Provokante Plakat-Kampagne für öffentliches Stillen

Stillen auf dem stillen Örtchen? Mit ihrer provokanten Plakat-Serie stillender Mütter in öffentlichen Toiletten setzen sich zwei Kunststudenten für mehr Aktzeptanz des Stillens in der Öffentlichkeit in den USA ein.

Sie ziehen sich zum Stillen in die nächstgelegene öffentliche Toilette zurück, verstecken sich an anderen heimlichen Orten vor den Augen der Öffentlichkeit oder werden aus Restaurants und Shops geworfen. Nicht in jedem Land* können Mütter ohne Bedenken in der Öffentlichkeit stillen. Aber was soll Frau tun, wenn der Nachwuchs Hunger hat?

Wenn das Stillen ruft - Plakat-Kampagne für Akzeptanz von öffentlichem Stillen (© Johnathan Wenske and Kris Haro)

Wenn das Stillen ruft – Plakat-Kampagne Pro öffentliches Stillen (© Johnathan Wenske and Kris Haro)

Für mehr Akzeptanz stillender Mütter in der Öffentlichkeit setzt sich in den USA u.a. die „When Nurture Calls“ Kampagne ein. Hierfür haben vor kurzem die Kunststudenten Johnathan Wenske and Kris Haro der Universität North Texas die provokante Plakat-Serie „Would you eat here?“ (Dt. „Würdest du hier essen?“) entworfen. Darauf sind stillende Mütter in beengten öffentlichen Toiletten abgebildet, die mit Slogans wie „Bon appétit“, „Table for two“ (dt. „Tisch für Zwei“) und „Private Dining“ (dt. „Privates Dinner“) betitelt sind.

Im kleingedruckten Text heißt es:  „Stillende Mütter sind vom Gesetz nicht gegen Belästigung oder Ablehnung in der Öffentlichkeit geschützt. Oft sind sie gezwungen in abgeschlossenen Räumen wie öffentlichen Toiletten zu stillen. Um zu helfen, dies zu ändern, besuchen Sie whennurturecalls.com, denn ein Baby sollte niemals gefüttert werden „wo die Natur ruft“.

Werbung

Die Message der Plakate ist damit eindeutig: Nicht einmal Erwachsene würden im stillen Örtchen essen, warum sollten dies dann Babys tun? Stillende Mütter und ihre Babys verdienen Besseres.

Neben der „When Nurture Calls“ Kampagne gibt es derzeit auch Aktionen für mehr Akzeptanz von öffentlichem Stillen in England. So haben im März diesen Jahres tausende britische Frauen für öffentliches Stillen demonstiert. Auslöser war die diskriminierende Bezeichnung der stillenden Emily Slough aus Staffordshire, die auf Facebook deshalb als “Schlampe” betitelt wurde.

* Länder, in denen Stillen in der Öffentlichkeit akzeptiert wird: Deutschland, Skandinavien, afrikanische Staaten, einige südostasiatische Staaten, Australien, Neuseeland, Südamerika u.a.

Länder, in denen Stillen in der Öffentlichkeit weniger bis gar nicht akzeptiert ist: in Großbritannien, den USA, Hongkong, den Großstädten Chinas, muslimischen Ländern und Japan, Frankreich und Spanien sowie etlichen Ländern Osteuropas.

Antworten auf

  1. Kerstin 15. Mai 2014 an 14:24 #

    Schön, dass ihr das Thema hier aufgegriffen habt!
    In manchen Ländern ist das wirklich nicht so einfach. Und gerade in den USA würde man das so ja als Urlauber nicht erwarten. Vielleicht bringt die Kampagne ja etwas. Bis dahin gibt es aber bei uns noch Tipps zum Stillen auf Reisen: http://www.kidsaway.de/reiseplanung/gesundheit/stillen-auf-reisen-aber-klar/

  2. carolin 15. Mai 2014 an 16:43 #

    Wir waren mit unseren Kindern auf Weltreise – und dabei auch für zwei Monate in den USA. Ich habe überall (!) öffentlich gestillt, teils auch ohne Tuch (da vergessen). Ich habe nicht einmal doofe Kommentare bekommen – im Gegenteil, die einzigen Kommentare waren sehr positiv und bestärkend. Und auch doofe Blicke hielten sich in Grenzen. Ich kann nur empfehlen, mit Baby in die USA zu reisen!

  3. Mara 12. Juni 2015 an 21:07 #

    Man muss schon sagen, dass es sehr dumm ist, einer stillenden Mutter es quasi zu untersagen ihr Kind zu ernähren nur weil es die öffenlichkeit mitbekommen kann.

    Wir haben selber die Erfahrung in den USA gemacht, dass das Stillen zu großen Schwierigkeiten führen kann.
    So saß ich bei der Polizei und vor Gericht wegen Anschuldigungen der Erregung öffentlichen Ärgernisses sowie Pornografie und sexueller Belestigung.
    Mit einer Geldstrafe und einer Gegenklarge durften wir dann auch nach 5 Monaten wieder nach Deutschland.

    Ich bin schockiert und erbost darüber.
    Ein riesiges Land voller in meinen Augen dummer Menschen. Wo eine Waffe Freiheit bedeutet und eine stillende Frau angeblich böse Absichten hat.

Schreibe einen Kommentar