Augen, Hormone und Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft ist eine hormonelle Ausnahmesituation. Und die Hormone beeinflussen auch die Augen! Einige Schwangere vertragen plötzlich ihre Kontaktlinsen nicht mehr oder leiden unter trocken Augen. Was tun? Und wie ist das eigentlich bei der Geburt?

Steffi kann nicht sagen, wann es eigentlich anfing. Die Bürokauffrau sitzt täglich vor dem PC-Bildschirm und liest gern. Doch plötzlich schmerzen ihre Augen. „Ich habe das Gefühl, dass ich schlechter sehe und das die Kontaktlinsen furchtbar unangenehm im Auge sind.“ Soll sie nun noch einen extra Arztermin beim Augenarzt deswegen ausmachen? Steffi ist im siebten Monat schwanger und bereitet gerade die Übergabe für ihre Elternzeitvertretung vor. Sie wundert sich, wieso sie das Gefühl hat, dass sich ihre Augen verändern.
 
In der Schwangerschaft verändern sich auch die Augen
 
Tätsächlich wirkt eine Schwangerschaft auf den ganzen Körper einer Frau – und auch auf die Augen. Die Hormonumstelllung, vermutlich vor allem der Androgenmangel, beeinflusst bei einigen Schwangeren auch den Tränenfilm. Die Augen sind sehr trocken, gereizt und schnell gerötet. Durch die mangelnde Tränenflüssigkeit fühlen sich Kontaktlinsen plötzlich wie ein unangenehmer Fremdkörper im Auge an.
 
Vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel ändert sich häufig auch die Augenhornhaut. Sie schwillt durch erhöhte Wassereinlagerungen im Köper leicht an. Dadurch kann die Sehschärfe um eine viertel bis eine halbe Dioptrie schwanken. Auch die Krümmung wird häufig beeinflusst: Dann sitzen natürlich auch eigentlich sehr gut angepasste Kontaktlinsen plötzlich schlecht. Viele Frauen haben das Gefühl, dass ihre Augen eine höhere Blendempfindlichkeit haben und schneller ermüden – beides liegt wahrscheinlich daran, dass die Kontaktlinsen nicht mehr richtig sitzen und die Augen schlichtweg überanstrengt sind.
 
Was können Schwangere bei Augenproblemen tun?
 
Bei trockenen Augen helfen vor allem konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel aus der Apotheke (vom Augenoptiker oder dem Online-Kontaktlinsenversand), die völlig unbedenklich in der Schwangerschaft und Stillzeit benutzt werden können. Bei Beschwerden durch Kontaktlinsen rät Dr. Klaus König, Vizepräsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, öfter auf die Brille zurückzugreifen und auf die Linsen zu verzichten. Eine richtige Neuvermessung und die Anpassung von neuen oder anderen Linsen lohne nicht. „Nach der Geburt können die Augen in der Regel wieder genauso gut wie vorher sehen“ so Dr. König.
 
Wenn Schwangere allerdings das Gefühl haben, dass sie nur noch verschwommen sehen, gar Blitze sehen oder ganz erhebliche Sehstörungen haben, sollten sie dies unbedingt abklären – und zwar mit ihrem Frauenarzt. Denn dies könnten Anzeichen einer Präeklampsie sein. „Dabei handelt sich sich um eine Überlastung des mütterlichen Organismus, die unter anderem mit Bluthochdruck, vermehrter Eiweißausscheidung und Wassereinlagerungen im Gewebe einhergeht,“ erklärt der Gynäkologe.
 Kontaktlinsen bei der Geburt?
 
Doch nicht alle werdenden Mütter mit einer Sehschwäche haben in der Schwangerschaft Probleme mit Augenveränderungen. Eine Frage, die sich jedoch alle Linsenträgerinnen stellen: Wie ist es bei der Geburt mit den Sehhilfen? Lange galt, dass Kontaktlinsen im Kreißsaal tabu sind. Denn während des Geburtsvorganges verstärkt sich der Innendruck des Auges und Kontaktlinsen könnten zu Komplikationen führen.
 
Heute sind die kleinen Sehhilfen allerdings viel schneller und unkomplizierter zu entfernen und daher manchmal auch erlaubt. Tageslinsen beispielsweise könnten im Zweifelsfalle einfach aus dem Auge genommen und weggeworfen werden. Schwangere sollten beim Aufnahmegespräch in der Klinik das Thema Linsen auf jeden Fall ansprechen und eine individuelle Lösung finden.
 
Wer nur eine leichte Fehlsichtigkeit hat, verzichtet am besten komplett auf Brille und Linsen – viele Frauen haben die Augen bei der Geburt auch fest geschlossen. Unter den Wehen spielt die Optik nun einmal kaum eine Rolle.
 
Trotzdem gehören in den Klinikkoffer von Frauen mit Sehschwäche auf jeden Fall frische Kontaktlinsen – und die Brille. Denn wenn das kleine Wunder da ist, möchte die Mutter es sicher ganz genau bis ins kleinste Detail betrachten können. Nach und nach stellt sich der mütterliche Körper wieder um und schon wenige Wochen nach der Geburt schmerzen die Augen nicht mehr auf Grund der Hormone. Höchstens durch Schlafmangel. Und der hat dann wirklich gar nichts mit Kontaktlinsen zu tun.
 
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