Kindergarten wird eingemauert – Schallschutzmauer sorgt für Diskussionen

Im Berliner Stadtteil Dahlem wird eine fünf Meter hohe Mauer um einen Kindergarten errichtet. Die zukünftigen Anwohner einer luxuriösen Wohnsiedlung sollen gegen Kinderläm geschützt werden.

Der Fall erhitzt die Gemüter. In Berlin-Dahlem entsteht gerade eine fünf Meter hohe Mauer, die eine noble Wohnsiedlung von einem Kindergarten, einer Skateranlage und einem Basketballplatz trennen soll.

Die einen mögen es, die anderen fühlen sich genervt von Kindergeschrei und den klackenden Geräuschen von Skateboards. Die Lärmschutzmauer soll das deutsch-englische Kinderhaus Tom Sawyer des Unionhilfswerks und die Jugendfreizeiteinrichtung des Bezirks G. Marshall von einer neuen Wohnanlage trennen. Die Stahlträger werden nun Stück für Stück mit Platten gefüllt, fünf Meter nach oben.

„Fünf Morgen“ heißt die neu entstehende Anlage in Dahlem, „Ein Wohngebiet mit ca. 100 Wohneinheiten, darunter Villen, Twin Villen, Gallery Houses und Apartments. Hinzu kommen vielfältige Nutzungen und ein Nahversorgungszentrum entlang der Clayallee“, verspricht der Investor Stofanel seinen zukünftigen Bewohnern. Der naturnahe See soll für Wohlfühlatmosphäre sorgen. Die nötige Ruhe im 50.000 Quadratmeter gr0ßen „Fünf Morgen“-Areal soll die Lärmschutzwand garantieren. Gebaut wird sie aber auf der anderen Seite – bei den Kindern und Jugendlichen.

Kindergarten wird eingemauert - Anwohner wollen ihre Ruhe (© Symbolfoto: Thinkstock)

Kindergarten wird eingemauert – Anwohner wollen ihre Ruhe (© Symbolfoto: Thinkstock)

Brigitte Schulte-Fortkamp, Professorin an der TU Berlin mit dem Fachgebiet Psychoakustik und Lärmwirkung äußert sich gegenüber der SZ-Online kritisch: „Eine fünf Meter hohe Mauer ist absurd, das ist soziale Ausgrenzung“. Sie plädiert für ein harmonisches Miteinander, bei dem Nachbarn sich miteinander absprechen.

Auch Anne Pallada, Leiterin der betroffenen Kita, ist nicht von der Mauer begeistert. Sie fühle sich mit der Mauer wie im Gefängnis. Ebenso empört sind die Eltern der 110 Kita-Kinder. Die Mauer würde sie zu Menschen zweiter Klasse degradieren und vom normalen Miteinander ausschließen.

Eine Lärmschutzmauer an der Autobahn - fünf Meter hoch soll die Mauer um den Kindergarten werden (Symbolfoto: Thinkstock)

Eine Lärmschutzmauer an der Autobahn – fünf Meter hoch soll die Mauer um den Kindergarten werden (Symbolfoto: Thinkstock)

Die Idee, eine Lärmschutzmauer zu errichten, stammt dabei nicht vom Investor Stofanel selbst. Der Bezirk verpflichtete ihn dazu, um möglichen Klagen vorzubeugen. Experten hatten zuvor im Auftrag der Stadt den Lärmpegel gemessen. Ihr Ergebnis: Der Lärmpegel sei für die Anwohner nicht zumutbar. Eine Alternative zu dem Schutzwall haben die Politiker nicht gesehen. Nun kann der Kindergarten nur noch hoffen, dass die geplante Begrünung der Lärmschutzmauer die Sicht aus dem Fenster etwas erträglicher macht.