Medizinische Sensation: Baby von drei Eltern

Mit Hilfe einer neuen Technik kam nun ein gesunder Junge zur Welt – mit dem Erbgut von der leiblichen Mutter, einer Eizellen-Spenderin und des Vaters. Für die Eltern ein Wunder – für Experten eine Sensation, die kontrovers diskutiert wird.

Ein Baby, drei genetische Eltern – mit Hilfe einer neuen Methode der künstlichen Befruchtung wurde ein Kind mit dem genetischen Material von drei Elternteilen geboren. Damit gilt der kleine Junge als medizinische Sensation, denn sein Erbgut stammt zu Teilen von der Frau, die ihn geboren hat, von einer Eizellspenderin und von seinem Vater, wie das amerikanische Magazin „New Scientist“ berichtet.

Seit über zwanzig Jahren wünschte sich ein Paar aus Jordanien Kinder. Die Mutter trägt allerdings das sogenannte Leigh-Syndrom in ihren Genen. Sie selbst ist gesund, aber durch die Störung kommen ihre Kinder mit schweren Schäden am Nervensystem zu Welt. Zehn Jahre nach der Hochzeit wurde die Frau schwanger, hatte jedoch die erste von vier Fehlgeburten. 2005 wurde eine erste, schwer kranke, Tochter geboren, die im Alter von sechs Jahren starb, ihre jüngere Schwester wurde nur acht Monate alt. Nur mit Hilfe einer neuen Reproduktionmethode war es dem Paar nun möglich ein gesundes Kind zu bekommen.

Baby

Baby mit Erbgut dreier Elternteile geboren/ Symbolbild © Thinkstock

Der behandelte Arzt John Zhang vom New Hope Fertility Center in New York behandelte das Paar in Mexiko, die neue  Technik ist in den USA verboten. In Deutschland wäre das Verfahren nach dem Embryonenschutzgesetz ebenfalls nicht gestattet. Die Reproduktionsmediziner nennen die Technik Kerntransfer.

Da die Gene des Leigh-Syndroms in der mitochondrialen DNA angesiedelt sind, dort wird die Energie für menschliche Zellen produziert. Dieser Teil der Zelle verfügt über eigene Erbsubstanz und unterscheidet sich von dem Erbgut im Zellkern. Dr. Zhang entfernte  daher den Zellkern aus einem der Eier der Mutter und injizierte ihn in ein Spender-Ei, dessen Zellkern vorher entfernt wurde. Das so entstandene Ei hatte jetzt den Zellkern der Mutter und die mitochondrische DNA der Spenderin – es wurde dann mit dem Sperma des Vaters befruchtet. Das Team wandte die Methode fünf Mal an, doch von den fünf Embryonen entwickelte sich nur einer normal. Dieser wurde der Mutter eingesetzt – und nach neun Monate bekam sie nach einer unauffälligen Schwangerschaft einen gesunden Jungen.

„Um Leben zu retten, war das ein ethisch richtiger Schritt“ sagte John Zhang dem „New Scientist“. In Deutschland fallen die ersten Reaktionen aus der Fachwelt zurückhaltend aus. „Ethisch wird die Beteiligung von drei Elternteilen – zweier Mütter und eines Vaters – kontrovers diskutiert“, sagte die Reproduktionsmedizinerin Christine Wrenzycki von der Universität Gießen gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“.

Der kleine Junge, der bereits im April geboren wurde, ist nicht der erste Mensch mit drei biologischen Eltern. In einer Klinik im US-Bundesstaat New Jersey kamen um die Jahrtausendwende 17 Kinder zur Welt, die Mitochondrien einer Spenderin in ihren Zellen tragen. Allerdings wurde ein anderes Verfahren genutzt, es wurde beim sogenannten Zytoplasmatransfer  Zellflüssigkeit einer Spenderin übertragen. Die Technik wurde nach Sicherheitsbedenken 2002 in den USA verboten, in Deutschland war sie nie erlaubt.

  • j.

    Wunderbar und unglaublich, was heutzutage möglich ist.

    • Kunigunde

      Ob das tatsächlich so wunderbar ist, ich wage es zu bezweifeln! Unglaublich ist es allerdings, aber im negativen Sinn. Mir kommt es fast gruselig vor, was Paare so alles unternehmen, um irgendwie die Natur zu überlisten, wenn sie auf natürlichem Wege kein Kind bekommen können.