Deutschland sucht die Superschwangere

Kuschelige Kugelzeit? Von wegen. Einige Frauen nehmen das Projekt Baby ernst, sehr ernst. Und entfachen damit meist einen Konkurrenzkampf, der ziemlich anstrengend werden kann. Ein paar Selbsthilfe-Tipps für eine gelassene Reaktion.

Eine Schwangerschaft ist ziemlich aufregend, vor allem die erste. Je langersehnter das Wunschkind ist, desto eifriger stürzen sich angehende Mamas in ihr neues Projekt. Doch manchmal wird das richtig anstrengend für die Umwelt. Scheinbar gehen einige Frauen davon aus, dass überall versteckte Kameras lauern und ein Wettbewerb herrscht.

Heißt der Wettkampf „Deutschland sucht die Superschwangere“ ?

Wer sich in Facebook-Gruppen oder in Foren umschaut, dem wird klar, dass das Casting für diese DSDS-Variante schon früh beginnt. Schon vor der Befruchtung. Wie sollten sich Frauen mit Kinderwunsch ernähren? Wer schluckt am eifrigsten Folsäure? Und welche Mama-in-spe hat Sex genau nach Plan? Belohnt werden die Kandidatinnen in der nächsten Runde mit einem positiven Schwangerschaftstest.

Immer im Wettbewerb -Superschwangere können nerven (© Thinkstock)

Immer im Wettbewerb -Superschwangere können nerven (© Thinkstock)

Es folgen nun drei weitere Runden auf der Suche nach der „Superschwangeren“. In der ersten Runde dürfen die Neu-Schwangeren ihren ersten Frauenarztbesuch absolvieren, erhalten den Mutterpass und können die frohe Botschaft verkünden. Und sie dürfen zeigen, wie aufmerksam sie gelernt haben. Worauf sollten Schwangere besonders achten? Welche Ernährung ist die beste?

In Runde zwei zeichnet sich die kleine Kugel langsam mehr ab und die Frauen im Wettkampf zeigen nunmehr, was sie drauf haben. Denn die Waage schlägt immer weiter aus. Jetzt wird deutlich, dass es bei den „Superschwangeren“ meist zwei Typen gibt. Diejenigen, die darin wetteifern, besonders leidend zu sein und nach der Schwangerschaftsübelkeit nicht nur Kilos, Wassereinlagerungen, sondern auch alle möglichen anderen Zipperlein sammeln und diejenigen, die sich als wahre Heldinnen sehen. Sie wuppen alles und zwar locker. Natürlich arbeiten sie ohne Problem im Job, sie haben schon jetzt den Wiedereinstieg genau geplant. Die Anschaffungen, ein Platz in der Krippe, mindestens zwei Geburtsvorbereitungskurse? Aber klar. Die Heldinnen halten die anderen Schwangeren für Jammerlappen.

In Runde drei ist dann der Stichtag fast da. Welche Schwangere hält sich brav an alle Vorschriften? Wer hat schon Schwangerschaftsstreifen und wer sitzt noch im Schneidersitz und bindet sich locker die Schuhe zu? Im harten Wettkampf werden im Endspurt nun auch die letzten Register gezogen. Die großen runden Bäuche werden stolz zur Schau getragen, es wird der coolste und wahrhaft einzigartige Kindername gefunden und natürlich auch der beste Geburtsort. Die Leidenden können nun auch noch über Rückenschmerzen, Übungswehen und geöffnete Muttermünder klagen, die Heldinnen berichten über spannende Turnübungen beim Sex, Konzertbesuche und heimliches Arbeiten trotz Mutterschutz. Wer wird die Siegerin des Wettkampfes sein? Nun – das ist unklar. Aber fest steht, wer die Verlierer sind. Alle die, denen das Verhalten solcher „Über-Schwangeren“ einfach furchtbar nervt.

Doch wie wehrt man sich dagegen, unfreiwilliges Publikum dieser Selbstdarstellerinnen zu sein?

Noch gibt es die Sendung nicht, aber Kandidatinnen für „Deutschland sucht die Superschwangere“ lauern in jedem Geburtsvorbereitungskurs und oft auch einfach in Cafés oder bei eigentlich netten Treffen mit Freundinnen. Ob dabei die anderen Frauen auch schwanger sind oder nicht, interessiert nicht. Gnadenlos wird nur noch über ein Thema gesprochen. Die Freundin mit dem unerfüllten Kinderwunsch wird immer blasser, die Single-Frau verabschiedet sich frühzeitig.

Psychologin Felicitias Heyne kennt solche Zeitgenossinnen und erklärt offen: „Ich finde es ja schon als Nicht-Schwangere schwierig, wenn ich mir stundenlang Vorträge drüber anhören muss, warum nahezu mein komplettes Käsesortiment im Kühlschrank oder meine Katzen so bedrohlich auf Schwangere wirken.“ Ein sachliches Argumentieren habe meist keinen Sinn. Auch wenn sich Felicitias Heyne sicher ist, dass die schwangere Besucherin nicht mit den Händen im Katzenklo wühle oder heimlich den Kühlschrank leere.

Sicher, viele Schwangere haben Ängste. Ein Kind zu bekommen ist ein überwältigendes Erlebnis. Aber wenn ein Treffen oder ein Kurs von einigen wenigen dominiert wird, und das Verhalten der Superschwangeren nur noch nervt, dann wird es Zeit für einen Schlussstrich. Denn jede Schwangere hat das Recht darauf, ihre Schwangerschaft so zu genießen, wie sie es für richtig empfindet. Wer den Wettbewerb scheut oder einfach selbst weder besonders heldenhaft noch besonders leidend ist, sondern einfach nur furchtbar gestresst und genervt von diesen Mamas ist, der sollte den Tipp der Psychologin befolgen: „Mein einziger Rat dazu wäre wirklich, solche Zeitgenossinnen möglichst weiträumig zu umschiffen, sonst macht man sich bloß die Freude an der eigenen Schwangerschaft kaputt.“

Wer sich nicht an diesen Rat hält, wird sich überzeugen können, dass die meisten dieser Superschwangeren nach der Geburt weiterhin ebenso anstrengend bleiben. Denn nun geht ein Wettkampf los, der viel länger dauert als neun Monate. Denn nun gilt es, sich als die beste Super-Mama zu präsentieren. Und da gibt es viel zu lamentieren, zu vergleichen und die Kämpfe werden nur noch härter. Rechtzeitige Flucht ist also ratsam.

  • Anne

    Oje, wenn eine Frau sowas verzapft, dann frage ich mich wirklich, was das soll. Der Text gehört für meine Begriffe gleich in Ablage „P“. Ist die Autorin schon einmal schwanger gewesen? Hatte sie Ängste oder auch nicht, hat sie alles getan, damit ihr Kind gesund zur Welt kommt? Ich wüsste wirklich nicht, was an den oben beschriebenen Verhaltensweisen der werdenden Mütter nervig oder unnormal sein sollte. Jede Frau ist anders und eine Gruppendynamik existiert in jeder Menschengruppe.

    • splagge

      Liebe Anne, oh ja. Die Autorin war schwanger. Zweimal. Natürlich kenne ich die Ängste, Hoffnungen und Wünsche in dieser aufregenden Zeit. Aber leider eben auch andere Frauen, die ich damals als Mit-Schwangere anstrengend fand. Natürlich ist jede werdende Mama anders und wenn Gruppendynamiken schön sind und nicht nerven, ist das klasse. Wenn dich der Wettkampf nicht stört – viel Spaß! Alles Liebe und herzlichen Gruß aus der Redaktion,
      Silke R. Plagge