Strafen für Kinder: Pampers entschuldigt sich

Auszeiten als Strafe für Kinder? Der Windelhersteller sorgte am Wochenende mit einem Artikel für Entrüstung im Internet. Pampers entschuldigt sich bei Eltern.

Am Wochenende war das Entsetzen bei vielen Müttern und Vätern groß: Auf der Homepage von Pampers war ein Artikel mit dem Titel “Kinder richtig bestrafen: Auszeiten” zu lesen. Dort wo neben allgemeinen Ratschlägen und Produktempfehlungen eine bunte Palette an Lesematerial zu finden ist, schien der Windelhersteller zu kruden Erziehungsmethoden zu raten.

Schon die Überschrift löste Befremden aus. Müssen Kinder überhaupt gestraft werden? Im Text heißt es: “Auszeiten sind bei Kindern im Alter von etwa 18-24 Monaten bis ca. fünf Jahren sinnvoll.” Eltern wird geraten konsequent zu sein. Keinerlei Kommunikation dürfe stattfinden. “Die Auszeit ist als eine abgeschwächte Form von Isolation zu verstehen. Damit bringen Sie zum Ausdruck: „Wenn du das tust, gehörst du nicht dazu.“”

Elternbloggerin Aida S. de Rodriguez schreibt auf ihrem Blog dazu: “Es handelt sich also um eine Behandlung von Kindern, die auf Angst, Ausschluss, Willkür und somit auf Gewalt basiert. Ein Kind hat bei solch einer Botschaft schlicht panische Angst. Der Ausschluss des Kindes verstärkt außerdem in der Regel auch noch zusätzlich das unerwünschte Verhalten, denn das Kind fühlt sich zunehmend nicht gesehen.”

Inhaltlich kritisiert auch die Kinder- und Jugendpsychologin Gundula Göbel den Artikel: “Kinder brauchen Begleitung und Trost! Kinder wollen uns nicht ärgern, sondern es sind Hilferufe, weil ihre Grundbedürfnisse nicht beachtet wurden. Kleine Kinder haben noch kein Zeitgefühl und Minuten sind eine Ewigkeit. Das Zeitalter von Strafen muss vorbei sein.”

Der umstrittene Artikel  ©Screenshot/pampers.de

Der umstrittene Artikel ©Screenshot/pampers.de

Wie es zu so einem Artikel  kommen konnte, beschreibt die Familienfachautorin Nora Imlau in einem Statement bei  Facebook: ”

Bei dem Text handelt es sich um einen Auszug eines längeren Artikels, der ursprünglich in den USA in englischer Sprache erschien und nun ins Deutsche übersetzt wurde”. Es sei daher hilfreich, mehr über den kulturellen Hintergrund zu erfahren. “In den USA ist das Bild vom Kind nach wie vor sehr von der evangelikalen Vorstellung des ‘kleinen Sünders’ geprägt, die Aufgabe der Eltern ist diesem Bild zufolge das Kind mittels strenger, aber gerechter Disziplin auf den rechten Weg zu bringen. Im Namen dieser ‘Pflicht zur Disziplinierung’ greifen noch heute ca. 80 Prozent aller US-amerikanischen Eltern auf körperliche Züchtigungsmethoden, vor allem Schläge mit der Hand oder etwa mit dem Kochlöffel zurück. Dies gilt in den USA als elterliches Recht. Kinder zu schlagen ist also in den USA weder gesetzlich verboten noch gesellschaftlich geächtet.” Die Idee einer Auszeit sei vor diesem Hintergrund zu sehen: Es ginge darum, Eltern vom Schlagen ihrer Kinder abzubringen.”

Zusammenfassend schreibt Nora Imlau: “Dass uns der Artikel so übel aufstößt ist ein gutes Zeichen. Denn die große Empörung zeigt, dass unsere Bemühungen für einen bindungsorientierten Umgang miteinander Früchte tragen. Offensichtlich erkennen viele Menschen hierzulande auch die versteckte Gewalt in scheinbar liebevollen Erziehungsmethoden – das ist grossartig.

Die Firma Procter und Gamble hat sich mittlerweile entschuldigt.

Der umstrittene Beitrag wurde von der Seite entfernt, „da er als widersprüchlich zu unserem übergeordneten Ziel bei Pampers, Babies eine gesunde und glückliche Entwicklung zu ermöglichen, verstanden werden kann“, so Pressesprecherin Sandra Broich. „Die entstandene Irritation bedauern wir sehr und entschuldigen uns ausdrücklich dafür.“