Kritik: Babynahrung viel zu süß und ungesund

Werden Babys überfüttert und zu früh an Zucker gewöhnt? Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert, dass viele Produkte für die Kleinsten alles andere als gesund seien. Auch viele Markenprodukte schneiden schlecht ab.

Eltern in Deutschland legen schon mit Beginn der Schwangerschaft hohen Wert auf die Sicherheit und Gesundheit ihres Babys. Aber wie sieht es in Sachen Ernährung aus? Die Werbung verspricht, nur die besten Produkte für die jüngsten Kunden. Doch kann man diesem Versprechen trauen? Die scheinbar gesunden Mahlzeiten für Säuglinge stehen aktuell in der Kritik der Verbraucherorganisation Foodwatch. Zu süß und zu kalorienreich seien die Babyprodukte der bekannten Hersteller.

Babynahrung oft zu süß (© Thinkstock)

Babynahrung oft zu süß (© Thinkstock)

Die Breie, Kekse, Trinkmahlzeiten und gesüßten Tees enthielten zu viel Zucker und zu viele Kohlenhydrate, moniert Foodwatch. „Was viele Lebensmittelhersteller als gesunde oder altersgerechte Nahrung für Babys und Kleinkinder empfehlen, wird diesem Anspruch oft nicht gerecht.“

Das trifft im Besonderen auf die sogenannten Trinkmahlzeiten für Babys zu, die es als Milch-Getreide-Mischung gibt. Nicht nur Foodwatch, auch Kinderärzte sprechen sich bereits seit Jahren dafür aus, den Verkauf dieser Mischungen zu verbieten. Babys könnten mit diesen stark kohlenhydratreichen Produkt schnell überfüttert werden und ihre Zähne an Karies erkranken. Hersteller Danone reagierte prompt auf die Vorwürfe und zog seine Trinkmahlzeiten der Marke Milupa vom Markt. Hipp und Nestlé verkaufen ihre Produkte dagegen weiter.

Zu den kritisierten Produkten gehören:

  • (Hipp) Bebivita Milch-Getreide Mahlzeiten
  • Nestlé Alete Mahlzeiten zum Trinken
  • Hipp Gute-Nacht
  • Holle Bio-Babykeks Dinkel ab dem 8. Monat
  • Rossmann babydream Bio Kinderkeks ab dem 8. Monat
  • Nestlé Alete Kinder Keks ab dem 8. Monat
  • Hipp Babykeks ab dem 8. Monat
  • (Hipp) Bebivita Cremiger Grießbrei ab dem 8. Monat
  • Danone Milupa Milchbrei Schoko ab dem 6. Monat
  • Hipp Grießbrei ab dem 10. Monat
  • (Hipp) Bebivita Kinder-Früchtetee ab 12 Monate

(Quelle: Hintergrund – Produkte für Säuglinge (PDF), Foodwatch September 2014)

Wenn Babyprodukte den ärztlichen Empfehlungen widersprechen (Bild: © Foodwatch)

Wenn Babyprodukte den ärztlichen Empfehlungen widersprechen (Bild: © Foodwatch)

Salz und Zucker vermutet man in Babybrei wohl am wenigsten. Auch künstliche Zusatzstoffe sollten hier nicht enthalten sein, denn der Geschmacksinn von Babys gewöhne sich sonst zu früh an künstliche Zusatzstoffe, betont auch die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Trotzdem verkauft Danone seinen „Milchbrei Schoko ab dem 6. Monat“ unter seiner Marke weiter. Das Produkt enthält synthetisches Vanillearoma und über neun Prozent Zucker. Erst im April dieses Jahres testete die Ökotest verschiedene Babybreie. Das Ergebnis: 10 von 12 Breien fielen mit Blick auf den Zuckergehalt und Schadstoffe durch.

Auch die Kekse ab dem 8. Monat, die von Holle, Babydream (Rossmann), Alete und Hipp angeboten werden, trügen in keiner Weise zu einer gesunden Babyernährung bei. Die Kekse, so Foodwatch, hätten einen „Zuckergehalt von 14,6 (Holle) bis 25 Prozent (Alete)“. Das widerspreche der Vorgabe der von der Bundesregierung ins Netz gerufene Netzwerk „Gesund ins Leben“, die für eine gesunde Babyernährung „möglichst wenig Zucker“ fordert.

Problematisch seien auch gesüßte Getränke. „Babys und Kleinkinder sollten Wasser oder ungesüßte Kräutertees trinken“, lautet die Empfehlung der Bundeszahnärztekammer. Trotzdem bietet Hipp unter seiner Marke Bebivita weiterhin Instant-Tees an, die ein Zuckergranulat enthalten. Als Folge von zu viel Zucker, kann schon im Babyalter Karies entstehen.

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer untermauert die Kritik an zuckerhaltiger Babykost: „Frühkindliche Karies in den ersten Lebensjahren ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Schuld daran ist nicht zuletzt die häufige Gabe von süßen Getränken oder süßen Zwischenmahlzeiten, denn diese verursachen Karies schon an den ersten Zähnchen. Das hat langfristige Folgen: Kinder mit frühkindlicher Karies entwickeln auch im Erwachsenengebiss deutlich häufiger Karies.“

Foodwatch fordet nun eine strengere Gesetzesvorgabe für die Herstellung von Produkten für Säuglinge. Die Zusammensetzung aller Mahlzeiten und Getränke für Babys sollten sich nach der zahn- und kinderärztlichen Empfehlungen richten. Schon jetzt existierten Vorgaben der EU für Babyprodukte, so das Magazin Focus. Allerdings bezögen sich diese „vor allem auf Rückstände von Pestiziden, den Vitamingehalt und die allgemeine Nährstoffzusammensetzung.“ Wenn diese Anforderungen erfüllt seien, dürfe der Hersteller seine Produkte mit der Empfehlung „ab dem achten Monat“ etikettieren. Allerdings fänden sich noch immer große Spielräume in den Vorgaben, die durch die Hersteller clever nützen, um Babynahrung mit Zucker anzureichern.