Pflanzengift Glyphosat in Muttermilch: Kein Risiko für Babys

Eine aktuelle Studie macht Müttern Angst. Rückstände des Unkrautvernichters Glyphosat wurden in der Muttermilch von deutschen Frauen gefunden. Experten erklären, dass das Stillen trotzdem das Beste für das Baby ist und worauf Stillende achten sollten. LINK-NAME

Stillen ist besonders gesund für Babys. Doch nun wurde ein Studie veröffentlicht, die viele Mütter beunruhigt. In der Muttermilch von deutschen Frauen wurden Rückstände des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat gefunden. Das Herbizid gilt als eines der in Europa verbreitetsten und wird in der Landwirtschaft eingesetzt, in Parks und in Gärten eingesetzt. Es wird vor allem zur Unkrautbekämpfung etwa bei Getreide und Raps genutzt, die auch häufig als Futtermittel genutzt werden. Die Krebsforschungsagentur IARC und die Weltgesundheitsorganisation WHO stufte den Wirkstoff als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

Über Glyphosat und eine weitere Zulassung in der EU wird aktuell debattiert. Die Grünen haben nun das Ergebnis einer Studie veröffentlicht, bei der die Muttermilch von 16 stillenden Frauen auf Belastungen getestet wurde. Bei allen Frauen wurden Glyphosat nachgewiesen, die Werte lagen zwischen 0,210 und 0,432 Nanogramm pro Milliliter Milch gemessen. Laut EU wird ein Grenzwert von 0,3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag als akzeptabel angegeben, die WHO geht von einem Grenzwert von 1,0 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht aus, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Das BfR betont, dass ausgewerteten Daten von sieben anderen Studien vorliegen, bei denen Glyphosat im Urin getestet wurden, dort lägen  der Gehalt in der Regel im einstelligen Mikrogrammbereich pro Liter und daher weit unterhalb eines gesundheitlich bedenklichen Bereichs liegen.

Muttermilch ist die beste Ernährung für Säuglinge (c) Thinkstock

Muttermilch ist die beste Ernährung für Säuglinge (c) Thinkstock

Irene Witte, ehemalige Toxikologin der Universität Oldenburg, nennt gegenüber der dpa die aktuellen Werte in der Muttermilch „untragbar“. Allerdings könne man 16 Proben keine endgültigen Schlüsse ziehen, aber sie seien ein erster Hinweis. Sie fordert, die Untersuchungen dringend auf mehr Frauen auszuweiten, deren Ernährungsgewohnheiten zu betrachten. Auch der regionale Aspekt gilt als wichtig. Wo leben die getesteten Frauen?

Muttermilch ist immer noch die beste Nahrung für Säuglinge

„Die Vorteile des Stillens überwiegen ganz klar“, erklärt Hebamme Jana. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO  und Frauenärzte empfehlen ausdrücklich Muttermilch. Dr. Christian Albring vom Berufsverband der Frauenärzte betont, dass Rückstände von Glyphosat kein Risiko für Babys seien.

Mütter sollten auf keinen Fall aus Sorge vor möglichem Gift abstillen. In Ersatzmilchpräperate werden meist aus Kuhmilch hergestellt, da Kühe im durch ihr Futtermittel mehr Glyphosat zu sich nehmen, gilt die Belastung ihrer Milch höher als bei Menschen.

Stillende sollten bewusst auf ihre Ernährung achten. Wer sich abwechslungsreich ernährt, saisonale Produkte bevorzugt und möglichst zu Biogemüse greift, senkt die Wahrscheinlichkeit von Schadstoffen. „In der Stillzeit sollten auch keine Diäten gemacht werden, denn die Schadstoffe, die im mütterlichen Fettgewebe sind, werden dann freigesetzt. Das geht in die Milch über“, sagt Jana Friedrich.

Die Grünen fordern, dass gegen das Pflanzengift vorgegangen werden sollte. Der Grünen-Obmann im Bundestags-Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, Harald Ebner, sagte: „Jetzt muss wirklich Schluss sein mit der Glyphosat-Verharmlosung.“ Die Regierung müsse die Belastung „dringend untersuchen und entsprechende Schutzmaßnahmen für Schwangere, Stillende und Säuglinge auf den Weg bringen“.

Jana Friedrich betont, dass die Vorteile des Stillens unumstritten sind. „Schadstoffe sollten gesetzlich weiter heruntergefahren werden.“ Wer sehr verunsichert ist, selbst etwa mit Pflanzenschutz gearbeitet hat oder sich Sorgen macht, kann die eigenen Muttermilch auch testen lassen. Das niedersächsische Landesgesundsamt bietet dies, nicht nur für Niedersachsen, an. Auch lokale Gesundheitsämter können eventuell Rat geben, ob es vor Ort Möglichkeiten gibt. Die meisten Mütter gefährden ihre Kinder aber durch Genussgifte, wie Tabak oder Alkohol.

Mehr Informationen auch zu lesen im ausführlichen Artikel: „Ernährung in der Stillzeit“

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