Studie: Ist Mathematik-Talent doch angeboren?

US-amerikanische Neurowissenschaftler konnten nachweisen, dass bereits Babys ein Verständnis für Zahlen haben, noch bevor sie sprechen und zählen gelernt haben.

Mathematik ist jedem in die Wiege gelegt: Das vorsprachliche Zahlenverständnis von Babys lässt Rückschlüsse auf ihre mathematischen Leistungen im Kindergartenalter zu.

Zu diesem Ergebnis kommen die US-amerikanischen Neurowissenschaftler Ariel Starr, Melissa E. Libertus and Elizabeth M. Brannon, die ihre Ergebnisse unter dem Titel „Number sense in infancy predicts mathematical abilities in childhood“ vor kurzem im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlicht haben (doi: 10.1073/pnas.1302751110 PNAS October 21, 2013).

Respekt in der Schule

Neue Studie zur Entwicklung mathematischer Fähigkeiten beim Menschen veröffentlicht (© Panthermedia, Bild von Melinda Nagy)

Es ist wissenschaftlich unumstritten, dass Ausbildung und Umwelt mathematische Fähigkeiten beeinflussen. In einer bayerischen Langzeitstudie wurde zudem nachgewiesen, das Intelligenz nicht ausschlaggebend für gute Mathenoten ist, sondern vielmehr die Motivation zählt.

Die Neurowissenschaftler um Ariel Starr von der amerikanischen Duke University nun gingen der Frage nach, ob das Zahlenverständnis im Kindesalter eine Art konzeptionelle Vorstufe (kognitive Basis) sein kann, die für die Entwicklung mathematischer Fähigkeiten beim Menschen relevant ist.

Daher widmeten sich die Wissenschaftler dem Zahlenverständnis bei Kleinkindern. Für ihre Studie haben sie 48 Kinder erstmals im Alter von sechs Monaten mittels einfacher Bildschirmtests untersucht und ein zweites Mal die selben Kinder im Alter von 3,5 Jahren entsprechenden mathematischen Tests unterzogen.

Für die ersten Tests wurden den kleinen Probanden Bildschirme mit wechselnden Mustern schwarzer Punkte gezeigt. Während auf dem einen Monitor stets zehn Punkte aufflackerten, schwankte auf dem anderen die Anzahl zwischen zehn und zwanzig. Man erfasste die Blickrichtung der kleinen Probanden, denn Babys scheinen immer dort hinzublicken, wo das meiste passiert. Aus diesem Grunde folgerten die Neurowissenschaftler, dass Säuglinge, die sich vorwiegend für den Bildschirm mit der wechselnden Anzahl von Punkten interessierten, ein besseres Zahlenverständnis haben dürften.

In einer zweiten Testrunde drei Jahre später wurden diverse geistige Fähigkeiten geprüft. Hier zeigte sich, dass diejenigen Kinder, die in der ersten Runde ein besseres Zahlenverständnis bewiesen hatten, nun auch bessere Ergebnisse bei den mathematischen Aufgaben erzielten.

Daher könnte man ausgehend vom vorsprachlichen Zahlensinn der Babys auf ihre mathematischen Fähigkeiten im Kindergartenalter schließen, betonen Starr und Kollegen. Zudem werde damit die Hypothese gestützt, dass „Mathematik auf dem intuitiven Zahlensinn basiert, der noch vor der Sprache entwickelt wird.“

Die Arbeit von Ariel Starr und seinen Kollegen bietet die Möglichkeit, mit neuen pädagogischen Vermittlungsformen das Zahlenverständnis bei Kleinkindern zu verbessen, sogar noch vor dem Erlernen der Sprache und des Zählens selbst.