OECD-Studie: Beschäftigung von Frauen und Müttern hat positiven Effekt – Skandinavien zeigt, wie es geht

Eine neue OECD-Studie zeigt, wie gut sich die Förderung von Frauen und Müttern auf das Wirtschaftswachstum auswirkt. Vordenker und Vorreiter sind hier die skandinavischen Länder. Deutschland hinkt hinterher.

Die langjährigen Bemühungen der skandinavischen Länder Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island zeigen Erfolg. Der OECD-Schnitt der Beschäftigungsquote von Frauen liegt bei ca. 60%, in Schweden und Island bei knapp unter und über 80%. Die Quote steigt kontinuierlich in diesen Ländern. Damit sind die Frauen (und Mütter) in skandinavischen Ländern für bis zu 20% des Wirtschaftswachstums in den vergangenen 50 Jahren verantwortlich. Kurzum: Es lohnt sich, Frauen und Müttern einen Beruf zu ermöglichen – und zwar für alle.

Wie schaffen es Schweden, Island, Finnland, Norwegen und Dänemark, Frauen und damit Familien zu unterstützen? Einmal gibt es eine großzügigere Elternzeit, subventionierte Kitaplätze, Nachmittagsbetreuung für Schulkinder und einen mehrmonatigen Erziehungsurlaub nur für Väter (um sie zu mehr Einsatz im Haushalt und bei der Kindererziehung zu bringen). Die Mehrheit der Beschäftigten haben dazu Tarifverträge – was zur Gleichstellung von Frau und Mann beiträgt.

(Un)Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Thinkstock)

Und in Deutschland? Steckt in vielerlei Hinsicht noch ein konservatives Familienbild: Der Mann verdient die Brötchen, die Frau verhandelt alles rund um den Haushalt und kümmert sich um die Kinder. Denn Kitaplätze sind Mangelware – auch wenn seit gut 10 Jahren Kitas ausgebaut werden, gibt es vielerorts nicht genug Plätze. Elternzeit gibt es zwar auch bei uns, aber das Ehegattensplittung und die kostenlose Mitversicherung nicht arbeitender Ehegatten setzen weiterhin finanzielle Anreize für den zweiten Ehepartner, nicht arbeiten zu gehen.

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Mit 70% Beschäftigungsquote liegt Deutschland allerdings gar nicht so weit hinter den Skandinaviern – aber die meisten Frauen mit minderjährigen Kindern (ebenfalls 70%) arbeiten nur halbtags (20 Stunden pro Woche). Es kommen also deutlich weniger Arbeitsstunden gegenüber den genannten skandinavischen Ländern zusammen.

Arbeitgeber in Deutschland wehren sich gegen die Pläne der Bundesregierung, Beschäftigten ein Recht einzuräumen, von Teilzeit in Vollzeit zurückwechseln zu dürfen.
Im Frühjahr setzte die IG Metall für Millionen Beschäftigte das Recht durch, die Arbeitszeit befristet unter 30 Stunden zu reduzieren. Ein teilweiser Lohnausgleich scheiterte an den Arbeitgebern. Mit einem ähnlichen Modell für alle Beschäftigten, nicht nur für Frauen, scheitert die SPD aber bisher an ihrem Koalitionspartner CDU.

Hier sind weitere Informationen und Statistiken der OECD zum Thema Geschlechterdifferenzen in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht aufbereitet.

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