Babys besonderer Duft

Der Duft von Babys ist für Elternasen lieblicher als jedes Parfüm. Warum ist das so? Und was tun, wenn der Mini leider irgendwie komisch riecht?

Ein bestimmter Duft liegt in der Luft und sofort werden Erinnerungen wach. Kein Wunder, denn kein anderer Sinn geht so direkt in das Gehirn wie das Riechen. Immerhin können Menschen etwa 10 000 bis 50 000 verschiedene Düfte unterscheiden. Und Düfte funktionieren instinktiv: Da ist der Reiz selbst, also der Geruch, und dies führt zu einem Bild im Gehirn. „Das Problem ist, dass der Duft nicht unseren Intellekt betrifft, sondern unsere Emotion. Und deshalb finden wir die Worte nicht dazu,“ erklärt Professor Randolf Menzel, Leiter des Instituts für Neurobiologie, FU Berlin.

Wonach riechen Babys?

Auch wenn es schwerfällt, die richtigen Worte zu finden: Die meisten Babys riechen einfach gut. Ihre Haut ist weich, die Haare fein und flauschig. Schon direkt nach der Geburt nehmen Eltern ihr Kind mit allen Sinnen wahr: eine Spur vom Eisengeruch des Blutes und wahrscheinlich Fruchtwasser. Ob dieses erste Beschnuppern ein Rest Urinstinkt ist?

Immerhin wird so ja auch erklärt, dass Schwangere Frauen Gerüche intensiv wahrnehmen. Vielleicht hat die Natur es auch so eingerichtet, dass wir unsere Babys „einfach gut riechen“ können. Nicht nur das optische Kindchenschema, auch den Geruch der Kleinen finden wir so schön, dass wir ihn einfach gern in der Nase haben.

Babys besonderer Duft (© Thinkstock)

Babys besonderer Duft (© Thinkstock)

Nach dem ersten Säubern und Baden duften Säuglinge anders. Ein bisschen nach der Popocreme, nach Milch und Geborgenheit. Vor allem am Hals und am Bauch kann man ihren Geruch besonders intensiv wahrnehmen.

Und dann ist da natürlich noch der Windelinhalt. Der so genannte „Milchstuhl“ hat zwar einen Eigengeruch, aber nicht unbedingt unangenehm. Säuerlich, warm und irgendwie erinnert er an Milch, die lange auf dem Herd steht. Australische Forscher haben herausgefunden, dass Mütter die Windeln der eigenen Kinder generell als weniger stinkend empfinden als die fremder Kinder. Freundlich von der Natur, das so einzurichten.

Der gute Babyduft dient mit Sicherheit der Arterhaltung. Woher er kommt, ist längst erforscht: „Jeder Körper sendet Moleküle“, so Professor Menzel in einem Interview der „Welt“. Babys würden immer nach Milch riechen. Ihr Eigengeruch hilft Eltern und Kind aber auch, sich zu erkennen.

Interessanterweise beschreiben viele Mütter, dass sie den Geruch ihres Kindes in den ersten Monaten gar nicht so intensiv wahrnehmen. „Das macht mich ganz traurig, ich glaube meine Lara schnuppert nicht nach Baby,“ schreibt Jule in einem Internetforum. Dafür gibt es oft eine ganz simple Erklärung: Wer das Kind rund um die Uhr bei sich hat, kann den Geruch oft nicht wahrnehmen, da ihn das Hirn als Teil des Eigengeruches wahrnimmt. Und sich selbst kann man oft ja nur dann erschnuppern, wenn man dringend unter die Dusche sollte.

Der Duft des Babys ändert sich

Irgendwann bekommt das Baby keine Muttermilch mehr. Gestillte Kinder riechen anders als Flaschenkinder – wenn dann noch die Beikost ins Spiel kommt, ändert sich der Babyduft. Eltern merken vor allem, dass die Windel nun nicht mehr angenehm riecht. Der Windeleimer wandert meist rasch ins Bad und der Inhalt schnell in die Tonne, wenn man nicht möchte, das die ganze Wohnung stinkt. Vor allem wenn der Nachwuchs beginnt, Fleisch zu essen, riechen die Ausscheidungen genauso unangenehm wie die von erwachsenen Menschen.

Babys besonderer Duft (© Thinkstock)

Wonach riechen Babys? (© Thinkstock)

Trotzdem schnuppern auch Kleinkinder irgendwie noch weich und warm. Berufstätige Mütter berichten häufig, dass sie riechen können, wenn ihr Kind in der Krippe oder bei der Tagesmutter war. Die Mutter von Ove (2): „Immer wenn ich meinen Sohn von der Tagesmutter abhole, fällt es mir auf, wie anders er riecht. Er hat irgendwie einen anderen Stallgeruch, er riecht nach anderem Essen, nach dem Parfüm einer anderen Frau. Das fand ich am Anfang schon ziemlich befremdlich.“

Aber ganz langsam, meist unbemerkt, verschwindet ihr sanfter Geruch. Spätestens im Kindergartenalter haben Kinder dann einen Eigengeruch. Sie duften noch immer, aber eben nach verschwitzter Hanna oder nach Jannis, der sich Suppe auf den Pulli gekippt hat. Aber auch dieser Kindereigengeruch ist noch schön und vertraut.

Babys können auch unangenehm riechen

Dass Babys immer gut duften stimmt leider nicht. Auch die Kleinsten können manchmal die Nase der Erwachsenen reichlich irritieren.

Besonders typisch ist beispielsweise ein leicht säuerlicher, ranziger Geruch. Meist ist dies geronnene Milch, die sich in einer Hautfalte versteckt. Das schnuppert nicht nur unangenehm, sondern kann auch die Haut entzünden. Abhilfe bringt ein schönes Bad mit ein wenig Babyöl – und danach besonders gut, gerade bei rundlichen Säuglingen, die Haut abrubbeln.

Auch Babys, die unter Reflux leiden, sich also häufig erbrechen, riechen wenig gut. Gegen den Geruch von Erbrochenem, der leider sehr intensiv sein kann, hilft relativ wenig. Es hilft, eine Stoffwindel unter dem Köpfchen zu platzieren, sodass das die Kleidung von Eltern und Kind sauber bleibt. Die bespuckten Tücher können dann gleich in die Waschmaschine wandern.

Ein anderer unschöner Geruch kann durch Dauersabbern erzeugt werden. Einige Babys stecken gern ihre Händchen in den Mund – die Speichelreste sind dann an der Hand und die kann dann schnell muffig-käsig riechen. Auch wenn viele Hebammen raten, dass Säuglinge noch keine Badezusätze oder Öle brauchen, wenn das Kind wirklich sehr müffelt, ist das schon erlaubt. Denn natürlich schwitzen auch Babys, manche können dann feucht säuerlich riechen, vor allem da sie die Temperatur über die Kopfhaut ausgleichen. Nassgeschwitzte Babyhaare sind nicht immer ein Wohlgeruch. Ein mildes Shampoo vertreibt den Geruch. Kommt so etwas häufig vor, sollte überlegt werden, warum das Baby so schwitzt. Vielleicht sollte die Schlafumgebung geändert werden? Oder das Lammfell aus der Karre entfernt werden?

Entgegen etwaiger Gerüchte: auch schon klitzekleine Menschen können Käsefüßchen haben. Manchmal verstecken sich kleine Fussel zwischen den Zehen, auch hier kann abrubbeln und säubern den Wohlgeruch zurück bringen. Ähnlich wie bei Erwachsenen mit diesem unangenehmen Problem ist es wichtig, auf Naturmaterialen zu achten – also weg mit den Polyacrylsocken, in Baumwolle wird weniger geschwitzt.

In einigen Fällen sollten Hebamme und Kinderarzt um Rat gebeten werden

Wenig schön und auch oft übel riechend kann Milchschorf sein. Statt flauschigem Geruch verströmen betroffene Kinder einen zarten Geruch, der an ungewaschene Füße erinnert. Vermutlich liegt dies an der schuppigen Hornhaut. Bei Milchschorf sollte auf jeden Fall der Kinderarzt befragt werden, um ähnliche Erkrankungen auszuschliessen. Zur Behandlung gibt es verschiedene alternative Möglichkeiten. Gegen die trockene Haut hilft einreiben mit Babyöl, mit dem angenehmen Dufteffekt.

Befremdlich Gerüche beim Baby können auch ein Warnzeichen für Erkrankungen, etwa Entzündungen oder Pilze sein. Daher sollten sie auf jeden Fall ernst genommen werden. Wenn der Stuhl oder der Urin etwa besonders auffällig die Nase reizen, oder der Bauchnabel aufdringlich riecht, sollte der Kinderarzt oder die Hebamme zu Rate gezogen werden. Wer unsicher ist und das Gefühl hat, dass das eigene Baby einfach ständig merkwürdig riecht, sollte lieber nachfragen. Denn Gerüche gehen direkt an das Hirn – und der Babyduft soll schön sein und die Nähe des Kindes glücklich machen.

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