Listerien – wie gefährlich sind sie für Schwangere und Kinder?

Ein Reibekäse wird wegen Listerien zurückgerufen. Wo kommen diese Bakterien vor, für wen kann eine Infektion gefährlich werden, wie ist sie zu vermeiden und was Sie bei Verdacht auf Listerien tun können.

Viele Schwangere und Eltern haben gelesen und gehört, dass in vielen Supermärkten geriebener Käse verkauft wurde, der nun wegen des Befalls von Listerien vom Hersteller zurückgerufen wurde. Welche Produkte genau betroffen sind, können Sie hier lesen.

Was sind Listerien – und wie werden die Erreger übertragen?

Listerien sind weit verbreitete Bakterien, die in geringer Menge in rohen Tierprodukten wie Milch, Käse oder Fleisch, aber auch in geräuchertem Fisch vorkommen können. Während der Lagerung und Verarbeitung der Produkte kann es zu einer Vermehrung dieser Keime kommen. Besonders anfällig sind weiche Käsesorten, vor allem solche mit weißem oder rotem Schimmel, vakuumverpackte Fleischerzeugnisse, vorgefertigter Reibekäse, Frischkäse, die in offenen Gefäßen aufbewahrt werden, Räucherfisch und abgepackten Salate.

Listerien - anfällig für hohe Werte bei abgepackten Salaten, Reibekäse, Räucherfisch, rohen Tierprodukten (© Thinkstock, Symbolfoto)

Listerien – anfällig für hohe Werte sind abgepackte Salate oder Reibekäse, Räucherfisch, rohe Tierprodukte, Rohmilch- und Schimmelkäse (© Thinkstock)

Auch unhygienische Handhabung von leicht verderblichen Lebensmitteln im Haushalt kann dafür sorgen, dass sich Listerien vermehren. Sind besonders viele Listerien in einem Lebensmittel, kann dies gefährlich werden, denn wenn die betroffenen Produkte gegessen werden, gelangen die Keime in den Körper. Dort können sie dafür sorgen, dass der Mensch erkrankt.

Nur eine bestimmte Art dieser Bakterien (Listera monocytogenes) birgt für Menschen tatsächlich die Gefahr, an einer so genannten Listeriose zu erkranken.

Wie verläuft die Erkrankung?

Die meisten Menschen merken nicht, dass Listerien dafür gesorgt haben, dass sie eine Infektion haben. Ist ihr Immunsystem gut, zeigen sich oft nur schwache Symptome, die ähnlich wie eine leichte Grippe wirken. Typisch sind mäßiges Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Auch Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall und Erbrechen sind möglich. Die ersten Anzeichen der Krankheit zeigen sich meist bis zu drei Tage nach Aufnahme der Listerien. Die Krankheit kann aber auch erst ein paar Wochen später, nach einer Inkubationszeit von bis zu 70 Tagen, ausbrechen.

Wer ist besonders gefährdet?

Für Kleinkinder, Schwangere, Ältere und Menschen mit geschwächten Immunsystem kann eine Listeriose lebensgefährlich werden. Bei ihnen kann die Erkrankung schwer verlaufen, dann sind die Symptome sind besonders stark und eitrige Entzündungen, wie Gehirnhautentzündung, Gehirnentzündung oder Blutvergiftungen können sich entwickeln. Für Kleinkinder gelten daher die gleichen Ernährungsempfehlungen wie für Schwangere.

Listerien können besonders für Schwangere, Babys, Kinder und ältere Menschen gefährlich werden (© Thinkstock)

Listerien können besonders für Schwangere, Babys, Kinder und ältere Menschen gefährlich werden (© Thinkstock)

Welches Risiko gibt es für Schwangere und für ihr Kind?

Die Abwehrkräfte von schwangeren Frauen sind verringert, daher ist das Risiko einer Schwangeren eine Listerieninfektion zu bekommen, sehr viel höher. Die Krankheit selbst verläuft bei den werdenden Müttern aber sehr selten schwer.

Für das ungeborene Kind können die Erreger allerdings gefährlich werden. Ab der fünften Schwangerschaftswoche sorgen Listerien für ein höheres Fehlgeburtsrisiko. Im letzten Schwangerschaftsdrittel und bei der Geburt können die Keime auch direkt auf das Kind übertragen werden. Bis zu zehn Tage nach der Geburt können sich Neugeborene bei ihrer Mutter infizieren.

Eine Neugeborenenlisteriose ist in Deutschland meldepflichtig. Es gibt zwei verschiedene Ausprägungen: In der Frühform haben die Babys in der ersten Lebenswoche Atemprobleme, Krampfanfälle und oft so schwere Entzündungen, dass diese lebensbedrohlich sind. In der Spätform der Erkankung tritt in der zweiten Lebenswoche eine Gehirnhautentzündung auf, die ebenfalls gefährlich ist, oft aber behandelt werden kann. Bei einem Verdacht sollte Eltern sofort einen Arzt hinzuziehen.

Wie kann die Krankheit erkannt werden?

Eine Infektion mit Listerien kann mit Hilfe von Blut- und Urintests nachgewiesen werden. Schwangere Frauen, die fürchten erkrankt zu sein, sollten sich an ihren Gynäkologen wenden. Bei frühzeitiger Erkennung kann gut behandelt werden.

 Listerien - elektronenmikroskopische Aufnahme von Listeria monocytogenes. © Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Braunschweig.

Listerien – elektronenmikroskopische Aufnahme von Listeria monocytogenes. © Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Braunschweig.

Wie häufig ist eine Listeriose?

Auch wenn Produkte vom Hersteller aus dem Handel genommen werden – das ist meist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Das Robert-Koch-Institut hat Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass Listeriosen eher selten sind. In den Jahren 2001 bis 2009 sind insgesamt 3.090 Listeriosen gemeldet wurden. Das sind pro Jahr im Durchschnitt bundesweit 343 Fälle und entspricht 0,4 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Acht Prozent der Erkrankten waren Neugeborene, das entspricht jährlich 3,7 Erkrankungen pro 100.000 Neugeborener.

Welche Möglichkeiten zur Vorbeugung gibt es?

Gegen Listeriose gibt es keine Impfung. Der beste Schutz sind Hygiene und Erhitzen, dies gilt auch für andere mögliche Erreger in Lebensmitteln, daher gelten für Schwangere auch besondere Hinweise bei der Ernährung. Die Bakterien sterben bei hohen Temperaturen ab, daher reichen schon zwei Minuten Erhitzen bei über 70° Grad. Lebensmittel, die von Tieren stammen, sollten so kurz wie möglich gelagert werden und nie nach dem Ablauf des angegebenen Verbrauchsdatums verzehrt werden.

Schwangere und kleine Kinder sollten aus Schutz generell auf folgende Lebensmittel verzichten:

  • Rohfleischerzeugnisse (z. B. Hackepeter, Tartar) und Rohwurst (z. B. Salami, Teewurst),
  • roher Fisch, geräucherte und marinierte Fischerzeugnisse (Räucherlachs)
  • vorgeschnittene verpackte Blattsalate
  • Salate aus der offenen Salattheke
  • Rohmilch und Rohmilchprodukte, insbesondere Rohmilchkäse
  • vorgefertigter Reibekäse
  • Käse mit Oberflächenschmiere wie Limburger, Korbkäse oder Harzer Roller
  • Antipasti oder Weichkäse aus offenen Gefäßen

Mehr Informationen zum Schutz vor lebensmittelbedingten Infektionen mit Listerien bieten die Merkblätter des Bundesinstitut für Risikobewertung

Sehr informativ für Schwangere ist auch die Broschüre des aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V. „Schützen Sie sich vor Lebenmittelinfektionen in der Schwangerschaft:“ (Kostenlose Bestellung oder als Download)

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