Baby ans Bett gewöhnen

Mein Sohn (8 Wochen alt) wacht auf, sobald ich ihn ins Bett lege und schreit, bis man ihn hochnimmt. Dann beruhigt er sich schnell und schläft in den Armen weiter. Dr. Voitl, was kann ich tun?

Habe schon alles mögliche ausprobiert, aber nichts funktioniert. Nachts schläft er bei mir im Bett eigentlich gut, kommt nur einmal in der Nacht zum Stillen. Meine Hebamme sagt, dass er noch meine Nähe braucht. Wie kann ich ihn am besten an sein Bett gewöhnen?
 
Antwort von Kinderarzt Dr. Peter Voitl:
 
Ein Neugeborenes hat einen erhöhten Nahrungsbedarf und wacht ganz natürlich – auch nachts – alle zwei bis drei Stunden auf, um zu trinken. Normalerweise verlängern sich die Schlafintervalle mit der Zeit. Ab einem Alter von etwa fünf Monaten ist Stillen in der Nacht eigentlich nicht mehr nötig. Viele Säuglinge mögen jedoch am liebsten nachts gestillt werden. Möchten Sie Ihr Baby in der Nacht nicht mehr stillen (in der Regel lässt sich dieser Wunsch erst umsetzen, wenn das Baby älter als fünf Monate ist), können folgende Rituale hilfreich sein: Machen Sie kein Licht an, wenn das Baby aufwacht. Spielen Sie nicht mit ihm und sprechen Sie so wenig wie möglich mit ihm. Ist das Baby nass, wickeln Sie es mit so wenig Aufwand wie möglich. Es ist von Vorteil, dem Baby gar nicht erst beizubringen, dass man zum Einschlafen unbedingt ein Fläschchen braucht. Dies mag etwas hart klingen, aber es bewirkt, dass das Baby sich schnell daran gewöhnt, dass die Nacht zum Schlafen da ist.
 
Ein Baby, das schreit, braucht seine Eltern. Allein Ihre Anwesenheit gibt Ihrem Baby Geborgenheit. Oft reicht es, wenn Sie es ein wenig streicheln, damit es sich geborgen fühlt. Ein weinendes Kind braucht die Gewissheit, dass es nicht allein ist. Wenn ein Kind schreit, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass es unbedingt etwas zu essen braucht oder unterhalten werden muss. Gehen Sie aber auf alle Fälle sicher, dass Ihr Baby nicht schreit, weil es krank ist oder Schmerzen hat.
 
Es ist ganz natürlich, dass ein Kind sich im Bett der Eltern am wohlsten fühlt. Hier findet es Wärme, Geborgenheit und Nähe. Diese Tatsache kann aber im Lauf der Zeit zum Problem werden: Es hängt einzig und allein von Ihnen und Ihrem Partner ab, ob Sie Ihr Baby bei sich im Bett schlafen lassen wollen. Hat Ihr Kind sich jedoch erst einmal daran gewöhnt, in Ihrem Bett zu schlafen, kann es sehr schwer sein, ihm dies wieder abzugewöhnen. Es ist ausgesprochen wichtig, sich über alle Konsequenzen abzusprechen. Finden alle Beteiligten es gemütlich und wie lange noch? Was ist mit dem Sexualleben der Eltern? Ist überhaupt Platz genug für drei? Was ist, wenn ein weiteres Kind kommt? Ein Kompromiss kann sich insofern anbieten, als Sie das Kinderbett direkt neben Ihr Bett stellen. So hat das Kind die Eltern zumindest in greifbarer Nähe. Wie auch immer Sie sich entscheiden: tun Sie nur das, was Sie und ihr Partner wirklich wollen. Was “man” tut, ist nicht immer das Beste für die eigene Familie.
 
Zunächst sollten Sie sich darüber klar werden, ob Sie als Eltern zur Umgewöhnung bereit sind. Legen Sie fest, wann Sie mit den Veränderungen beginnen werden. Ist ihr Baby vier bis sechs Monate alt, dauert es selten länger als drei bis vier Nächte, bis das Kind durchschläft. Ist es älter als sechs Monate, kann es ein bis zwei Wochen dauern. Bereiten Sie sich vor: Die Vorbereitung ist wichtig, damit Sie nicht nach der ersten Nacht aufgeben. Sprechen Sie als Eltern untereinander ab, wie Sie die Sache angehen wollen.
 
So können Sie vorgehen:
 
Gehen Sie gleichzeitig mit Ihrem Baby zu Bett, um selbst genügend Ruhe zu bekommen. Verabreden Sie mit Ihrem Partner vorher, wann genau Sie aufstehen wollen. Beginnen Sie mit dem kleinstmöglichen Mitteln. Wenn das Baby erwacht, streicheln Sie es sanft, decken Sie es gut zu und geben Sie ihm seinen Schnuller. Dies hilft vielleicht für eine Stunde. Versuchen Sie die gleiche Prozedur noch einmal. Findet Ihr Kind noch immer nicht zur Ruhe, wickeln Sie es. Machen Sie jedoch kein Licht, und unterhalten Sie es nicht. Vielleicht schläft es danach etwa eine weitere Stunde. Hilft auch dies nicht mehr, geben Sie Ihrem Baby ein wenig Wasser zu trinken. Dies hat zwei Funktionen. Zum einen signalisieren Sie dem Baby, dass es nachts nichts zu essen gibt, dass es aber Wasser bekommen kann. Zum anderen gibt es Ihnen die Gewissheit, dass Ihr Kind nicht durstig ist. Wenn Streicheln, Wasser trinken und Wickeln nicht helfen: Legen Sie Ihr Baby in den Kinderwagen und schieben Sie ein wenig hin und her. Denken Sie aber daran, die Nacht für Ihr Baby so ruhig und wenig interessant wie irgend möglich zu gestalten.
 
Schlaf und Allgemeinbefinden:
 
Schlaf ist die natürliche Erholungsphase für Körper und Geist. Er entspannt und schafft neue Energien. Das Gehirn verarbeitet während des Schlafs die verschiedenen Eindrücke und Erlebnisse des Tages, unter anderem, indem es Träume produziert. So müde, abgespannt und gestresst man nach einer Nacht mit zu wenig Schlaf sein kann, so ausgeruht, erholt und voller Energie ist der Mensch nach einer gut durchgeschlafenen Nacht. Dies gilt für Erwachsene, Kinder und Säuglinge gleichermaßen. Daher ist es in jeder Hinsicht sinnvoll, wenn Eltern darauf bedacht sind, dass ihr Baby viel und gut schläft. Der Schlaf ist für das allgemeine Befinden des Babys von großer Wichtigkeit. In der Nacht werden mehr Wachstumshormone freigesetzt als tagsüber. Der Schlaf ist also auch für das Wachstum und die Entwicklung des Kindes von Bedeutung.
 
Einige wenige Kinder schlafen erst ab einem Alter von anderthalb Jahren eine ganze Nacht durch, ganz egal, was die Eltern auch ausprobieren. Die meisten Babys lernen dies jedoch sehr schnell. Besprechen Sie die Situation auch mit Ihrem Kinderarzt.
 
Gute Ratschläge
• Verbinden Sie das Ablegen Ihres Kindes mit etwas Gemütlichem. Lesen Sie ihm etwas vor, massieren Sie es, baden Sie es vor dem Zubettgehen usw.
• Halten Sie feste Bettzeiten ein.
• Bringen Sie Ihr Kind NIE “zur Bestrafung” ins Bett.
• Bringen Sie Ihr Kind stets zu Bett, bevor es übermüdet ist und buchstäblich vor Müdigkeit umfällt.
• Ihr Kind muss nicht sofort einschlafen. Lassen Sie das Kind im Bett zur Ruhe kommen.
• Wiegen wirkt in der Regel schlaffördernd.
• Dämpfen Sie das Licht , oder löschen Sie es ganz beim Zubettgehen.
• Dämpfen Sie das generelle Aktivitätsniveau der Familie, d. h.: drehen Sie den Fernseher oder die Musik leiser, dämpfen Sie Unterhaltungen ein wenig.
• Ist Ihr Kind nachts unglücklich, nehmen Sie es nicht hoch, sondern bleiben Sie nur bei ihm, bis es zur Ruhe kommt. Lassen Sie es sich NICHT in den Schlaf weinen. Ein weinendes Kind muss immer getröstet werden!
• Das Kind ins Bett der Eltern zu nehmen, kann dazu führen, dass Sie ihm dies später wieder abgewöhnen müssen. Andererseits ist es eine effektive Methode, Ihr Kind zum Einschlafen zu bringen.
Foto: © Vladimir Mucibabic für istockphoto.com 

Dr. Peter Voitl

 

 

 

 

 

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