Wie das Stillen die Gefühle von Müttern beeinflusst

Mütter, die ihr Baby oft stillen, reagieren stärker auf positive Gefühle wie Freude oder Glück. Negatives nehmen sie wenig wahr. Forscher können dieses Phänomen erklären.

Die vielen Vorteile des Stillens sind bekannt. Es ist viel mehr als nur Nahrungsaufnahme. Für die Gesundheit der Stillenden und ihres Babys  und für eine intensive Mutter-Kind-Bindung wird das Stillen verantwortlich gemacht.

Doch welche Auswirkungen hat das Stillen auf die Gefühle der Mutter? Das untersuchte nun ein Team des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob und wie das Stillen die Wahrnehmung von Emotionen beeinflusst. „Mütter berichten in diesem Zusammenhang von weniger Stress, selteneren negativen Stimmungen oder Ängsten“, erklärt Kathleen Krol, die bei der Studie mitarbeitete.

Natürlich Stillen - gut für Mutter und Kind

Natürlich Stillen – für Mutter und Kind besonders gesund © Thinkstock

Die mehr als 60  Mütter, die an der Studie teilnahmen, hatten Babys im Alter zwischen fünf und sieben Monaten. Zunächst wurden mit einen Fragebogen die Häufigkeit und der Anteil der täglichen Stillmahlzeiten erfasst. Auch das Temperament und die Empathie der Mutter wurden in der Studie bedacht.

In der Untersuchung mussten die Frauen sich Bilder anschauen. Zu sehen waren Fotos von zwölf Schauspielern mit einem neutralem Gesichtsausdruck. In wenigen Sekunden änderte sich der Gesichtsausdruck auf dem Bildschirm in Ärger, Freude, Angst, Traurigkeit oder Ekel. Die Frauen erhielten die Anweisung, auf eine Taste zu drücken, sobald sie eine veränderte Emotion auf den Gesichtern zu erkennen glaubten. Die Forscher stoppten dabei, wie lange es dauerte, bis die Frauen eine veränderte Emotion wahrnahmen.

Das Ergebnis: Frauen, die ihr Kind sehr häufig stillten, reagierten schneller auf fröhliche Gesichtsausdrücke. Auf negative Emotionen reagierten sie dagegen langsamer. Die Wissenschaftler schlossen aus diesen Beobachtungen, dass stillende Frauen empfindlicher für positive Signale und gleichzeitig resistenter gegenüber aggressiven Signalen sind.

„Zu vermuten ist, dass hierbei das Hormon Oxytocin eine besondere Rolle spielt“, erklärt Krol. Bereits frühere Studien zeigten, dass das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin eine positive Wirkung auf die emotionale Verarbeitung bewirke. Allerdings bräuchte es, so Krol weiter, „mehr systematischer Untersuchungen um zu verstehen, was genau die in der Studie belegten Effekte verursacht.“ In weiteren Untersuchungen sollen deshalb hormonelle, genetische und hirnphysiologische Einflüsse untersucht werden, um die Ergebnisse der aktuellen Studie weiter zu erklären.

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