Nach Rauswurf – Mutter fordert Gesetz zum Schutz Stillender

Stillverbot im Cafe? Eine junge Mutter möchte sich das nicht gefallen lassen. Sie fordert, dass eine gesetzliche Regelung Stillende in der Öffentlichkeit schützen soll. Denn ihr Erlebnis ist kein Einzelfall!

Es ist normal, in einem Café Nahrung zu sich zu nehmen. Eigentlich. Aber leider noch immer nicht, für gestillte Babys. Johanna Spanke wollte etwas bestellen und wurde darauf aufmerksam gemacht, dass Stillen nicht erwünscht sei. “ Ich hatte ja noch überhaupt keine Anstalten gemacht und stille ohnehin immer sehr diskret mit einem Tuch.“ Sie fragte beim Besitzer nach, ob es selbst mit einem Tuch über dem Kopf des Babys nicht möglich sei. „Er hat nur gesagt, dass er keine Zeit für die Diskussion hat, mir mein Geld wiedergegeben und mich gebeten, zu gehen.“

Essen im Cafe - nicht für jeden (c) Thinkstock

Essen im Cafe – nicht für jeden (c) Thinkstock

Kein Einzelfall. Vor einigen Monaten hatte ein Busfahrer in Hamburg eine Stillende aus dem Bus gewiesen. Auch Fälle von Kinderwagenverbot und Hinweise darauf, dass „so etwas“ sich nicht gehöre sind leider keine Seltenheit. Johanna Spanke will das nicht akzeptieren. „Es kann doch nicht sein, dass einem alle erzählen, wie gesund und wichtig Stillen ist. Und dann werden Frauen so beschämt, wenn sie es öffentlich tun“, sagt die junge Mutter. Sie beschloss zu handeln und setzte eine Online-Petition auf, in der sie Familienministerin Manuela Schwesig dazu auffordert, Diskriminierung von Stillenden gesetzlich zu verbieten.

„Wir fordern ein Gesetz zum Schutz des Stillens in der Öffentlichkeit! Mütter sollten in Deutschland das Recht haben, ihre Kinder an öffentlichen Orten, wie Cafés und Restaurants zu stillen, ohne des Ladens verwiesen zu werden“, heißt es in der Petition, die schon fast 10. 000 Unterzeichner hat.

Stillen in der Öffentlichkeit  -  muss ein Gesetz her? (c) Thinkstock

Stillen in der Öffentlichkeit – muss ein Gesetz her? (c) Thinkstock

Ein solches Gesetz, das öffentliches Stillen ausdrücklich gestattet, würde auch der Deutsche Hebammenverband begrüßen. Aleyd von Gartzen, Beauftragte für Stillen und Ernährung erklärt: „Die Lage ist verrückt: In Werbung und Medien sind nackte Brüste erlaubt. Aber wenn ein Kind gestillt wird, ist das ‚Igitt‘.“

Rechtlich gesehen, durfte der Gastwirt so handeln, betont der Hotel- und Gaststättenverband Berlin. „Es liegt in ihrem Ermessen, wer Gast sein soll“, sagt Sprecherin Kerstin Jäger. Wenn sich andere durch einen Besucher gestört fühlten, sei dies ein legitimer Grund für einen Inhaber, von seinem Recht Gebrauch zu machen.

Für Mütter ummöglich, findet Johanna Spanke: „Muss ich zukünftig in Lokalen anrufen, um die erfahren, ob ich da stillen darf“, fragt sie. Solche Regelungen führten dazu, dass „wir Mütter vom normalen Leben ausgeschlossen werden.“

Aus dem Bundesfamilienministerium gibt es eine erste Reaktion. „Stillen ist gut und wichtig für Mutter und Kind“, so eine Sprecherin. „Das belegen zahlreiche Studien. Wir wollen eine kinder- und familienfreundliche Gesellschaft. Dazu gehört auch, dass es Müttern möglich sein muss in der Öffentlichkeit ihre Kinder zu stillen.“

Ob es tatsächlich ein Gesetz geben wird? Das liegt sicher auch daran, wie oft die Petition unterschrieben wird.  Wer mitmachen möchte:

Petition zum Schutz von Stillenden in der Öffentlichkeit