Neue Studie: Zu viel Förderung kann Kindern schaden

Vielen Eltern wollen ihre Babys und Kinder beim Lernen fördern. Spezielle Baby- oder Kinderkurse sollen die Kleinen in ihrer Entwicklung unterstützen. Doch für das kindliche Gehirn kann zuviel Förderung auch negative Auswirkungen haben.

Kinder, die von ihren Eltern vernachlässigt werden, hinken in der Entwicklung mit Gleichaltrigen oftmals zurück. Von Vernachlässigung kann man schon sprechen, wenn Eltern die Signale des Kindes ignorieren und sich nicht mit ihm beschäftigen. Dem kindlichen Gehirn fehlt dann der nötige Input, um sich ausreichend entwickeln zu können. Das andere Extrem von Vernachlässigung heißt Überforderung.

Gerade gebildete Eltern neigen dazu, ihre Kinder zu überfordern. Forscher der Yale Universität in den USA haben nun in einer Studie herausgefunden, dass eine kognitive Überforderung für Kinder genauso schädlich sein kann wie eine Vernachlässigung. Ihre Studien führten die Wissenschaftler an Babymäusen durch, die Ergebnisse seien aber auch auf den Menschen übertragbar.

Neue Studie: Zu viel Förderung kann Kindern schaden (© Thinkstock)

Neue Studie: Zu viel Förderung kann Kindern schaden (© Thinkstock)

Von Geburt an werden im Gehirn des Menschen neue Verknüpfungen angelegt, die erst in der Pubertät neu strukturiert werden. Wie die Verzweigungen im Gehirn aufgebaut sind, steht dabei in direktem Zusammenhang mit den Einflüssen, die das Gehirn in der Zeit der Kindheit verarbeiten musste. Viele Eltern möchten deshalb ihr Kind gezielt fördern; sie melden ihre Kinder bei verschiedenen Kinderkursen an oder sind von Lieder- und Sprachprogrammen überzeugt.  

All die Bildungsprogramme seien aber gar nicht notwendig, so Jaime Grutzendler, Professor für Neurologie und Neurobiologie von der Yale University. Im Gegenteil: durch die ständige Überforderung des Gehirns würden Eltern den gleichen Effekt erzielen, als würden sie ihr Kind vernachlässigen.

Bei ihren Untersuchungen mit Mäusen stellten die Forscher fest, dass die Lernfähigkeit der Mäuse nach drei Wochen Reizüberflutung rapide abnahm. Überträgt man diese Erkenntnis auf den Menschen, würde das bedeuten, dass selbst eine vorübergehende Reizüberflutung das Gehirn und seine Leistungsfähigkeit auf längere Sicht beeinträchtigen könnte.

Der Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Rainer Gillessen rät in seinem Buch „300 Fragen zum Baby“ zu mehr Gelassenheit im Hinblick auf die Förderung von Kindern: „Wer die Grenzen und Entwicklungsschritte seines Kindes selbst bestimmen will, vergisst, dass das menschliche Gehirn eigenen Gesetzen folgt. Lassen Sie Ihrem Kind Zeit zur Entwicklung und fordern Sie keine Leistungen, die es nur schwer oder gar nicht bewältigen kann. Sie würden nicht seine Intelligenz, sondern Verhaltensstörungen fördern.“