Neue Studie zu Gründen von Kinderlosigkeit

Hängen steigende Berufstätigkeit bei Frauen und niedrige Geburtenraten tatsächlich zusammen? War früher wirklich alles besser – gab es weniger kinderlose Paare? Diesen Fragen widmet sich eine aktuelle Studie zur Fertilität in deutschsprachigen Ländern.

Immer mehr Frauen sind in der heutigen Zeit berufstätig, deshalb ist auch die Geburtenrate so niedrige wie nie. Solche und ähnliche weitverbreitete Meinungen halten Forscher einer interdisziplinären Arbeitsgruppe für Mythen. In einer Studie unter dem Titel „Zukunft mit Kindern“ haben sie Fertilität und gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht.

In deutschsprachigen Ländern gibt es eine tatsächlich vergleichsweise niedrige Geburtenrate: 1,4 Kinder pro Frau. Der Wert misst die Geburtenhäufigkeit innerhalb eines Jahres. Das sei aber nur eine Momentaufnahme, meinen die Forscher. Betrachte man die durchschnittliche Kinderzahl aller 1965 geborenen Frauen bis zum Ende ihrer Fruchtbarkeit (Kohortenfertilität), so kommt ein höherer Wert von 1,6 heraus.

Die niedrigen Geburtenraten seien außerdem nicht hauptsächlich dadurch bedingt, dass Paare kinderlos bleiben. Es gebe nur viel mehr Familien mit nur einem Kind als früher. Die Erwerbstätigkeit zieht hier nicht als Erklärung, denn in Skandinavien und Frankreich gebe es die höchste Erwerbstätigkeit von Frauen bei gleichzeitig höchster Geburtenrate. Ist der Grund für die niedrige Geburtenrate in deutschsprachigen Ländern also in der Unvereinbarkeit von Kind und Karriere zu suchen?

Familie - Zukunft mit Kindern

Neue Studie: Zukunft mit Kindern (© Thinkstock)

Die Forscher räumen auch mit dem Mythos auf, dass früher alles besser – die Geburtenraten höher – gewesen sei. Zwar sei jede fünfte Frau, die um 1965 geboren worden sei, kinderlos geblieben. Aber zu Beginn des Jahrhunderts hatte sogar jede vierte keine Kinder.

Wer heute noch Kinder bekommt, ist meistens älter als Eltern in früheren Zeiten. Diese Annahme bestätigen die Daten der Wissenschaftler zwar, aber der Grund hierfür sei nicht in der gestiegenen Lebenserwartung oder längeren Fruchtbarkeit von Frauen zu suchen. Das öffentliche Bewusstsein werde hier von spektakulären Einzelfällen verzerrt.

Eine Broschüre zur Studie Zukunft mit Kindern steht kostenlos zum Download zur Verfügung (PDF), die vollständige Studie ist im Campus Verlag erschienen.

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