Offener Rücken: Baby im Mutterleib operiert

Karl ist eine medizinische Sensation: der kleine Junge wurde im Heidelberg noch im Mutterleib am offenen Rücken operiert. Der Eingriff wurde zum ersten Mal in Europa durchgeführt.

Der kleine Patient  wog  500 Gramm und war noch gar nicht geboren. Und doch konnte er schon mit einem europaweit einmaligen Verfahren operiert werden. Ein Team aus Perinatalmedizinern und Neurochirurgen am Universitätsklinikum Heidelberg nahm den Eingriff im Mutterleib vor, danach konnte das Baby sich elf Wochen weiter entwickeln. Am 9. August kam der kleine Karl per Kaiserschnitt zu Welt, nun informierte die Klinik über diesen medizinischen Erfolg.

Die erste OP am offenen Rücken noch im Mutterleib in Europa

In der 20.Schwangerschaftswoche erfuhren Katrin Schmidt (30) und ihrem Partner Sebastion Ruby, dass ihr ungeborenes Kind einen so genannten „offenen Rücken“ (Spina bifida aperta) hatte. Seine Wirbelsäule hatte sich nicht vollständig um Rückenmark und Nerven gebildet. „Eine Abtreibung kam für uns nie infrage“, sagt die frisch gebackene Mutter in einem Interview des Mannheimer Morgen.  Das Paar begann zu recherchieren und alle Möglichkeiten abzuwägen. „Da haben wir erfahren, dass es in Heidelberg eine neue OP-Methode gibt“, sagt Katrin Schmidt.  Bisher wurden in Europa Kinder erst nach der Geburt behandelt, in den USA allerdings wurden früher Operationen im Mutterleib schon sehr erfolgreich durchgeführt.

Operation am offenen Rücken

Mit einem europaweit einmaligen Operationsverfahren konnte einn ungeborenes Kind noch im Mutterleib am offenen Rücken operiert werden (c) Universitätsklinikum Heidelberg

„Die Studienergebnisse aus den USA belegen eindrucksvoll den großen Vorteil einer offenen fetalchirurgischen Operation der Spina bifida“, sagt die Kinder-Neurochirurgin Privatdozentin Dr. Heidi Bächli, die das Kind am Rücken operiert hat. „Die Kinder leiden seltener an einem Wasserkopf, das Kleinhirn verlagert sich weniger stark in den Wirbelkanal und das Ausmaß der Lähmungen kann deutlich reduziert werden.“ Werden Kinder mit offenem Rücken erst nach der Geburt operiert, schädigt das Fruchtwasser das offen liegende, ungeschützte Rückenmark irreparabel.

Nach der behutsamen Operation blieb das Kind noch elf Wochen im Bauch seiner Mutter

Bei dem Eingriff wurde die Gebärmutter vorsichtig acht Zentimeter geöffnet und das Ungeborene behutsam so gedreht, dass der offene Rücken gut zugänglich war. Damit es keine Schmerzen hatte, erhielt es eine separate Narkose. „Für den Eingriff während der Schwangerschaft haben wir die Gebärmutter ähnlich einem Kaiserschnitt eröffnet. Das Kind wurde vorsichtig ein Stück herausgehoben und blieb dabei mit der Nabelschnur verbunden“, erklärt Professor Dr. Christof Sohn, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. „Während der Operation wurden Rückenmark, harte Hirnhaut und Haut Schicht für Schicht verschlossen. So haben wir dem Baby den bestmöglichen Start ins Leben ermöglicht: das Risiko für einen Wasserkopf wurde reduziert und schwere Schäden am Rückenmark konnten weitgehend verhindert werden“, so Professor Dr. Andreas Unterberg, Geschäftsführender Direktor der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg.

Der kleine Karl entwickelt sich nach der Geburt sehr gut (c) Universitätsklinikum Heidelberg

Der kleine Karl entwickelt sich nach der Geburt sehr gut
(c) Universitätsklinikum Heidelberg

Wie geplant kam der kleine Junge per Kaiserschnitt zur Welt.  Drei Tage nach seiner Geburt wiegt Karl gut 2500 Gramm. „Er schläft viel, trinkt viel, nimmt zu“,  sagt seine Mutter, die froh ist, dass sie sich für den Eingriff entschieden haben. „Die Entscheidung kann man niemandem abnehmen. Für uns war wichtig, dass wir unserem Kind mitgeben, was möglich ist.“

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