Vertrauliche Geburt: Neues Gesetz soll Kindern und Müttern helfen

Fälle von Kindstötung erschüttern immer wieder. Ein neues Gesetz zur „vertraulichen Geburt“ soll nun Müttern in Not helfen und Leben von Kindern retten.

Ungewollte Schwangerschaften können Frauen in Notsituationen bringen. Immer wieder sind erschütternde Fälle von Kindstötungen zu lesen, so steht zur Zeit eine 20-Jährige in Regensburg vor Gericht, die im letzten Jahr ihren neugeborenen Jungen umgebracht haben soll. Hatte die damals 18-Jährige keinen anderen Ausweg gesehen?

Solche Taten soll nun ein neues Gesetz, das am 1. Mai 2014 in Kraft getreten ist, verhindern. Bereits im letzten Jahr hatten Bundestag und Bundesrat das Gesetz über die „vertrauliche Geburt“ verabschiedet. Das Gesetz soll Schwangeren in Not Hilfe in der Krise anbieten. So können werdende Mütter nun ihr Kind vertraulich – auch unter einem angenommen Namen – in jeder Klinik zur Welt bringen können. Ihr wahrer Name soll von einer Beratungsstelle aufgenommen werden und wird dann versiegelt beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben hinterlegt. Ein Jahr lang hat die Mutter Zeit sich zu überlegen, ob die Entscheidung, das Baby abzugeben, richtig war. Solange erlauben die Gerichte in der Regel keine Adoption eines „vertraulich“ geborenen Babys. Sollte das Kindswohl nicht gefährdet sein, erhält kann die innerhalb dieses Jahres Mutter das volle Sorgerecht erhalten. Sie kann sich auch für eine offene Adoption entscheiden, bei der das Kind sie kennt.

Möchte die Mutter weiterhin das Kind nicht haben, kann sie anonym bleiben. Ist das Kind 16 Jahre alt , kann es dann auf eigenen Wunsch erfahren, wer seine Mutter ist. Möchte diese allerdings auf keinen Fall, dass ihr Kind ihrere Identität erfährt, muss ein Gericht entscheiden, wessen Bedürfnis höher zu werten ist: Das der Mutter unbekannt zu bleiben oder das des Kindes mehr über die eigene Herkunft zu erfahren.

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Neues Gesetz zur vertrauelichen Geburt(© Photodisc)

Neues Gesetz zur vertraulichen Geburt soll Kinder schützen (©Photodisc)

„Keine Frau in Deutschland muss ihr Kind heimlich und alleine zur Welt bringen“, hat  Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) erklärt, die sich für das neue Gesetz stark machte. Doch Kritiker bemängeln einiges. Denn die Möglichkeit ein Baby ohne Angaben zur eigenen Person zu machen gibt es schon seit einigen Jahren. Etwa 130 Krankenhäuser in Deutschland bieten eine anonyme Geburt. Zudem gibt es über 100 Babyklappen. Ob das neue Angebot wirklich mehr Hilfe bringt, wird angezweifelt.

Es werden jährlich zwischen 20 und 35 Kinder direkt nach Geburt ausgesetzt oder getötet. Genaue Zahlen gibt es nicht. Auch nicht darüber, wie viele Frauen heimlich entbinden und ihr eigenes und das Leben des Kindes zu gefährden.Eine Studie vom Deutschen Jugendinstituts (DJI) gibt an, dass zwischen 1999 und 2010 circa 1000 Kinder in eine Babyklappe gelegt oder anonym geboren wurden.

Das neue Gesetz über die vertrauliche Geburt bietet vor allem eines –  eine bundeseinheitliche Gesetzesregelung, die es Helfern leichter macht, die Frauen zu unterstützen. Gleichzeitig soll frühe Beratung und die Zusicherung von Vertraulichkeit verzweifelten Frauen helfen.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat seit dem 1. Mai die Internetseite www.geburt-vertraulich.de ins Netz gestellt. Telefonische Hilfe für verzweifelte Schwangere wird  kostenlos unter Tel.: 08 00/ 4 04 00 20 angeboten. Auf Wunsch auch in anderen Sprachen.

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