Moderner Mythos: Sind Frauen besser beim Multitasking als Männer?

Sind Frauen wirklich besser beim Multitasking als Männer? Diesen modernen Mythos haben nun britische Forscher genauer untersucht.

Frauen, so sagt man, können besser als Männer mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen. Wissenschaftler Gijsbert Stoet aus Glasgow und seine britischen Kollegen aus Leeds und Hertfordshire haben in ihrer aktuellen Studie dem Mythos auf den Zahn gefüllt. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass zwar eine leichte Überlegenheit der Damenwelt vorhanden sei, es jedoch auch möglich sei, dass das geschlechtsspezifische Talent zum Multitasking von der Art der Aufgabe abhänge.

Ihre Ergebnisse haben die Studienautoren unter dem Titel „Are women better than men at multi-tasking?“ in der Fachzeitschrift „BMC Psychology“ veröffentlicht (doi:10.1186/2050-7283-1-18).

Frauen besser im Multitasking (© Thinkstock)

Frauen besser im Multitasking? (© Thinkstock)

Für ihre Studie haben Gijsbert Stoet von der Universität Glasgow und seine Kollegen das Verhalten von 120 Frauen und 120 Männern in einem computerbasierten Multitaskingtest und das von weiteren 47 Frauen und 47 Männer in einem Multitaskingtest untersucht, der nur aus Papier und Stift bestand. Die Tests konzentrierten sich jedoch nicht auf eine spezielle Art des Multitaskings, vielmehr mussten die Studienteilnehmer mehrere schnell aufeinanderfolgende Aufgaben bewältigen anstatt mehrerer Aufgaben gleichzeitig. Solche Situationen kommen im Alltag weitaus häufiger vor, betonen die Wissenschaftler in ihrer Arbeit.

Im computerbasierten Experiment mussten die je 120 Frauen und Männer geometrische Symbole nacheinander erkennen, um die unterschiedlichen Reaktionszeiten der Geschlechter zu messen. In der anschließenden Auswertung dann zeigte sich, dass Frauen etwas besser abgeschnitten hatten. So brauchten sie mit 69 Prozent, Männer aber mit 77 Prozent mehr Zeit beim Lösen der Aufgaben.

Der zweite Test widmete sich dem viel Alltäglicheren und lieferte weniger eindeutige Ergebnisse. Die Studienteilnehmer mussten drei Aufgaben in acht Minuten lösen, wobei zwischendurch das Telefon klingelte. So musste ein Schlüsselbund in einem unbekannten Raum gefunden werden, einfache Rechenaufgaben gelöst werden, Restaurants auf einer Karte entdeckt werden und Wissensfragen beantwortet werden. In welcher Reihenfolge die Aufgaben gelöst wurden, blieb den Probanden selbst überlassen. Die Frauen zeigten sich lediglich bei der Suche nach dem Schlüssel überlegen – in der Gesamtauswertung gab es hingegen keine relevanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Obwohl Frauen in der Studie in bestimmten Aspekten den Männern gegenüber besser abgeschnitten hatten, schließen die Forscher nicht aus, dass sich dieser Vorteil ins Gegenteil umkehren könnte, sobald sich die Aufgabe ändert. Für genauere Aussagen sind jedoch weitere Studien notwendig.