Neue Kita-Streiks angekündigt

Die Schlichtung ist gescheitert. Am Donnerstag werden Arbeitgeber und Gewerkschaften weiter verhandeln, doch bereits jetzt sind neue Streiks angekündigt. Ab wann müssen sich Eltern erneut auf geschlossene Einrichtungen einstellen?

Noch bis zum Mittwoch haben alle 16 Bundesländer Schulferien. Nicht immer einfach, die Betreuung von Schulkindern in den sechs Wochen zu organisieren. Auf Eltern von Kindergartenkindern kommen aber nach dem Sommer allerdings noch viel härtere Zeiten zu: erneut sind Streiks in den kommunalen Kindereinrichtungen angesagt.

Denn im Tarifstreit um die Gehälter der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst ist die Schlichtung gescheitert. Die Gewerkschaft Ver.di teilte mit, dass sich 69,13 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder im Sozial- und Erziehungsdienst bei einerBefragung gegen den Vorschlag der Schlichtungskommission ausgesprochen haben. Beim Deutschen Beamtenbund waren es 60 Prozent, bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprachen sich 68,8 Prozent gegen das Schlichtungsangebot aus. „Das ist ein klarer Handlungsauftrag, den Streik fortzusetzen“, so der Ver.di Vorsitzende Franzk Bsirske.

Drohen erneute Kita-Streiks? © Thinkstock

Drohen erneute Kita-Streiks? © Thinkstock

Der Schlichtungsvorschlag hatte eine Einkommenserhöhung um zwei bis 4,5 Prozent erhöht. Das sei keine echte Aufwertung der Tätigkeiten, erklärten die Gewerkschaften. Die Arbeitgeber hatten der Einigungsempfehlung der Schlichter zugestimmt. Thomas Böhl, Präsident der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) erklärt: „Wir haben kein Verständnis dafür, wenn dieser austarierte Kompromiss nun in den anstehenden Verhandlungen am Donnerstag abgelehnt werden sollte.“

Wie die „Rheinische Post“ berichtet, sollen mögliche Streiks bundesweit zeitlich einheitlich organisiert werden und nicht vor dem Ende der Schulferien sein. Das würde für Eltern bedeuteten, dass zumindest bis Mitte September die Betreuung stattfinden wird, denn erst dann gehen auch die Bayern wieder in die Schule.

Am 13. August werden Gewerkschaften und Arbeitgeber wieder zu Tarifverhandlungen aufnehmen. Während die Gewerkschaft darauf verweisen, dass es um die Aufwertung eines Berufes geht und die Erzieher und Sozialarbeiter vergleichsweise schlecht gestellt sind, verweisen die Kommunen auf ihre angespannte Haushaltslage.

Die CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt spricht für viele Eltern, wenn sie alle Beteiligten zur Vernunft aufruft: „Ich appelliere an alle Beteiligten, die aktuelle Auseinandersetzung nicht auf dem Rücken der Eltern auszutragen und Streiks möglichst zu vermeiden“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Paul Lehrieder (CSU), Vorsitzender des Familienausschusses im Bundestag versteht die Mitglieder der Gewerkschaften: „Nach meiner Auffassung ist die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher mehr wert, als der Schlichterspruch vorsieht“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ in einem Interview. „Die Eltern wären bestimmt auch bereit, für gute Betreuung etwas mehr zu bezahlen als bisher. Ich denke, da sollte ein Kompromiss möglich sein, der signifikant über dem bisherigen liegt.“

Doch sollten wirklich neue Streiks kommen, wären Eltern – und vor allem Kinder– diejenigen, die erneut unter dem Arbeitskampf leiden. Selbst bei viel Verständnis für das Anliegen, kamen Eltern und Kinder bereits bei der letzten Streikwelle an ihre Grenzen.