Mediziner warnen vor Paracetamol in der Schwangerschaft

Das bekannte Schmerzmittel Paracetamol sollte von Schwangeren nicht eingenommen werden. Welche Gefahren drohen und welche Alternative es gibt, erklären Experten.

Paracetamol ist eines der am häufigsten verkauften Medikamente in Deutschland – das Schmerzmittel kann ohne Rezept in jeder Apotheke erworben werden. Gleichzeitig ist es aber auch schon lange umstritten. Wer Paracetamol über einen längeren Zeitraum einnimmt, kann Leber und Nieren schädigen und hat ein erhöhtes Risiko für Herzbeschwerden, Magengeschwüre und Schlaganfälle.

Bisher galt Paracetamol gerade für Schwangere als unbedenklich, doch Experten wie Kay Brune, Pharmakologe an der Universität Erlangen-Nürnberg, fordern schon seit Jahren eine kontrollierte Ausgabe des Medikaments ein. Brune setzt sich dafür ein, dass es Paracetamol nur noch auf Rezept gibt, weil der freie Verkauf die Meinung stärke, dass das Medikament ein ungefährliches Schmerzmittel sei. Gemeinsam mit einem Team des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)  untersuchte er die Nebenwirkungen von des Medikamentes. Dabei werden vor allem die Ergebnisse zweier aktueller Studien ausgewertet.

 

Vorsicht bei Schmerzmitteln in der Schwangerschaft

Forscher warnen vor Schmerzmittel Paracetamol in der Schwangerschaft (Foto: Thinkstock / Hemera)

Eine norwegische Mutter- und Kind-Studie  zeigte, dass Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft mehr als 28 Tage Paracetamol einnahmen, schlechter gesamtmotorisch entwickelt waren, eher ein gestörtes Kommunikations- und Sozialverhalten und verstärkte Hyperaktivität zeigten.

Ähnliche Beobachtungen weist auch eine dänische Studie nach, deren Ergebnis zeigt, dass Kinder von Müttern, die das Medikament einnahmen, als sie ihr Kind erwarteten ein erhöhtes Risiko haben häufiger unter hyperkinetischen Erkrankungen, ADHS oder Verhaltensauffälligkeiten zu leiden.

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Prof. Dr. Hartmut Göbel, Leiter der Schmerzklinik Kiel, betont vor dem Hintergrund dieser Studienergebnisse, auf der Internetseite der Klinik, dass Paracetamol auch das Risiko des Ungeborenen verstärke an Hodenhochstand und Asthma zur erkranken. Er schreibt: “ Die Empfehlung, Paracetamol als sicheres und unbedenkliches Medikament während der Schwangerschaft einzusetzen, ist nicht mehr haltbar. Der Nutzen von Paracetamol ist gering. Es ist bei schweren Schmerzen nicht wirksam, bei Einsatz bei schwachen Schmerzen muss das jetzt bestehende umfangreiche Risiko für verschiedenste schwerwiegende lebenslange Erkrankungen abgewogen werden.“

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) deklariert zwar  Paracetamol bei therapeutischer Einnahme als unbedenklich, empfiehlt es aber nur in der niedrigsten wirksamen Dosis. Sprecher Maik Pommer erklärte gegenüber Spiegel Online: „In der Schwangerschaft sollte Paracetamol nur bei dringender Notwendigkeit angewendet werden.“

Tatsächlich  könne der Zusammenhang zwischen einer Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft und einigen der Risiken nicht eindeutig belegt werden, so  auch Prof. Göbel. Schwangere sollten sich im Zweifel für das Wohl des Kindes entscheiden.  Er rät werdenden Müttern als Alternative den Arzneistoff Ibuprofen. „Im ersten und zweiten Trimenon kann Ibuprofen ohne die vorbeschriebenen Risiken verwendet werden.“ Im dritten Trimenon sollte es jedoch nicht eingesetzt werden.

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