Neue Theorie: nächtliches Babygeschrei wirkt wie ein Verhütungsmittel

Nächtliches Babygeschrei wirkt wie ein Verhütungsmittel. Diese interessante Theorie stellte vor kurzem der Evolutionsbiologe David Haig auf. Demnach verhindere der Schlafmangel die Zeugung weiterer Geschwister, sodass die Überlebenschancen des Babys aus evolutionstheoretischer Perspektive steigen.

Babys schreien nachts, um mütterliche Aufmerksamkeit zu ergattern und die Eltern zu müde für eine romantische Nacht zu machen, sodass kein Geschwisterchen gezeugt wird. Diese überraschende These zum nächtlichen Babygeschrei formulierte vor kurzem der Evolutionsbiologe David Haig von der Harvard Universität.

Unter dem Titel „Troubled sleep – Night waking, breastfeeding and parent–offspring conflict“ veröffentlichte Haig Anfang März 2014 seine Studienergebnisse im Fachjournal „Evolution, Medicine and Public Health“ online (doi: 10.1093/emph/eou005).

Mutter beruhigt schreiendes Baby

Warum Babys nachts schreien (© Thinkstock)

Fast jeder kennt es: Monatelang hält nächtliches Babygeschrei Mütter und Väter wach. Irgendwo zwischen Glückseligkeit und totaler Verausgabung aufgrund durchwachter Nächte schlafwandeln die Eltern durch die ersten Monate. Ist das alles nur ein ausgefuchster Plan der kleinen Wonneproppen, um neuen Nachwuchs zu verhindern?

Dies scheint nach Ansicht des Harvard Biologen David Haig eine mögliche Erklärung für das nächtliche Schreiphänomen zu sein. Demnach schreien Babys nicht bloß, weil sie Hunger haben, sondern verzögern dadurch auch den Eisprung der Mutter, sodass weiterer Nachwuchs vorerst nicht möglich sei.

Haig betont jedoch, dass es sich hierbei nicht um ein bewusstes Verhindern der Fruchtbarkeit der Mutter handelt. Aus evolutionstheoretischer Perspektive betrachtet, erhöhe vielmehr das nächtliche Schreien und das häufige Gestilltwerden die Überlebenschancen des Babys und die Chance, später seine eigenen Gene an die nächste Generation weitergeben zu können.

Denn: „Es ist klar, dass Babys genug Milch bekommen, selbst wenn sie nachts durchschlafen“, äußerte sich Haig gegenüber dem Magazin „Shots“.

Regelmäßiges nächtliches Stillen scheint bei vielen Frauen einen neuen Eisprung direkt nach der Entbindung zu verhindern. Daher sei nach Haigs Perspektive es nicht abwegig, dass nächtliches Füttern Mütter länger unfruchtbar macht, sodass das Baby die Eltern nur für sich hat und seine Überlebenschancen damit besser stehen.

Haigs Theorie sei jedoch nur eine mögliche Erklärung, betont Anthroplogin Holly Dunsworth von der Rhode Island Universität. Die Theorie vernachlässige beispielsweise die Liebe und Wärme, die nächtliches Stillen für Baby und Mutter mit sich bringen.

Evolutionsbiologe Haig selbst hoffe, dass seine Theorie Eltern die Angst nehme, nächtliche Schlafgewohnheiten ihrer Sprösslinge zu verändern, wenn es beispielsweise darum geht, die Kleinen zum Durchschlafen zu bewegen.