Milchpulver wird knapp – erneute Lieferengpässe

Leere Regale in den Drogerien? Ausgabe nur haushaltsüblichen Mengen? Eltern finden zur Zeit nicht immer die gewohnte Babynahrung im Regal. Die Hersteller und Händler bieten dafür eine Erklärung und Hilfe.

Eltern, die bestimmte Marken Milchpulver und Anfangsnahrung für ihr Baby kaufen möchten, sehen derzeit wieder vielerorts Lücken in den Regalen.  Fast in jedem Drogeriemarkt steht ein Hinweisschild, dass Milchpulver nur in haushaltsüblichen Mengen verkauft werde. Die Märkte können der Gesamtnachfrage zur Zeit nicht überall nachkommen.  Sebastian Bayer, Mitglied der Geschäftsleitung bei dm-drogerie markt, bestätigt gegenüber dem Magazin „Stern“, dass die Gesamtnachfrage nach Milchpulver nicht gedeckt werde. „Wir können die Warenpräsenz nicht in allen Märkten gewährleisten“, so Bayer.

Besonders betroffen sind die bekannten großen Markenhersteller. Die Firma Hipp erklärt, dass die anhaltend hohe Nachfrage in einigen Großstädten und Ballungsgebieten dazu führe, dass die gesuchte Hipp Nahrung vorübergehend nicht zu finden sei.  Auch Aptamil HA Pre ist zur Zeit schwer in den Regalen zu bekommen, bestätigt Stefan Sohl, Leiter der Unternehmenskommunikation der Milupa Nutrica GmbH der liliput-lounge auf Anfrage. Alle anderen Produkte seien aber gut verfügbar.

In wenigen Tagen, am 8. Februar, wird das chinesische Neujahrsfest gefeiert. Milchpulver aus Deutschland ist da ein beliebtes Geschenk. Stefan Sohl bestätigt: „Vor dem chinesischen Neujahrsfest sehen wir tatsächlich eine deutlich erhöhte Nachfrage.“ Die Hersteller Hipp und Milupa haben ihre Produktion sehr gesteigert, Sohl erklärt, dass Milupa etwa drei Mal mehr produziere als vor etwa zwei Jahren.

Leere Regale bei Milchpulver und Hinweis auf Mengenbeschränkung in einer Rossmann-Filiale in Leipzig (© Foto: liliput-lounge.de)

Leere Regale bei Milchpulver und Hinweis auf Mengenbeschränkung in einer Rossmann-Filiale in Leipzig (© Foto: liliput-lounge.de)

 

Das es trotzdem derzeit bei einigen Marken zu einer Knappheit kommt, hat jedoch nicht nur mit der Nachfrage aus Asien zu tun: „Beim Produkt Aptamil HA Pre gab es einen Brand in der Produktionslinie und  daher wird es zur Zeit in kleinen Mengen produziert.“ Was tun, wenn ausgerechnet, das Wunschprodukt nicht erhältlich ist? Dazu hat Milupa ein Sicherheitsnetz geschaffen. Der Elternservice von Milupa ist kostenlos unter  Tel. 0800 278 26 45 zu erreichen. Zudem hat der Hersteller gemeinsam dm und windeln.de einen Reservierungsservice eingerichtet, über den Eltern die gewünschten Produkte vorbestellen können.

Auch der Hipp-Konzern bietet  Hilfe und einen Elternservice unter Tel. 0 84 41 /57 384 an.

Hungern muss kein Baby, die Engpässe sind unangenehm, aber die Situation ist lange nicht so schlimm, wie vor ein paar Jahren. Für die jetzt betroffenen Babyeltern ist das natürlich kein großer Trost. Sie sorgen sich, das sie ihrem Kind eventuell ein anderes Milchpulver anbieten müssen. Geht das überhaupt?

Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, beruhigt Eltern. Wenn es nicht anders ginge, kämen gesunde Babys mit eine Umstellung gut zurecht: „Wichtig bei der Auswahl des Ersatzproduktes ist, dass es dem Alter der Kinder gerecht wird. Kinder mit Allergieneigung sollten wie gewohnt weiterhin eine hypoallergene HA-Nahrung bekommen, falls dies der Kinder- und Jugendarzt empfohlen hat.“

Welche Milchpulver zu empfehlen sind, geht aus dem aktuellen Test der Zeitschrift Öko-Test hervor, über den hier ausführlich berichtet wird.

Mutter füttert Baby mit Pre-Milch aus Babyfläschchen

Babys vertragen im Notfall auch eine Umstellung des Milchpulvers (c) Thinkstock

Die Hersteller haben ihre Produktion in den letzten Jahren deutlich gesteigert. Denn die enorme Anfrage hatte seit einem Milchpulver-Skandal in China 2008 im asiatischen Raum enorm zugenommen. Die Produzenten von Babynahrung hatten damals Pulver mit der Chemikalie Melanin angereichert. Die giftige Mischung führte dazu, dass sechs Baby starben und rund 300.000 Kleinkinder  ins Krankenhaus kamen. Seit diesen Vorfällen trauen viele chinesische Eltern heimischen Milchproduzenten nicht.

Die als sicher und hochwertig geltende deutsche Säuglingsnahrung ist besonders beliebt und die Sorge chinesischer Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder wird von privaten Händlern sehr ausgenutzt.  Private Einkäufer kaufen in Deutschland Milchpulver und verkaufen es dann zu Wucherpreisen im Internet teuer nach China. Auch das ist ein Grund für die Einkaufsbeschränkung in den Märkten, denn Hersteller und Händler möchten diese Praxis unterbinden.

German Baby Food  - bei Käufern und privaten Händlern beliebt (c) Screenshot ebay.com

German Baby Food – bei Käufern und privaten Händlern beliebt (c) Screenshot ebay.com

Hintergründe zum Milchpulver-Skandal sind in unserem Artikel  “Erneuter Milchpulver-Skandal in China” zusammengefasst.

Mehr Informationen zum Thema Milchpulver: Fläschchen für das Baby: 12 Tipps zum Füttern und Zubereiten von Milchnahrung