Akupunktur für Schwangere

Hilfe – ich bin doch kein Nadelkissen! Vielen Frauen ist beim Stichwort Akupunktur eher etwas mulmig zumute. Doch Studien beweisen, dass das Verfahren aus der Traditionellen Chinesischen Medizin nicht nur Schwangerschaftsbeschwerden lindert, sondern nachweislich die Geburt erleichtert. Und weh tut es auch nicht…

Hamburg im Januar 2011. Sechs Mütter sitzen gemeinsam an einem Tisch, aus den Babys der Krabbelgruppe ist mittlerweile eine muntere Kindergartenkinderschar geworden. Und einige haben jüngere oder ältere Geschwister. Immerhin können also zehn ehemals Schwangere ihre Erfahrungen teilen. Somit kann die einzige derzeit Schwangere in der Gruppe auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen, sollte man meinen. Sie fragt: „Hat eine von euch eigentlich Akupunktur gemacht?“ fragt sie.

Tatsächlich wurden sogar sechs Schwangerschaften mit Akupunktur betreut. Gar nicht wenig. Doch voll im Trend. Denn mittlerweile nutzen etwa ein Drittel aller Erstgebärenden die Methode aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zur Geburtsvorbereitung und -erleichterung. Akupunktur wird auch von vielen Frauenärzten und Hebammen empfohlen, denn ihre positive Wirkung bei der Geburtsvorbereitung und bei Schwangerschaftsbeschwerden ist durch verschiedene Studien belegt.

Auch in der Mütterrunde hat keine Frau negative Erfahrungen gemacht. „Mir hat das wirklich wunderbar bei meiner Migräne geholfen“, berichtet die erste Mutter. Die zweite hat sich auf drei Geburten mit Akupunktur vorbereitet: „Ich glaube schon, dass die Geburten so leichter waren. Allerdings habe ich ja keinen Vergleich.“ Interessanterweise haben alle vier Frauen, die Akupunktur nutzen, diese auch bei den weiteren Geburten in Anspruch genommen.

Das Akupunktur so beliebt ist, ist nicht erstaunlich. Eine Studie der Frauenklinik Mannheim belegt, dass die Behandlung mit den feinen Nadeln die Geburtsdauer von Erstgebärenden im Schnitt von zehn auf acht Stunden verkürzt. Akupunktur ist eine ganzheitliche Therapieform, die nicht nur dort wirkt, wo die Nadel als Reiz gesetzt wird, sondern im ganzen Organismus. „Gestörte“ Funktionen können durch sie natürlich und ohne Schmerzmittel reguliert werden.

Bei Beschwerden und zur Geburtsvorbereitung

Die Akupunktur zur Geburtsvorbereitung kann von einem Frauenarzt oder einer Hebamme durchgeführt werden, beide müssen sich entsprechend fortgebildet haben. Auch Geburtskliniken bieten das erprobte Verfahren häufig an. Bei folgenden Schwangerschaftsbeschwerden wird Akupunktur eingesetzt:

  • Schwangerschaftserbrechen
  • Schmerzen unterschiedlichster Art
  • Migräne
  • Angst, Unruhe, Schlafstörungen
  • Depressionen
  • Rückenschmerzen
  • durch die Schwangerschaft bedingter Bluthochdruck
  • Fehllagen des Kindes
  • vorzeitige Wehentätigkeit

Eine Geburtsvorbereitungsbehandlung beginnt meist ab der 36. Schwangerschaftswoche, in der Regel mit ein bis zwei Sitzungen pro Woche. Zur Geburtsvorbereitung werden auf jeder Seite des Körpers vier Punkte behandelt:

  • unterhalb des Knies
  • im Bereich des Innenknöchels des Fußes
  • an der oberen seitlichen Wade
  • und an der äußeren Seite der kleinen Zehe

Bei Angstsymptomen kann zusätzlich ein Kopfpunkt punktiert werden, der allgemein beruhigend wirkt und hilft. Die Behandlung hat keinen Einfluss auf den Geburtstermin und führt auch nicht zu vorzeitigen Wehen. Ziel der geburtsvorbereitenden Akupunktur ist es, dass die Frau die Geburtswehen als weniger schmerzhaft empfindet und dass die Wehen in der Austreibungsphase zielgerichteter sind.

Wie genau funktioniert Akupunktur?

Die einzelnen Akupunkturpunkte sind exakt festgelegt. Der Behandler tastet im entsprechenden Bereich so lange, bis die Patientin die drucksensiblen Punkt signalisiert. Dort wird dann eine Nadel schnell in etwa 0,5 cm Tiefe gebracht. Akupunktur-Nadeln sind aus flexiblem Stahl gefertigt, der sich biegen lässt, aber nicht bricht. Sie sind so fein, dass sie mühelos die Haut und das Muskelgewebe durchdringen, so dass höchstens zu einem feinen, ziehenden kurzen Einstichschmerz kommt.

Die Nadel wird mit einer raschen Rotationsbewegung bis zur Auslösung des so genannten ‚De-Qi’ (Energieankommensgefühl) vorgeschoben. Wie sich das anfühlt, wird von jedem Menschen unterschiedlich wahrgenommen. Es kann elektrisierend sein, oder auch als Wärme, Taubheit, Druck, Schwere oder Kribbeln wahrgenommen werden. Dieser Zustand hält nur wenige Sekunden an und zeigt den Therapeuten, dass die Nadel gut sitzt. Die Nadeln bleiben etwa 20 Minuten eingestochen. Dabei wird auf eine warme, stressfreie und angenehme Atmosphäre geachtet. Nach der Nadelentfernung wird meist eine Ruhe von 15 Minuten empfohlen.

Nebenwirkungen gibt es kaum. Empfindliche Frauen können Kreislaufprobleme bekommen, in so einem Fall werden bei der Behandlung die Beine meist hochgelegt. Ab der zweiten Sitzung hat sich der Körper meist an die Behandlung gewöhnt und der Kreislauf stabilisiert sich. Die punktierten Stellen können leicht gerötet sein oder ein blauer Fleck kann sich bilden. Das ist harmlos und verschwindet nach kurzer Zeit ohne Behandlung von allein.

Eine Akupunkturbehandlung kostet – je nach Behandlungsdauer und -aufwand etwa 30 bis 70 € pro Sitzung. Vor allem bei akuten Beschwerden übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten teilweise oder sogar ganz. Auch viele private Krankenkassen erstatten die Kosten für Akupunktur. Eine Nachfrage lohnt sich ganz bestimmt.

Unter der Geburt

Erst wenn der Körper der Frau auf natürlichem Weg reif für die Geburt ist, kann die Wirkung der Akupunktur ausgelöst werden. In der Geburt selbst werden die feinen Nadeln bei den ersten stärkeren Beschwerden eingesetzt, wenn der  Muttermund etwa vier bis fünf Zentimeter geöffnet ist. Die Akupunkturpunkte zur Schmerzlinderung liegen im Bereich des Unterbauches oder des Rückens der Frau. Auch bei Problemen mit der Loslösung der Plazenta kann Akupunktur hilfreich sein.

Der Einsatz der Nadeln bewirkt, dass der Gebärmutterhals schneller reift und die Wehen in der Eröffnungsphase gezielter sind. So kann diese Geburtsphase stark verkürzt werden. Die Austreibungsphase kann durch Akupunktur nicht beeinflusst werden. Zusammengefasst kann Akupunktur bei der Geburt eingesetzt werden zur:

  • Schmerzbekämpfung
  • Geburtserleichterung
  • Entspannung unter der Geburt

Jetzt sind wir auf Ihre Erfahrungen gespannt! Helfen Sie uns mit bei einer Umfrage zur Akupunktur? Schildern Sie auch gern Ihre Erfahrungen in einem Kommentar.

Studie: Römer A., Weigel M., Zieger W., Melchert F. (1998): Veränderungen der Cervixreife und Geburtsdauer nach geburtsvorbereitender Akupunkturtherapie. In: Römer A. (Hrsg.): Akupunkturtherapie in der Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Hippokrates, Stuttgart

 Bild: © Ravi Gajjar für istock.com

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