Nub-Theorie: Geschlechterbestimmung per Ultraschall

Es ist wohl die schönste Frage, die sich werdende Eltern in der Schwangerschaft stellen: Wird es ein Mädchen oder ein Junge? Bei jedem Ultraschalltermin hoffen Schwangere, einen Blick auf das Geschlecht erhaschen zu können. Mit der Nub-Theorie können erfahrene Ärzte das Geschlecht schon in der 12. Schwangerschaftswoche (SSW) erkennen.

Die Spannung steigt: Mädchen oder Junge? Die meisten Eltern können es nicht erwarten, das Geschlecht ihres Kindes zu erfahren. Genetisch steht bereits ab der 3. SSW fest, ob es ein Mädchen oder Junge wird. Eine zuverlässige Aussage kann der Frauenarzt in der Regel bei einer großen Ultraschalluntersuchung im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge treffen. Zwischen der 19. SSW und der 22. SSW wissen die meisten Eltern, was es wird. Aber auch nur, wenn das Baby zeigefreudig ist. Immer wieder berichten Schwangere davon, dass sich ihre Babys erst ganz spät „geoutet“ haben. Dann steigt die Spannung bis ins Unermessliche. Mithilfe der Nub-Theorie können erfahrene Pränataldiagnostiker bereits beim Erstsemesterscreening, welches zwischen der 12. SSW und 14. SSW stattfindet, das Geschlecht erkennen. Aber wie zuverlässig ist diese Methode?

Wie funktioniert die Nub-Theorie?

Der englische Begriff „Nub“ bedeutet übersetzt „Stummel“. Die äußeren Geschlechtsorgane unterscheiden sich in den ersten Schwangerschaftswochen nicht voneinander. Beide Geschlechter haben anfangs einen Stummel, der sich im weiteren Verlauf zu einem Penis und Hodensack oder zu Schamlippen und Klitoris weiterentwickelt. Ab der 9. SSW entwickeln sich die inneren und äußeren Geschlechtsmerkmale, sodass eindeutiger wird, ob es sich um ein Mädchen oder Jungen handelt. Im Ultraschall kann der Arzt während des Ersttrimester-Screenings den Stummel sehen und mit einer mathematischen Berechnung eine Einschätzung des Geschlechts vornehmen. Dafür ist der Winkel zwischen dem Nub und der unteren Wirbelsäule ausschlaggebend.

Nub-Theorie: Geschlechterbestimmung per Ultraschall (© Getty Images)

Nub-Theorie: Geschlechterbestimmung per Ultraschall (© Getty Images)

Wie sicher ist die Nub-Theorie?

Die Trefferquote liegt bei etwa 50 Prozent, wenn der Frauenarzt die Ultraschalluntersuchung um die 12. SSW durchführt. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft steigt die Wahrscheinlichkeit das Geschlecht richtig vorherzusagen weiter an. So liegt die Trefferquote in der 14. SSW schon bei über 80 Prozent. Gar nicht so schlecht, oder? Damit ein Frauenarzt das Geschlecht mit der Nub- Theorie allerdings bestimmen kann, benötigt er ein hochauflösendes Ultraschallgerät und Erfahrung bei der Geschlechterbestimmung. Auch das Baby muss mitspielen, denn es sollte bei der Untersuchung auf dem Rücken liegen.

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So verhalten sich die Berechnungen nach der Nub-Theorie:

Dann wird es ein Junge: Bei Jungen ragt der Nub tendenziell nach oben und besitzt zur Wirbelsäule gesehen einen Winkel von mehr als 30 Grad.

Dann wird es ein Mädchen: Der Nub zeigt bei Mädchen etwa in dieselbe Richtung wie der untere Teil der Wirbelsäule oder besitzt maximal einen Winkel von 30 Grad.

Aber nicht jeder Arzt verfügt über ausreichend Erfahrung in dieser frühen Form der Ultraschalldiagnostik. Eine Ultraschall-Zertifizierung sorgt für eine ausreichend professionelle Ausbildung. Pränataldiagnostiker haben ein besonders geschultes Auge.

Warum darf der Frauenarzt das Geschlecht nicht frühzeitig bekannt geben?

Verständlich, dass Eltern das Geschlecht so früh möglich erfahren möchten. Die ersten Wochen müssen sich Eltern jedoch mit ihrer Vorfreude begnügen. In Deutschland gibt es klare Regeln, wann ein Arzt das Geschlecht bekannt geben darf und das mit gutem Grund. Erst nach der 12. SSW darf ein Arzt laut des deutschen Gendiagnostikgesetzes (GenDG) Eltern über das Geschlecht informieren.

Junge oder Mädchen - Geschlechtsbestimmung mit Nup Theorie beim Ultraschall (© Getty Images)

Junge oder Mädchen – Geschlechtsbestimmung mit Nup Theorie beim Ultraschall (© Getty Images)

Das heißt im Klartext: Eltern müssen sich fast das gesamte erste Trimester, welches bis zur 13. SSW reicht, gedulden. In der Regel erfahren Eltern ab der 14. SSW, ob sie sich auf einen Jungen oder ein Mädchen freuen dürfen. Ausnahmen gibt es natürlich auch, zum Beispiel wenn Babys sich weigern ihren Schritt zu zeigen oder sehr zappelig sind. Aber warum wird der Arzt gesetzlich dazu verpflichtet, bis einschließlich der 12. SSW Stillschweigen über das Geschlecht des Babys zu bewahren? Dieses Vorgehen soll Abtreibungen verhindern, die durchgeführt werden, weil das gewünschte Geschlecht nicht vorliegt. Straffrei ist eine Abtreibung bis zur 12. SSW in Deutschland möglich. Ist dieser Zeitpunkt vorbei, dürfen Ärzte das Geschlecht offiziell bekannt geben.

Am Ende ist es so wie mit allen Theorien zur Geschlechtsbestimmung: Was es wirklich wird, weiß man zu 100% erst nach der Geburt. Trotzdem liefert die Nub- Theorie interessante neue Ansatzpunkte, um der Frage auf den Grund zu gehen: Wird es ein Mädchen oder Junge? Letztendlich zählt aber nur, dass das Baby gesund und munter auf der Welt begrüßt werden kann, nicht wahr?

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