Pucken – 9 häufige Fragen und Antworten

Pucken gilt als alte Wickelmethode, damit Babys zur Ruhe zu kommen und sanft und zufrieden zu schlafen. Es gibt aber auch kritische Stimmen. Worauf sollten Eltern achten und für welche Kinder ist der enge Halt geeignet? Hier finden Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema Pucken.

Was ist Pucken?

Pucken ist ein spezielle Wickeltechnik für Babys. Die Säuglinge werden eng und fest in ein Tuch eingewickelt. Einwickeln ist in fast allen Kulturkreisen bekannt, auch in Deutschland war es bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts üblich, Säuglinge sehr fest in Tücher zu wickeln – und zwar nicht nur zum Schlafen. Man glaubte, der Körper des Kindes sei sonst nicht stabil genug. Später war Pucken lange verpönt. Es enge Kinder zu sehr ein, meinte man.

Mittlerweile wurde die alte Tradition, die in vielen Naturvölkern noch immer sehr üblich ist, wieder entdeckt. Befürworter sind sich sicher, dass die Enge dem Baby die Geborgenheit gebe, die es aus dem Bauch der Mutter kenne. Das Einpacken verhindere  den so genannten Moro-Reflex, der für unkontrollierte Zuckungen sorge, die das Baby wecken könnten.

Neugeborenes Baby

Pucken kann Babys beruhigen und beim Einschlafen helfen (© Hemera)

Frühchen und Neugeborene sind noch oft sehr überfordert von den vielen Reizen, die nach der Geburt auf sie einströmen. Für unruhige Winzlinge in den ersten Lebenswochen sorge eine Stoffhülle für besonderen Halt. Vor allem bei einem noch sehr unreifen Nervensystem hilft Pucken diesen Babys, das belegen auch Studien.

Was spricht gegen das Pucken?

Die Wiederentdeckung wird durchaus kritisiert. Der Psychologe Ralph Frenken etwa beurteilt die Wickelmethode sehr kritisch. In seinem Buch “Gefesselte Kinder” erklärt er, dass dies dem kindlichen Bewegungsdrang widerspreche und eher dem Bedürfniss nach elterlicher Ruhe entgegenkomme.

Der nordrheinische Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt sogar ausdrücklich vor dem Pucken und erklärt, dass es gefährlich sei. Der Düsseldorfer Kinder- und Jugendarzt Dr. med. Herman Josef Kahl, Experte für Frühtherapie und Prävention im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, weist auf Gefahren wie Überhitzung hin. „Manche Kinder werden so eng gepuckt, dass Nerven abgeklemmt werden. Auch das Risiko für Hüftdysplasien steigt nachgewiesenermaßen durch das Pucken an”, betont er. Durch zu langes Liegen bestünde auch die Gefahr der Abplattung des Hinterkopfes. Säuglinge würden sich oft gegen das Pucken wehren, irgendwann jedoch gäben sie auf. Pucken sei also gar nicht beruhigend. Oft sei auch in Arztpraxen zu beobachten, dass Babys so eng gepuckt seien, dass sie keine Luft zum Schreien holen könnten. Der Experte erklärt deutlich, das Eltern lieber auf das Pucken verzichten sollten und ihrem Kind Bewegungsfreiheit lassen sollten.

Wie pucke ich richtig?

Richtiges Pucken soll Kinder nicht fesseln, das sehen auch Befürworter so. Die Pucktechnik soll vor allem nachts und nur zum Schlafen eingesetzt werden.  Dies kann mit einer Decke, einem Tuch oder einem speziellen Pucksack gemacht werden. Eine Decke oder ein Tuch muss mit einer speziellen Wickeltechnik eng eingeschlagen werden. Man kann sich die Technik im Internet angucken oder von einer Hebamme zeigen lassen. Und dies ist wirklich wichtig, denn falsches Pucken kann schaden, hier sind sich alle Experten einig.

Damit Babys Schlafen lernen ist ein vorhersehbarer Tagesablauf wichtig. Im Mutterleib kann der Säugling nicht zwischen Tag und Nacht unterscheiden, ein Gespür dafür muss also noch entwickelt werden. Am besten morgens das Kind anziehen und ihm signalisieren, dass es Zeit ist, wach zu sein. Nach der ersten Mahlzeit dann eine Spieleinheit, Kuscheln oder eine Runde Kinderwagen fahren. Ganz langsam muss sich der Tagesrhythmus einpendeln. Natürlich schlafen Neugeborene auch tagsüber viel, durch das gelöschte Licht wird ihnen aber signalisiert, wann Nacht ist.

Pucken kann unruhigen Neugeborenen helfen, zur Ruhe zu kommen. Die Babys sollten nicht den ganzen Tag eng gewickelt werden, sondern zu den Schlafzeiten in der Hülle behaglichen Halt finden.

Welches Pucktuch brauche ich?

Schöne Einschlagtücher und Pucksäcke sind in vielen Online-Shops und in Babyläden erhältlich. Sie können aber auch einfach ein ausreichend großes Tuch oder Handtuch verwenden. Es gibt auch so genannte Puck-Säckchen, sie lassen die Arme des Säuglings frei und sind eher als eine Art Schlafsack zu sehen. Aus den USA kommen etliche “Schnell-Puck-Modelle”, am bekanntesten ist das “SwaddleMe”.

Hoppediz Pucktuch Swaddle me Pucksackwombywrap 

1) Hoppediz Pucktuch
2) Kiddopotamus Swaddle me
3) Womby Wrap

Wann sollte nicht gepuckt werden?

Kinder mit einem Hüftschaden, die eine Hüft-Beuge-Schiene oder Spreizhose tragen dürfen, dürfen auf keinen Fall gepuckt werden, dies könnte zu einem Hüftschaden führen. Bei Fieber sollten Babys ebenfalls nicht eng eingepackt werden, damit es nicht zu einem gefährlichen Hitzestau kommen kann. Auch im Sommer kann es rasch  zu warm werden.

Übermäßig enges Pucken fördert das Infektionsrisiko und beeinträchtigt auch die Atmung der Babys, denn sie können ihren Brustkorb und Bauch nicht  genug ausdehnen. Zu häufige Rückenlage kann ebenfalls schaden, für einen deformierten Hinterkopf (Abplattung) sorgen und die motorische Entwicklung beeinträchtigen.

Ist es schlimm, ein Kind zu fixieren?

Ja, ist es in den Augen der Gegner. Doch ganz so pauschal sollte das Pucken auch nicht gesehen werden. Studien haben klar erwiesen, dass das Wickeln unruhigen Neugeborenen und Frühchen den benötigten Halt geben kann und für Wärme und Geborgenheit sorgt. Vor allem quengelige und unruhige Kinder, die sich schwer mit dem Einschlafen tun, finden hier oft Entlastung.

Es geht ja nicht darum, dass ein Baby bewegungsunfähig gemacht wird. Es geht um einen umgrenzten geborgenen Raum, so wie es das Neugeborene schon vor der Geburt erlebt hat.  Ein richtig gepucktes Baby kann sich in etwa genauso viel bewegen wie ein Kind im Tragetuch – und Tragetücher gelten nun wirklich nicht als grausam. Es ist natürlich wichtig, dass das Kind nur zu bestimmten Zeiten gepuckt wird.

Wann werden Babys gepuckt?

Idealerweise sollten die Kinder zum Schlafen gepuckt werden. Man beginnt mit dem Pucken möglichst bald nach der Geburt an, wenn das Baby noch an die Gebärmutter gewöhnt ist

Neugeborenes im Pucktuch 1 Neugeborenes im Pucktuch 2

(© Thinkstock)

Generell ist es wichtig,  auf die Reaktion des Kindes zu achten. Für manche ist die Methode sehr gut geeignet, andere mögen es gar nicht. Ist das Kind geborgen und eingekuschelt oder gibt es frustriert nach? Das können nur Eltern und Kind individuell beantworten. Auch hier gilt: Jedes Kind ist anders und hat andere Bedürfnisse.

Wie lange – oder wann soll man mit dem Pucken aufhören?

Der häufigste Grund für das Pucken sind Schreiattacken, die durch den Moro-Reflex ausgelöst wurden. Dieser Reflex tritt nur in den ersten drei bis fünf Monaten auf. Danach wird das Baby nicht mehr plötzlich durch eigene Bewegungen wach und pucken gilt auch nicht mehr wirklich als sinnvoll.

Pucken wird ausdrücklich nur in den ersten Lebenswochen empfohlen. Sobald Babys mobiler werden und sich auch im Schlaf auf den Bauch drehen könnten, sollte man auf jeden Fall mit dem Pucken aufhören. Zum einen besteht die Gefahr, dass Kinder sich zwar auf den Bauch drehen können, aber nicht genug Bewegungsfreiheit haben, um sich auch zurück drehen zu können. Zum anderen brauchen Kinder nun auch einfach mehr Platz zum Strampeln und zum Bewegen. Eine Alternative für größere Babys sind schöne Schlafsäcke, denn wegen der Gefahr des plötzlichen Kindstods gehören auf keinen Fall Decken ins Babybett.

Anleitung zum Pucken

Generell sollte sich Mütter und Väter immer von einer Hebamme beraten lassen und sich das richtige Einpacken zeigen lassen. Im Internet gibt es viele Anleitungen zum Pucken mit verschiedenen Arten von Tüchern. Ein Beispielvideo mit Schritt-für-Schritt Anleitung zum Pucken sehen hier:

Richtig gepuckte Kinder können mit dieser Methode Ruhe und Geborgenheit finden. Aber es ist kein Universalheilmittel. Vielleicht weint ein Baby ja auch, weil es Bauchweh hat? Oder Hunger? Oder Kuscheln möchte? Wer die Risiken und den Nutzen kennt, kann ein Neugeborenes beruhigt pucken. Manche Kleinen lieben es – aber eben nicht alle.

Diskutieren Sie mit! Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Pucken?

, ,

  • Pingback: Meine persönliche Schwangerschafts-To Do-Liste | KinderKlimperKram()

  • Yvi-sama

    Interessant, was für unreflektierte Äußerungen von Medizienern getroffen und (oft) genauso unreflektiert als Fakt hingenommen werden.

    “[…] Kinder- und Jugendarzt Dr. med. Herman Josef Kahl […] weist auf Gefahren wie Überhitzung hin. „Manche Kinder
    werden so eng gepuckt, dass Nerven abgeklemmt werden. Auch das Risiko
    für Hüftdysplasien steigt nachgewiesenermaßen durch das Pucken an” […] Durch zu langes Liegen bestünde auch die Gefahr der
    Abplattung des Hinterkopfes. […] Oft sei auch in Arztpraxen zu beobachten, dass Babys so eng
    gepuckt seien, dass sie keine Luft zum Schreien holen könnten.”

    Überhitzung: Ist auch bei Decken, Stramplern und Schlafsäcken eine Gefahr.

    Abklemmung von Nerven und Brustkorb: Hier sollte statt Verdammung lieber Aufklärung betrieben werden! Wobei ich mir nur schwer vorstellen kann, dass bei Eltern, die ihre Kinder dermaßen stark einwickeln, nicht eher ein Agrressionsproblem oder einen Mangel an Kraftkontrolle vorliegt.

    Hüftdysplasien: Auch hier muss Aufklärung betrieben werden, sowohl bei den Eltern, als auch beim Verfasser dieser Aussage. Dass sich “Breitwickeln” mit “eng einwickeln” widerspricht, sollte ebenso nachvollziehbar sein, wie die Informationsbeschaffung, welche bei jeder guten Puck-Anleitung darauf hinausläuft, dass in solchen Fällen lediglich die Arme des Kindes gepuckt werden.

    “Abplattung des Hinterkopfes”: Ein absolut lächerliches Argument, denn dies würde bedeuten, dass ungepuckte Kinder weniger auf ihrem Hinterkopf liegen würden, als gepuckte Kinder.

    • Moe

      Das ist der mit Abstand qualifizierteste Kommentar, den ich bisher je in einem Baby-Forum gelesen habe. Vielen Dank! Endlich mal klare und sinnvolle Aussagen, keine Rechtschreibfehler, keine Smileys und nicht einfach ein Kommentar um des Kommentierens Willen.
      Diese Foren könnten so viel hilf- und aufschlussreicher sein, wenn es mehr Kommentare dieser Art gäbe.

    • Pauli

      Der Artikel klärt meines Erachtens sehr gut auf und zeigt die Vor- und Nachteile des Puckens gut auf. Es geht in dem Artikel vielmehr darum aufzuzeigen, dass das Pucken eben nur etwas für die Nachtruhe ist, dort also eventuell sehr nützlich sein kann! Das muss aber im Einzelfall ausprobiert werden und ist kein ‘Allheilmittel’ für schreiende Kinder, die dann womöglich nur noch eingewickelt ihr Dasein fristen- dann können die aufgezeigten Risiken durchaus bestehen. Hier wird meines Erachtens weder etwas verteufelt, noch schön geredet.. Vielleicht sollten manche Menschen nochmal an ihrem Textverständnis arbeiten, bevor sie hier (wohlgemerkt ohne Belege) einfach drauf losschimpfen wie ein Rohrspatz und alles als ‘lächerlich’ bezeichnen.

    • margit hamann

      Stimmt! Unsere Tochter (wird bald 8) habe ich nur auf dem Rücken schlafen lassen. Ich brauchte sie nicht pucken. Ein normaler Schlafsack und eine Decke darüber und schon war Ruhe. Ihr leicht abgeflachter Hinterkopf hat ihre motorische Entwicklung überhaupt nicht eingeschränkt.