° und 34° Grad warm sein.

Mutter mit Baby beim babyschwimmen

Mutter mit Baby beim Babyschwimmen (© Thinkstock)

Eine generelle Altersempfehlung gibt es nicht. „Ein Beginn ist im Alter von sechs bis acht Wochen für alle nicht zu früh geborenen Babys möglich,“ erklärt die erfahrene Kursleiterin. Das Baby sollte allerdings möglichst schon den Kopf in der Bauchlagee allein halten können und nicht mehr schnell vor Geräuschen erschrecken.

Was ist gesundheitlich zu beachten?

Früher galt die generelle Faustregel, dass das Baby zunächst alle Imfpungen haben müsse. Heute gilt dies als überholt, da die Hygienestandards in den Bädern deutlich besser geworden sind. Allerdings sollten sich Eltern genau erkundigen, wie modern das besuchte Schwimmbad – und vor allem die Wasserfilteranlage – ist. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Schwimmen die körperliche und geistige Entwicklung von Babys deutlich fördert. Aber leider gibt es Studien, die belegen, dass Kinder unter einem Jahr, die in Bädern mit nicht besonders guter Ausstattung schwimmen, häufiger an Mittelohrentzündungen, Durchfall-, Atmemwegserkrankungen leiden.

Kinder, die Fieber oder einen Infekt haben, sollten auf keinen Fall ins Schwimmbad  – es tut ihnen nicht gut und sie könnten andere anstecken.
Auch wenn in guten Schwimmbädern neue Filteranlagen sind und die Wasserhygenie gut ist – dem Wasser wird Chlor beigesetzt. Die wenigsten Babys reagieren darauf allergisch. Ist in der Familie allerdings eine allergische Vorbelastung bekannt, ist Vorsicht angesagt. Da Babyhaut noch sehr empfindlich ist, ist es wichtig, die Kleinen nach dem Schwimmen abzuduschen und gründlich einzucremen. Eltern von Kindern mit Neurodermits sollten sich besonders nach der Wasserqualität erkundingen – mit Sole oder Ozon angereichert kann es unter Umständen dem Kindern sogar sehr gut tun.

Wie kann man das Baby vorbereiten?

Sportpädagogin Claudia Landmann empfiehlt, die Babys mit einigen Vorübungen zu Hause schon auf das Schwimmen vorzubereiten. Wichtig: Vor der Wasserzeit sollte das Kind eine Stunde vorher keine Mahlzeit mehr bekommen.

Tipps für die Wasservorbereitung:

  • Gewöhnung an die Wassertemperatur: Im Schwimmbecken ist das Wasser meist zwischen 32° C und 34° C warm, in der Badewanne dagegen meist vier bis fünf Grad wärmer. Gewöhnen Sie Ihr Kind langsam an niedrigere Temperaturen in der Babybadewanne oder im Babyeimer.
  • Duschen kennenlernen: In öffentlichen Bädern herrscht Duschpflicht, damit keine Keime in das Wasser gelangen. Das gilt auch für Babys. Als Vorübung können Sie das Kind mit der Handbrause abduschen oder das Kleine mit unter die Dusche nehmen. Wichtig: Den Wasserstrahl nicht voll auf den Kopf halten, behutsam anfangen und langsam mutiger werden. Ältere Babys finden es auch toll, die Dusche selbst zu halten und die Eltern und sich nass zu spritzen.
  • Geräusche erleben: Schwimmbäder haben häufig eine hallende Akustik. Spielende Kinder, platschendes Wasser – das ist alles ist für Säuglinge sehr laut und ungewohnt. Sie können vor dem Kursstart schon mal das Bad mit Baby besichtigen, eventuell im Café einkehren. Das Kind sollte fremde Umgebungen schon kennen gelernt haben und nicht mehr erschrecken.
  • Auftrieb im Wasser: Im großen Schwimmbecken erlebt das Baby, wie es aufgetrieben wird. Im eigenen Badeeimer oder in der heimischen Wanne hat es ständig eine begrenzte Fläche gespürt. In Ihrer eigenen Badewanne können Sie dem Kind den Auftrieb schon vorsichtig zeigen. Halten Sie das Baby in Bauchlage mit Ihren beiden Händen unter dem Oberkörper oder in Rückenlage unter dem Kopf bzw. Po. Sie werden gleich merken, wieviel Auftrieb die Beine des Babys haben. Gut festhalten und keine ruckartigen Bewegungen, damit das Kind sich nicht erschreckt.

Wie finde ich den richtigen Kurs?

Das Angebot ist vielfältig. Öffentliche Bäder, private Schwimmschulen und auch viele Hebammen bieten Babyschwimmkurse an. Der Begriff ist nicht geschützt, jeder darf so einen Kurs durchführen. Erkundigen Sie sich bei Freunden und Bekannten, oft haben viele schon gute Erfahrungen gemacht. Sie können die Kursleiter natürlich auch nach Ihrer Qualifikation und Berufserfahrung fragen. Haben die nur einen Crash-Kurs gemacht oder eine längere Ausbildung?

Sie sollten einen Kurs wählen, der zeitlich am besten zum Rythmus des Babys passt, so dass es nicht zu satt (mindestens eine Stunde sollte die letzte Mahlzeit her sein), hungrig oder müde bei dem Kurs ist. Viele Bäder bieten Kurse am späten Nachmittag oder am Samstagvormittag an, denn Babyschwimmen ist eine besonders beliebte Papa-Kind Aktion.

Was brauchen wir und was erwartet uns?

Sie brauchen für sich Badebekleidung, Duschzeug, Badeschuhe (wichtig, sie halten ja ein glitschiges Baby, Rutschgefahr) und ein Handtuch. Für das Baby brauchen Sie Schwimmwindeln (sind in den meisten Bädern Pflicht), ein großes Babyhandtuch, Pflegecreme und Ersatzwindel. Gut dabeizuhaben: ein Fläschen mit Wasser oder Tee, denn nach dem Schwimmen ist der Durst oft groß.

Nehmen Sie sich immer viel Zeit und kommen Sie frühzeitig in das Bad. Denn so kann das Baby ganz entspannt die neue Umgebung angucken und Sie brechen nicht in Hektik aus, wenn die Windel voll sein sollte oder Baby keine Lust zum Umziehen hat.

In vielen Bädern gibt es Familienumkleiden, so dass Eltern und Kind sich dort zusammen umziehen können – oft holt der Kursleiter die Familien hier auch ab. Und dann? Dann beginnt das Abenteuer. Gemeinsame Lieder, gemeinsames Bälle jagen, blubbern und vieles mehr.

Macht Babyschwimmen jedem Kind Freude?

Nein. Ganz sicher nicht. Meine Tochter begann mit sechs Monaten einen Babyschwimmkurs und hat es von Anfang an geliebt. Mein Sohn, dem auch die Badewanne sehr suspekt war, fand Schwimmen zunächst gar nicht nett. Mit ängstlichem Blick klammerte er sich an mich und wollte sich überhaupt nicht mit dem nassen Element anfreunden.

Baby beim Babyschwimmen unter Wasser

Baby beim Babyschwimmen (© Thinkstock)

Wichtig ist, auf die Zeichen des Kindes zu achten. Kursleiterin Claudia Landmann: „Wir wollen nicht, dass ein Baby lange schreit, das irritiert die anderen Babys und Eltern und verunsichert in erheblichen Maße die eigenen Eltern.“ Wenn Sie merken, dass es dem Kind nicht gefällt, sollten Sie  Rücksprache mit der Kursleitung halten. Vielleicht ist es die falsche Uhrzeit oder das Kind ist einfach noch nicht soweit. Die Vorlieben der Kinder sind verschieden. Aber wenn Eltern und Kind zusammen Spaß haben, kann Babyschwimmen wunderbar sein.

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