Albträume bei Kindern

Gute Nacht und träum’ schön? Viele Kinder haben Albträume, die sie nachts so erschrecken, dass sie noch am nächsten Tag verstört sind. Wie Eltern helfen können…

Annika ist vier Jahre alt und hat vor zwei Wochen eine kleine Schwester bekommen. Sie wacht nachts laut weinend auf und ruft verzweifelt nach ihren Eltern. Im Traum war sie allein in einem dunklem Wald, sie konnte den Weg nicht finden und dann kam ein riesiger Hund und wollte sie jagen. Erst die feste Umarmung von Mama kann sie wieder beruhigen. Es war wirklich alles nur ein Traum…
Im wilden Kindertraum-Land
Kinder träumen länger und intensiver als Erwachsene. Im Schlaf verarbeiten sie ihre Wünsche, Ängste und Sorgen. Manchmal begegnen Ihnen Nachts Figuren aus Fernsehsendungen und Märchen, manchmal aber auch beängstigende Monster, wie die wilden Kerle aus dem gerade gelesenen Kinderbuch.
Kind hat Albträume

Verstört nach Albträumen (© panthermedia.net Lisa Wahman)

Kleinkinder träumen noch die Hälfte ihrer Schlafdauer, im hohen Alter sind es nur noch 20 Prozent. Kinder träumen nicht nur länger als Erwachsene, sie haben auch mehr Albträume. Dies kann daran liegen, dass sie noch nicht so gut mit ihren Ängsten umgehen können und sie so im Schlaf verarbeiten.
Etwa fünf Prozent aller Kinder wachen nachts einmal in der Woche oder öfter auf, weil von Albträumen geplagt werden. Die schrecklichen Erlebnisse sind für sie viel belastender als für Erwachsene, denn Kinder unter sechs Jahren können noch nicht zwischen Realität und Traum unterscheiden.
Zwischen zehn und fünfzig Prozent der Kinder zwischen 3 und 5 Jahren träumt nachts so schlecht, dass sich die Eltern Sorgen machen, wie eine aktuelle Studie zeigt.
Aber Albträume gehören zur kindlichen Entwicklung, Annika beispielsweise verarbeitet nachts, dass sich ihr Leben durch die kleine Schwester so geändert hat. Dass sie nun die Aufmerksamkeit der Eltern teilen muss, macht ihr Angst. Doch durch die Verarbeitung in abstrakten Bildern können Kinder Veränderungen und auch belastende Erlebnisse wie Umzug in eine andere Stadt oder Trennung der Eltern besser bewältigen.
Was hilft dem Kind nach einer schlechten Nacht?
Die Antwort klingt nicht nur simpel, sondern ist es auch: Dem Kind hilft es, seinen Traum einem liebevollen Zuhörer zu erzählen. Beim Erzählen macht das Kind einen Schritt aus seinem Traum heraus und kann ihn so mit angemessenem Abstand betrachten. Ein Albtraum, der nicht erzählt wird, kann – genauso, wie ein schlechtes Erlebnis, das für sich behalten wird – in einem Kind das Gefühl von Allein- und Verlassensein wachsen lassen.
Direkt nach dem Aufwachen brauchen Kinder meist Nähe und Trost. Als Eltern sollten Sie das Kind beim Erzählen ernst nehmen und auf seine Ängste eingehen. Fragen Sie, wie der grüne Geist genau aussieht und wo er jetzt ist. Vielleicht hilft dann ein gemeinsamer Blick unter das Bett um das Kind davon zu überzeugen, dass es wirklich nur geträumt hat.
Am nächsten Tag sollten Sie mit dem Kind über den bösen Traum sprechen. Sie können sich gemeinsam überlegen, wie etwa ein Weg aus dem dunklen Wald gefunden wird, oder wie der grüne Geist besiegt wird.
Vielleicht lassen Sie Ihr Kind den Traum auch aufmalen. Dann kann es das gemeine Monster auch mit der Schere bearbeiten. So fühlt es sich stark und durch die Auseinandersetzung muss es keine Angst mehr vor dem Einschlafen haben.
Manchmal ist Hilfe von Profis nötig
Wenn Kinder häufiger als einmal in der Woche Angstträume haben oder bestimmte Träume immer wieder kommen, sollten Eltern aufhorchen. Auch wenn das Kind wegen der Träume Angst hat einzuschlafen oder den ganzen Tag noch mit den nächtlichen Erlebnissen beschäftigt ist, kann dies ein Zeichen für ernstzunehmende Schwierigkeiten sein.
Experten gehen davon aus, dass etwa fünf Prozent aller Kinder so sehr unter nächtlichen Albträumen leiden, dass sie therapeutische Hilfe brauchen. Unbehandelt könnten diese psychische Belastung später zu einer psychischen Erkrankung führen. Erster Ansprechpartner sollte bei schweren Schlafproblemen immer der Kinderarzt sein, denn er kennt sicher die Adressen von entsprechenden Fachleuten vor Ort.
Die Mutter schüttelt’s Bäumelein – fällt herab ein Träumelein
Eltern möchten natürlich ihren Kindern dabei helfen, wunderbar zu träumen. Gelegentliche schlechte Träume lassen sich nicht vermeiden. Aber eine angenehme und entspannte Einschlafsitution beschert in der Regel sanftere Träume.
Manchmal hilft es Kindern, wenn nachts ein kleines Licht brennt oder eine Tür offen steht. Auch Leuchtsterne an der Decke und ein Lieblingskuscheltier beruhigen. Wichtig sind feste Abendrituale: Gemeinsames Vorlesen und Gespräche über die Ereignisse des Tages.
Wer mag, kann auch einen indianischen Traumfänger im Kinderzimmer aufhängen und dem Kind erklären, dass er dazu da ist, böse Träume abzufangen. Es gibt auch Kinder-Entspannungs CDs wie “Ganz entspannt im Traumland” von Sabina Pilguj, die sanft in das Reich der Träume führen sollen.
Auch Bücher über das Träumen helfen. Etwa das Buch “Kai träumt Monster“, in dem ein Traumfreund gemeinsam mit Kai die Monster besiegt. Ihr Kind kann sich dann auch einen Traumfreund suchen. Oder das Buch “Das Traumfresserchen” von Michael Ende, in dem Prinzessin Schlafittchen gegen ihre Albträume kämpft. Hier gibt es einen Zauberspruch, der garantiert gegen böse Träume hilft. So gerüstet, darf dann der Sandmann seinen Schlafsand verstreuen und Ihr Kind schlummert hoffentlich friedlich.
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