Kindergarten verbietet an Fasching Waffen

Schwerter, Säbel und Pistolen gehören für viele Kinder zu ihrem Kostüm dazu. Doch Kindergärten werden nun zu waffenfreien Zonen – auch an Fasching. Experten finden das falsch.

In der Marienkäfergruppe wird es in diesem Jahr an Fasching sehr friedlich zu gehen. Denn wie „Die Welt“ berichtet, sind in einem Kindergarten in nördlichen Oberbayern alle Spielzeugwaffen verboten. Auch an Fasching. Holz- und Laserschwerter, Degen und Pistolen müssen zu Hause bleiben.

Für Kinder ist die Enttäuschung groß, wenn es so strikte Verbote gibt,  Erziehungs-Experten raten jedoch dazu, das Spiel mit Waffen nicht zu dramatisieren, nicht hyperventilieren. „Der Versuch, über die Kinder die Welt zu heilen, ist zwar gut gemeint. Doch ein Verbot von Spielzeugwaffen ist der komplett falsche Weg“, sagt Diplom-Psychologe Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth im Interview der Welt. Dieser Meinung schließt sich auch Diplompädagoge Günther Gugel an. „Wer das Spiel mit einem Holzschwert gleichsetzt mit Aggression, zieht denn falschen Schluss“, sagt der ehemalige Geschäftsführer des Instituts für Friedenspädagogik in Tübingen.„Niemand wird zum Amokläufer, nur weil er im Kindesalter gerne durch die Gegend ballert.“, sagt Gugel. Vielmehr sei es eine völlig normale Entwicklungsphase, die Kinder unbeschadet überstehen würden.

Gut und Böse, Stärke und Schwäche sind laut Gugel im Alter zwischen drei und sechs Jahren wichtige Spielthemen in der Entwicklungsphasse, gerade bei Jungen. Dabei gehe es nicht darum,  zu verletzen, sondern um das Erleben von Macht und dem Sieg gegen das Böse.

Die Waffe gehört für Kinder zum Kostüm dazu ©Thinkstock

Wird dieses Spiel verboten, bekämen die Kinder das Gefühl nicht zu genügen und die falschen Vorstellungen zu haben. Sie spielen dann heimlich und mit schlechtem Gewissen. Wichtig sei für Eltern und Erzieher, dass Kinder sehr genau unterscheiden können, was Spiel und was Realität ist.  „Die Kinder bekommen schließlich was von der Welt mit. Krieg und Frieden sind durchaus auch schon Themen für Vierjährige“, erklärt Engel.

Ein Kostüm wurde oft bewusst gewählt und das Schwert des Ritters, der Säbel des Piraten oder die Pistole des Cowboys werden von Kindern meist als Teil der Rolle gesehen. Feen haben ja schließlich auch ihre Zauberstäbe und dürfen sie behalten.  Eltern können Kinder erklären, dass Seeräuber nicht nur kämpfen, sondern auch segeln und Fernrohre brauchen. Gemeinsam über die Rolle und über Waffen sprechen ist ein Weg. Eine spezielle Waffenkammer im Kindergarten dafür, wenn das Spiel zu sehr ausartet, eine anderer.

Der Kindergarten in Bayern ist sicher kein Einzelfall.

 

 

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  • Kunigunde

    Hier wird eine heile Welt verordnet und den Kindern die Freude am Verkleiden genommen. Ich kann es nicht verstehen, wenn in Kindergärten eine lebensfremde Oase entsteht, und die Kinder nicht auf das richtige Leben vorbereitet werden. Wir wohnen gegenüber von einem Kindergarten, da wollten die Erzieherinnen verhindern, daß man zu Ausladen des Autos vor seine Wohnung fährt!