Zika-Virus: WHO ruft globalen Gesundheitsnotstand aus

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Auch in Deutschland wurden Zika-Erkrankungen bestätigt. Experten erklären, was das für Schwangere und Ungeborene bedeutet.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat einen globalen Gesundheitszustand ausgerufen und es wird von ersten Zika-Virus Fällen in Deutschland berichtet. Besteht jetzt Grund zur Sorge bei uns?

Tatsächlich breitet sich Zika-Viren in Amerika rasant aus. In Brasilien wurden seit Oktober 2015 mehr als 11.000 Ansteckungen mit dem Erreger nachgewiesen. Übertragen werden Sie von der Gelbfiebermücke Aedes aegypti und verursachen grippeähnliche Symptome wie Gelenkschmerzen, Bindehautentzündungen und Fieber. Lebensbedrohlich ist die Infektion nicht.

Die Viren stehen aber in Verdacht, schwere Fehlbildungen bei Ungeborenen –  vor allem Mikrozephalie zu verursachen.  Die betroffenen Neugeborenen kommen mit einem zu kleinen Schädel auf die Welt und sind oft auch geistig behindert. Für Mikrozephalie gibt es aber auch andere Ursachen, etwa Chromosomenbesonderheiten, Alkoholmissbrauch oder Röteln während der Schwangerschaft. Die Erkrankung ist selten, aber es gibt sie auch in Deutschland, etwa 1,6 von 1.000 Neugeborenen sind statistisch gesehen betroffen.

Die Gefahr des Zika-Virus ist in Deutschland gering © Thinkstock

Die Gefahr des Zika-Virus ist in Deutschland gering © Thinkstock

Zika-Viren in Deutschland

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg hat der dpa bestätigt, dass eine Zika-Virus Erkrankung aufgetreten ist. Insgesamt wurden bisher fünf Fälle bekannt. Bei allen Betroffenen handelt zurückgekehrte Reisende, die in Südamerika waren. Genau Zahlen sind aber nicht bekannt, da laut dem RKI in Deutschland keine gesetzliche Meldepflicht für Zikavirus-Infektionen bestehe. Alle Erkrankten sind mittlerweile wieder gesund.

Für Schwangere in Deutschland besteht keine Gefahr, das bestätigen Prof. Annegret Geipel und Dr. Holger Stephan von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). Denn das Virus wird von einer speziellen Mücke übertragen.  Zwar wurde ein erster Fall einer Mensch zu Mensch in Florida dokumentiert, aber das ist ein Einzelfall und noch nicht bestätigt.

Die für die Übertragung des Virus verantwortliche Mückenart gibt es in Deutschland nicht. Eine andere Mückenart, von der noch nicht bekannt ist, ob sie das Virus überträgt – die Asiatische Tigermücke – kommt bisher nur sehr selten in Süddeutschland vor. Doch diese Mückenart ist sehr selten und müsste sich erst anstecken. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering.  „In Deutschland wird bislang kein Risiko für eine Ansteckung gesehen“, so das Robert-Koch Institut (RKI).

Auch wenn bei uns die Gefahr gering ist, zur Zeit breitet sich das Virus stark aus,  über 20 Ländern in Mittel- und Südamerika sind betroffen, meist sind es Länder mit tropischen oder subtropischen Gebieten. Schwangere müssen nicht auf Reisen verzichten, sollten sich aber gut erkundigen.  „Wir empfehlen Schwangeren grundsätzlich, sich vor einer Reise medizinisch beraten zu lassen,“ sagt Prof. Geipel. „Wenn schwangere Frauen bereits in betroffenen Gebieten unterwegs waren, sollten sie ihren Frauenarzt bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung darauf hinweisen.“ Eine generelle Reisewarnung spricht die DGGG nicht aus.

Ausbreitung des Zika-Virus /Stand 4. 2 .2015 © European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC)

Ausbreitung des Zika-Virus /Stand 4. 2 .2015 © European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC)

Was bedeutet es, wenn sich eine schwangere Frau mit dem  Zika-Virus ansteckt?

Genau diese Frage möchte die WHO klären. Der globale Gesundheitsnotstand wurde auch ausgerufen, weil vieles noch sehr unerforscht ist.  In welchem ganz genauen Zusammenhang steht die Behinderung? Nicht alle Kinder von erkrankten Müttern kommen krank zu Welt. Viele der Fälle von behinderten Kinder sind noch nicht ausreichend dokumentiert und bestätigt.

Mit dem Ausruf einer „Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ (public health emergency of international concern – PHEIC) soll der  mögliche Zusammenhang mit Mikrozephalie-Fällen bei Neugeborenen und anderen neurologischen Erkrankungen erforscht werden. Ein PHEIC ist in den internationalen Gesundheitsvorschriften der WHO definiert als ein außergewöhnliches Ereignis, das sich international ausbreiten und so auch für andere Länder ein gesundheitliches Risiko darstellen könnte und das daher Maßnahmen in den betroffenen Ländern und eine international abgestimmte Vorgehensweise erfordert. Laut RKI geht die WHO davon aus, dass sich das Zikavirus in weiteren Ländern der Tropen und Subtropen ausbreiten könnte.“Für Deutschland hat die Ausrufung des PHEIC keine direkten Folgen.“

Mehr Informatinen zum ZKI-Virus auf der Seite des RKI (www.rki.de/zika) und bei reisemedizinischen Beratungsstellen (Übersicht unterwww.rki.de/reise).

 

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