Sensation: Baby nach Gebärmutter-Transplantation geboren

Hoffnung für Frauen, die keine Gebärmutter haben: nach erfolgreicher Transplantation kam in Schweden ein gesunder kleiner Junge zur Welt. Eine weltweit einmalige medizinische Sensation und ein Wunder für die Familie des kleinen Vincent.

Es ist eine medizinische Sensation: Eine 36-jährige Frau hat mit einer gespendeten Gebärmutter ein Kind ausgetragen, wie das Universitätskrankenhaus Sahlgrenska in Göteburg und das Fachmagazin The Lancet berichten. Die Mutter, die anonym bleiben möchte, ist damit die erste Frau, die ein Kind in einer Spender-Gebärmutter ausgetragen und gesund zur Welt gebracht hat.

Der erste Schrei des kleinen Jungen– für die Eltern und für die Ärzte ein Wunder. „Wir konnten es nicht glauben“, sagt Mats Brännström von der Universität Göteborg. Nach 15 Jahren Forschung ist die Geburt des kleinen Jungen ein bahnbrechender Erfolg. Insgesamt neun Frauen wurde eine Gebärmutter transplantiert. Eine von ihnen war die damals 35-jährige. Sie bekam die Gebärmutter einer 61-jährigen, die eine Freundin der Familie ist. Knapp einem Monat nach der Transplantation bekam die Frau ihre erste Periode, ein Jahr später war sie schwanger.

Vincent, das erste Baby, das in einer transplantierten Gebärmutter ausgetragen wurde.  © mit freundlicher Genehmigung von The Lancelet

Vincent kurz nach seiner Geburt. Er ist das erste Baby, das in einer transplantierten Gebärmutter ausgetragen wurde. © mit freundlicher Genehmigung von The Lancet

Allein das war eigentlich undenkbar, denn die Frau wurde mit dem Rokitansky-Syndrom geboren, ohne Gebärmutter und ohne Vagina. Betroffene Frauen hatten bisher keine Chance je Mutter zu werden. Eine Vagina kann zwar geformt werden, doch bisher war der Wunsch nach einem eigenen Kind, trotz funktionierender Eierstöcke unerfüllbar. Nach dem das transplantierte Organ so gut vom Körper angenommen wurde, setzten die Experten der Frau ein Embryo ein, dass bereits vor der OP mit einer künstlichen Befruchtung aus ihren Eiern und den Samen ihres Mannes gezeugt wurde.

Die Schwangerschaft verlief nicht ohne Komplikationen, wie auch das schwedische Fernsehen berichtet. Drei Mal gab es leichte Abstoßungsreaktionen, die aber gut behandeln konnten. Die werdende Mutter litt an einer Präeklampsie und so musste das Kind in der 31. Schwangerschaftswoche mit einem Kaiserschnitt geholt werden. Der kleine Junge wog bei seiner Geburt 1775 Gramm  und war 40 Zentimeter groß. „Als ich diesen perfekten kleinen Jungen auf meiner Brust spürte, weinte ich Träne der Freude und fühlte eine große Erleichterung,“ sagt die Mutter den Medien. Mutter und Kind geht es gut – der Kleine konnte nach zehn Tagen die Frühchenstation verlassen. Er heißt Vincent – der Siegreiche.

Vincents Geburt wird vielen Frauen Hoffnung machen, den sie zeigt, dass etwas, das als undenkbar galt, doch geht:  „Man kann also Frauen, die keine Gebärmutter haben, behandeln“, so Brännström. „Unsere Patientin hat sogar die Möglichkeit, es ein zweites Mal zu probieren.“ Danach werde dann das Organ wieder entfernt, damit sie nicht lebenslang Medikamente nehmen müssten.

Noch weitere Patientinnen aus dem schwedischen Projekt sind schwanger – doch es wird noch dauern, bis weltweit mehr Frauen von dieser neuen Technik profitieren. Sie könnte so bahnbrechend sein, wie die erste künstliche Befruchtung. Und es für Frauen die wegen genetischer Krankheiten oder Krebsbehandlungen keine eigene Gebärmutter haben, die Chance geben Mutter zu werden. Noch möchten die Mediziner mehr Daten, wissen vieles noch nicht. „Routine wird die Operation auch in vielen Jahre nicht sein, “ so Brännström.

Die Eltern des kleinen Vincent interessieren diese Daten wahrscheinlich zur Zeit nicht. Sie freuen sich über ihr persönliches medizinisches Wunder. Sie sind jetzt mit ihrem Sohn zu Hause und erleben die Babyflitterwochen. „Es war ein harter Weg. Aber jetzt haben wir das schönsten Kind. Unser Sohn ist sehr, sehr nett und er schreit nicht, er hat murmelt nur“, zitiert das schwedische Fernsehen den stolzen Vater.

Quelle: The Lancet 2014; online 5. Oktober