Kein erhöhtes Fehlgeburts-Risiko durch Schmerzmittel

Könnte die Einnahme bestimmter Schmerzmittel während der Schwangerschaft mit einem erhöhten Fehlgeburts-Risiko einhergehen? Israelische Wissenschaftler geben Entwarnung: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder andere nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) hatten laut ihrer Studie keine Auswirkungen.

Ob die Einnahme bestimmter Schmerzmitteln während der Schwangerschaft das Fehlgeburts-Risiko erhöht? Dieser Frage gingen israelische Wissenschaftler in einer umfangreichen Studie nach. Wissenschaftlerin Amalia Levy und ihre Kollegen sehen im Ergebnis ihrer Studie jedoch kein erhöhtes Risiko für Schwangere. Ihre neuesten Studienergebnisse veröffentlichten sie vor kurzem im „Canadian Medical Association Journal“ (CMAJ, doi: 10.1503/cmaj.130605).

Neue Studie: Kein erhöhtes Fehlgeburts-Risiko durch Schmerzmittel  (© Thinkstock)

Neue Studie: Kein erhöhtes Fehlgeburts-Risiko durch Schmerzmittel (© Thinkstock)

 

Amalia Levy und ihre Kollegen des Soroka Medical Center in Beer-Sheva (Israel) haben analysiert, welche Schmerzmittel alle Frauen, die zur Entbindung oder wegen einer Fehlgeburt in das Krankenhaus kamen, während des ersten Schwangerschaft-Trimesters eingenommen hatten.

Für ihre Studie analysierten die Ärzte Daten der Jahre 2003 bis 2009. Insgesamt 58.949 Frauen hatten in dieser Zeit in der Klinik entbunden. 6.508 Frauen kamen wegen einer Fehlgeburt in die Klinik.

Knapp sieben Prozent der Patientinnen hatten im ersten Trimester Schmerzmittel in Form nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) genommen. Am häufigsten war dies Ibuprofen, gefolgt von Diclofenac und Naproxen. Sogenannte selektive Cox-2-Hemmer, welche Schmerzen über einen anderen Mechanismus als die des NSAR-Typ kappen, hatten nur sehr wenige Frauen eingenommen.

Bei den Frauen, die ein Schmerzmittel geschluckt hatten, handelte es sich meist um ältere Frauen, die eher unter Entzündungskrankheiten litten oder Frauen mit Schilddrüsen-Unterfunktion oder Raucherinnen. Darüber hinaus waren in dieser Gruppe häufiger Frauen, die nach einer künstlichen Befruchtung schwanger geworden waren.

Zehn Prozent der Schwangeren, die wegen einer Fehlgeburt in die Klinik kamen, hatten keinerlei NSAR eingenommen. Bei Frauen, die NSAR eingenommen hatten, waren es acht Prozent. Für die Wissenschaftler ist diese Differenz statistisch kaum relevant.

Nach Auswertung der Daten zeigte sich, dass Ibuprofen und andere sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) nicht das Risiko einer Fehlgeburt erhöhten.

Frühere Studien zur Einnahme von NSAR und einem möglichen Fehlgeburts-Risiko hatten bisher widersprüchliche Ergebnisse geliefert. Die neue Untersuchung von Levy und ihren Kollegen nun bezieht sich auf einen sehr großen Bevölkerungsteil eines Bezirks und rechnet fast alle bekannten Risikofaktoren für eine Fehlgeburt mit ein, was diese neue Erkenntnis aus Sicht der Forscher noch mehr stützt.

Die Wissenschaftler merken jedoch an, dass weitere mögliche Nebenwirkungen auf das Kind im Mutterleib als Nebeneffekt der Medikamenteneinnahme in der Studie nicht untersucht wurden.

Welche weiteren Medikamente Schwangere nehmen könnten, erfahren Interessierte beim Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie. Auch wenn Embryotox Schwangeren bei leichten Schmerzen den Wirkstoff Paracetamol empfiehlt, sollte beachtet werden, dass neuere Studien gezeigt haben, dass die Langzeiteinnahme von Paracetamol mögliche Entwicklungsverzögerungen bei Kindern zur Folge haben könnte.