Schwangerschaftsdiabetes – die wichtigsten Informationen

Rund vier Prozent aller Schwangeren leiden unter einem Gestationsdiabetes. Diese Stoffwechselerkrankung kann unerkannt für Mutter und Kind gefährlich werden. Was sollten Schwangere darüber wissen?

Nur vier Worte, die Schlimmes ahnen lassen: „Bitte setzen Sie sich.“ Judith war in der 25. Schwangerschaftswoche. Eigentlich fühlte sie sich gut. Bis zu dieser Vorsorge-Untersuchung bei ihrem Frauenarzt. „Ehrlich gesagt, war ich erstaunt, dass der Frauenarzt mich auf einen Schwangerschaftsdiabetes untersuchen wollte. Der Test hat mich genervt, ich durfte nichts frühstücken, musste dann so einen ekligen Saft trinken und lange, lange warten, bis das Ergebnis kam.“

Dass die Routineuntersuchung, die mittlerweile bei allen Schwangeren eine Kassenleistung ist, tatsächlich etwas zeigen könnte, damit hatte die werdende Mutter nicht gerechnet. „Ich bin nicht sonderlich übergewichtig und in meiner Familie gibt es kein Zuckerproblem. Auch alle Urintests waren ja bisher total unauffällig. Über den Test habe ich mir gar keine Gedanken gemacht.“ Als der Frauenarzt der 34jährigen erklärt, dass der Glucosetoleranztest zeige, dass sie an Schwangerschaftsdiabetes leide, war Judith sprachlos. „In meinem Kopf lief gleich ein Film ab, was alles passieren könnte,“ sagt sie. Judith hatte Glück. Ihr Frauenarzt nahm sich Zeit, ihr alles in Ruhe zu erklären und sie zu beruhigen. Judith besuchte eine spezielle Ernährungsberatung und bekam ein gesundes Kind.

Je eher Schwangerschaftsdiabetes erkannt wird, desto besser kann Mutter und Kind geholfen werden.

Was genau ist ein Schwangerschaftsdiabetes?

Ein Gestationsdiabetes ist eine zum ersten Mal in der Schwangerschaft auftretende Störung des Zuckerstoffwechsels. Die Schwangerschaftshormone beeinflussen auch den Stoffwechsel der Mutter, Zucker ist dabei der Brennstoff, der Zellen Energie liefert. In der zweiten Schwangerschaftshälfte kann es unter bestimmten Voraussetzungen dazu kommen, dass die mütterlichen Zellen plötzlich nicht mehr gut auf Insulin reagieren, das den Zucker in die Zellen bringt. Die Folge: Der körpereigene Bedarf an Insulin steigt.

Eigentlich soll die Bauchspeicheldrüse dafür sorgen, dass in so einem Fall sofort mehr Insulin im Körper produziert wird. Wird jedoch nicht genug Insulin geliefert, dann steigt der Blutzuckerspiegel. Nach der Geburt, wenn sich der Stoffwechsel wieder normalisiert, sinkt der Blutzuckerspiegel wieder auf das Level vor der Schwangerschaft. Allerdings steigt für die betroffenen Frauen die Wahrscheinlichkeit, im Alter an einem Diabets mellitus Typ II zu erkranken.

Diagnose Schwangerschaftsdiabetes

Diagnose Schwangerschaftsdiabetes

Welche Risiken entstehen für Mutter und Kind?

Ist zu viel Zucker im mütterlichen Stoffwechsel vorhanden, steigt das Risiko der Mutter, zu hohen Blutdruck zu bekommen. Daraus kann sich eine schwere Krankheit entwickeln: eine Präeklampsie. Dies kann lebensbedrohlich werden. Betroffene Frauen haben durch den erhöhten Insulinbedarf ein generell höheres Infektionsrisiko. Und diese Entzündungen, etwa im Harnwegsbereich, können zur Frühgeburten oder frühzeitigen Wehen führen.

Für das Baby bedeutet ein unerkannter Diabetes ein besonderes Risiko. Zum einen wird der Mutterkuchen nicht optimal durchblutet, zum anderen muss die Bauchspeicheldrüse des Ungeborenen muss mehr Insulin bilden, damit der hohe Blutzucker des mütterlichen Organismus verarbeitet werden kann. Dieses Insulin sorgt dafür, dass beim Kind das Wachstum des Fettgewebes angeregt wird – und das Kind oft sehr schwer wird. Dadurch wird die Geburt häufig komplizierter. Babys von an Schwangerschaftsdiabetes erkrankten Müttern, deren Erkrankung nicht behandelt wird, sind häufig unterzuckert und leiden oft unter einer Neugeborenen-Gelbsucht, da sie mit einem höheren Anteil an rotem Blutfarbstoff geboren werden. Dieser schwere Start ins Leben führt auch zu einem erhöhten Risiko einer Zuckererkrankung.

Wie häufig ist die Erkrankung?

Bei rund vier Prozent aller Schwangeren wird ein Gestationsdiabetes festgestellt – dass die Zahlen steigen, liegt daran, dass die Untersuchung erst seit Anfang 2012 eine Kassenleistung bei jeder Schwangeren ist. Liegt kein besonderes Risiko vor, wird der Glucosetoleranztest (oGTT) zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswochen gemacht, und gibt es vorher schon Hinweise auf eine mögliche Erkrankung, wird der Test früher vorgenommen.

Symptome einer Schwangerschaftsdiabetes

Woran können Schwangere merken, dass sie unter dieser Stoffwechselstörung leiden? Schwangere können kaum merken, dass ihr Stoffwechsel nicht wie gewohnt funktioniert, da sie meist keine Beschwerden haben. Anzeichen eines Schwangerschaftsdiabetes kann sehr starker Durst und ein häufiger Harndrang sein, doch beides ist beim Schwangerschaftsdiabetes oft nicht sehr ausgeprägt. Ein Alarmzeichen kann ein besonders starkes Wachstum des Babys sein.

Es gibt einige bekannte Risikofaktoren, die den Blutzuckerspiegel steigen lassen. Dann sollte bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel darauf geachtet werden, ob ein Gestationsdiabetes vorliegt. Dies sind vor allem:

      • Ein Body-Mass-Index vor der Schwangerschaft von mehr als 30 kg/m2
      • Diabeteserkrankungen in der Familie
      • Ein Schwangerschaftsdiabetes in einer früheren Schwangerschaft
      • Ein erstes Kind, das über 4500 Gramm wog
      • Drei oder mehr Fehlgeburten
      • Bekannte Stoffwechselprobleme
      • Polyzystisches Ovarsyndrom
      • Bluthochdruck

Ernährung – wie wird Schwangerschaftsdiabetes therapiert?

Ist die Krankheit erkannt, lässt sie sich gut behandeln. Die meisten Frauenärzte werden Betroffene zu einer speziellen Ernährungsberatung überweisen. Ausgebildete Diabetesberater können wertvolle Tipps geben und einen Ernährungsplan aufstellen, denn es kommt nicht nur darauf an, Süßes zu vermeiden, damit der Blutzuckerspielge nicht steigt, sondern auf eine ausgewogene gesunde Ernährung ohne zu viel Fett und zu viel Zucker.

Besonders wichtig ist auch der bewusste Umgang mit kohlenhydratreichen Lebensmitteln wie Brot, Nudeln, Müsli, Gebäck, Chips und Müsli. Sie haben einen starken Einfluss auf den Zuckergehalt im Blut. Wichtig für den Stoffwechsel ist außerdem ausreichende Bewegung und sanfter Sport, wie Gehen, Radfahren und Schwimmen.

Was, wenn Ernährung und Sport nicht dafür sorgen, dass sich der Stoffwechsel normalisiert?

Ist der Blutzucker trotz viel Sport und guter Ernährung noch immer zu hoch, wird der Arzt abwägen müssen, ob eventuell Insulinspritzen nötig sind – dies betrifft etwa 20 bis 30 Prozent aller Frauen mit einem Gestationsdiabetes. Dem Ungeborenen schadet das Spritzen von Insulin in so einem Fall nicht, denn Insulin gelangt nicht in die Plazenta. Bei den synthetischen Nachbildungen des Hormons, den so genannten Insulin-Analoga gibt es keine Erfahrungswerte, wie sich diese auf das Kind auswirken, daher werden diese in der Schwangerschaft nicht angewendet.

Viel Bewegung bei Schwangerschaftsdiabetes (© Thinkstock)

Viel Bewegung bei Schwangerschaftsdiabetes (© Thinkstock)

Risikoschwangerschaft mit Gestationsdiabetes

Mütter mit Schwangerschaftsdiabetes gelten als Risikoschwangere. Die Schwangerschaft wird vom Frauenarzt eng betreut und vor allem auf das Wachstum und die Entwicklung des Kindes wird besonders aufmerksam geachtet. Bei der Vorstellung in einer Geburtsklinik sollte die Erkrankung am besten sofort angesprochen werden und ein Krankenhaus mit einer angeschlossenen Kinderklinik ausgewählt werden, damit das Neugeborene optimal versorgt werden kann. Bei insulinbehandelten Schwangeren ist dies sogar Pflicht.

Wie hoch ist das Risiko einer Schwangerschaftsdiabetes bei einem weiteren Kind?

Frauen, die in einer Schwangerschaft einen Diabetes hatten, haben eine 40-prozentige Wahrscheinlichkeit auch beim nächsten Kind wieder diese Erkrankung zu bekommen. Vorbeugende Maßnahmen sind kaum möglich, allerdings senken viel Bewegung, ein möglichst normales Körpergewicht und eine ausgewogene Ernährung das Risiko einer Erkrankung.

Mehr Informationen: Leitlinie für Patientinnen, Schwangere und Interessierte zuDiagnostik, Behandlung u.Nachsorge der Deutschen Diabetes‐Gesellschaft(DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie undGeburtshilfe (DGGG)