USA: zehn Kinder sterben nach Einnahme von Globuli

Weil ihre Kinder Problem mit dem Zähne kriegen hatten, gaben Eltern in den USA homöopathische Tabletten. Doch der Wirkstoff der Tollkirsche hat schwere Nebenwirkungen. Behörden untersuchen nun mehr als 400 Fälle, zum Teil mit Todesfolge.

Zähne zu bekommen ist für Babys und Kleinkinder oft schmerzhaft. Ihre Eltern möchten das Leid lindern und das auf möglichst sanfte Art. Statt zum Schmerzmittel greifen viele daher auf homöopathische Arzneimittel zurück. Denn die, so glauben viele, könnten ja keinesfalls schaden. Die kleinen Kügelchen und stark verdünnten Tropfen gelten als harmlos und arm an Nebenwirkungen.

Untersuchungen aus den USA zeigen allerdings, dass auch bei diesen Arzneien durchaus Vorsicht angebracht ist. Tatsächlich hat die amerikanische Arzneimittelsicherheitsbehörde FDA hat eine Warnung für homöopathische Präparate herausgegeben, die gegen Beschwerden von zahnenden Kleinkindern helfen sollen. Diese „Teething Tablets“ sollen vom Hersteller zurück gerufen werden. Die US-Behörde überprüft aktuell, ob die Tabletten für den Tod von zehn kleinen Kindern verantwortlich sind. Hergestellt werden die Tabletten auf Basis der Schwarzen Tollkirsche (Belladonna), ein schon im Mittelalter bekanntes Gift. Bei der Homöopathie werden die Wirkstoffe der Giftpflanze aber so stark verdünnt, dass sie allerdings nicht oder nur in winzigen Mengen nachweisbar sein sollten. Doch das war in den USA nicht der Fall.

„Die Reaktion von Kindern unter zwei Jahren auf die Inhaltsstoffe der Schwarzen Tollkirsche sind unvorhersehbar und stellen ein unnötiges Risiko für Babys und Kleinkinder dar“, sagt Janet Woodcock von der FDA. Der Behörde könne zudem keinen gesundheitlichen Nutzen der Tabletten bekannt. Ein Vater hatte die Behörde auf die Zahn-Globuli aufmerksam gemacht, nach dem sein Kind mit epileptischen Anfällen in die Klinik kam. Das FDA entdeckte 400 weitere Fälle von starken Nebenwirkungen – zehn der Kinder starben.

Die häufigsten Symptome der betroffenen Kinder seien Fieber, Lethargie,  Zittern, Krämpfe und Kurzatmigkeit – alles mögliche bekannte Wirkungen des Stoffes Atropin, der in Tollkirschen enthalten ist. Höhere Mengen können zu  Koma und Atemstillstand führen.

USA: Globuli gegen Zahnungsschmerzen nach Todesfällen in der Kritik (Symbolfoto ©Thinkstock)

USA: Globuli gegen Zahnungsschmerzen nach Todesfällen in der Kritik (Symbolfoto ©Thinkstock)

In Deutschland werden Produkte vor der Markteinführung überprüft

Auch in Deutschland gibt es homöopathische Arzneimittel, die ausdrücklich bei zahnenden Kindern verwandt werden. Sie basieren aber nicht auf der Tollkirsche. Es seien auf dem deutschen Markt keine Mittel, die denen in aus den USA ähneln, teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Anfragen des Spiegels mit.

In Deutschland wird – im Gegensatz zu den USA – vor der Markteinführung überprüft, ob die Produkte nach Rezepten der Homöopathie hergestellt wurden, also  tatsächlich stark verdünnt sind und die Produzenten die Unbedenklichkeit nachweisen können. Globuli sind nicht unumstritten, durch die massive Verdünnung sind kaum Wirkstoffe enthalten. Ob sie nur wegen des Placebo-Effektes helfen, wird ebenfalls debattiert.